Deutsche Bank setzt nun auf mittelfritisgen Ausstieg
HDI-Einstieg bei Gerling fast perfekt

Der Verkauf des Gerling-Kerngeschäfts an den Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) soll nach Angaben aus Verhandlungskreisen bis Ende nächster Woche über die Bühne gehen. "Es gibt zwar noch kleinere Schwierigkeiten bei den Verflechtungen der Rück- mit der Erstversicherungssparte, die sind aber nicht unüberwindbar", verlautete am Freitag aus den Kreisen.

Reuters FRANKFURT. Die Deutsche Bank werde im Rahmen dessen ihren 34,5-prozentigen Anteil an dem angeschlagenen Kölner Versicherungskonzern in den neuen Konzern einbringen und an HDI-Gerling dann knapp sieben Prozent halten. Die neue Gruppe würde zumindest im deutschen Industrieversicherungsgeschäft der stärkste Konkurrent von Marktführer Allianz.

Sprecher der Deutschen Bank und des HDI gaben keinen Kommentar ab. Ein Gerling-Sprecher sagte, es gebe mit dem HDI und Private-Equity-Fonds (Fonds, die in nicht börsennotierte Gesellschaften investieren) intensive Gespräche. Angaben zu einem Zeitrahmen für die Verhandlungen wollte er nicht machen. Gerling-Chef Heinrich Focke hatte in einem Mitarbeiter-Brief am Mittwoch erklärt, Vorentscheidungen könnten bald erwartet, wichtige Elemente müssten aber noch gelöst werden.

Der HDI werde die gesamte Transaktion mit Aktien seiner noch nicht börsennotierten Zwischenholding Talanx - in der künftig HDI-Gerling aufgehen wird - bezahlen, hieß es in den Kreisen. "Es ist keine Barkomponente vorgesehen - auch nicht für Mehrheitseigner Rolf Gerling." Der Anteil von Rolf Gerling an der neuen Gruppe würde durchgerechnet rund 15 % betragen. Für Mitte nächster Woche sei der letzte Meilenstein bei den Verhandlungen angepeilt. "Dann sollte das Thema Rückversicherung vom Tisch sein, es gibt mehrere Optionen", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter. Der Verkauf des Rückversicherungsgeschäfts gilt als wichtige Voraussetzung für die Transaktion.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) will in Kürze entscheiden, ob sie dem Verkauf der defizitären Rückversicherungssparte Gerling Globale Rück an die Lago Achte GmbH des Managers Achim Kann zustimmt. "Wir rechnen nicht mit einer Zustimmung und sprechen deshalb schon lange mit (dem US-Investor Christopher) Flowers und anderen amerikanischen Abwicklungsspezialisten", hieß es in den Kreisen.

Die Deutsche Bank setzt jetzt augenscheinlich nicht mehr auf einen sofortigen, sondern eher mittelfristigen Ausstieg aus ihrem kostspieligen Gerling-Engagement. "Die Bank wird an der neuen Gruppe knapp sieben Prozent halten und setzt auf den bis 2005 geplanten Börsengang", hieß es in den Kreisen. Diesen Berechnungen liegen den Angaben zufolge eine Bewertung von insgesamt rund einer Milliarde Euro für die als Gerling-Kerngeschäft geltende Sach- und Lebensversicherungssparten sowie vier Mrd. für den HDI zu Grunde. Im vergangenen Jahr musste die Deutsche Bank auf ihre Beteiligung an dem Kölner Versicherer 700 Mill. ? abschreiben, jetzt steht Gerling bei noch mit knapp 500 Mill. ? in den Büchern des Instituts. Bei dem Kreditversicherer Gerling NCM wird die Bank voraussichtlich nur kurzfristig die Mehrheit übernehmen. "Strategisch wird das nicht sein, es geht eher darum, den Börsengang von NCM mittelfristig zu ermöglichen", hieß es in den Kreisen.

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