Deutsche Bank spricht von Hardlanding in den USA, Morgan Stanley Dean Witter von Rezession – Gutes Anleihejahr erwartet
Analysten uneins über Aussichten für Aktien

Obwohl zahlreiche führende Banken nach dem jüngsten Zinsschritt der US-Notenbank ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Europa nach unten revidiert haben, bleiben sie unterschiedlicher Ansicht über den europäischen Aktienmarkt. Während manche den Kursboden erreicht sehen, halten sich andere mit Optimismus zurück.

rez/tmo FRANKFURT/M. Unterschiedlich schätzen Bankstrategen die Aussichten für europäische Aktien ein: Während Pascal Constantini, Aktienstratege bei der Deutsche Bank den Kursboden nun langsam als erreicht ansieht, äußern sich Analysten von Morgan Stanley Dean Witter (MSDW) pessimistischer.

Die schlechteren Wachstumsaussichten für die USA und für Euroland seien in den schwachen Aktienkursen bereits enthalten, begründete Constantini auf einer Veranstaltung in Frankfurt seinen Optimismus. Zwar dürften die Gewinne von Firmen in den USA und Europa 2001 nur einstellig wachsen. Doch rät er Anlegern, langsam zyklische Werte zuzukaufen und defensive Aktien unterzugewichten. Als interessante Branchen nennt Constantini die Sektoren wie Bau, Chemie, Papier und Maschinenbau. Sein Kollege Ulrich Beckmann will dagegen weitere starke Kursschwankungen im ersten Quartal nicht ausschließen. Spätestens Ende März sollten Investoren aber in Aktien umschichten, um bei einer Trendwende dabei zu sein. Insgesamt rechnet Beckmann 2001 mit einem positiven Aktienergebnis.

Furchterregender Kollaps im TMT-Bereich

MSDW erwartet dagegen besonders bei den früheren Börsenstars weitere Kursverluste. "Der Kurskollaps in den Branchen Telekommunikation, Medien und Technologie ist inzwischen richtig furchterregend", meint MSDW-Anlagestratege Barton Biggs. Er hält eine kurzfristige Rally von High-Tech-Titeln für möglich, erwartet aber auf Dauer neue Tiefstände. Trotz der starken Kursverluste bei Titeln der so genannten New Economy seien viele Aktien auf Basis der Gewinnerwartungen immer noch "astronomisch hoch" bewertet.

Insgesamt sind die Anlagestrategen des US-Hauses jedoch wegen der bereits massiven Kursverluste für die weltweiten Börsen verhalten positiv gestimmt. Jan Hatzius, Vice-President und International Economist bei Goldman, rät allerdings nachdrücklich von Dollar-Investments ab. Der Dollar sei überbewertet und werde gegenüber dem Euro an Wert verlieren. Goldman Sachs erwartet bis zum Jahresende einen Kurs von 1,22 $ je Euro. Zum Vergleich: In den vergangenen Tagen pendelte der Euro um 0,95 $. Auch Deutsche-Bank-Stratege Michael Rosenberg nannte den US-Dollar zum Euro in der Spitze bis zu 40 % überbewertet. Die Korrektur bringe in diesem Jahr nun einen Wechselkurs um 1,05 $.

Aggressive Umschichtungen nicht zu empfehlen

Die französische Bank BNP-Paribas bleibt dagegen bei ihrer "defensiven Anlagestrategie". So lange die künftige Entwicklung der US-Konjunktur unsicher bleibe, sollten Anleger keine aggressiven Umschichtungen vornehmen, rät BNP-Paribas in einer Studie.

Am Rentenmarkt sieht Goldman-Experte Hatzius vor allem in Europa gute Kurschancen. Denn der erwartete Konjunktureinbruch in den USA werde auch Europa belasten. Das dürfte die Europäische Zentralbank zu Zinssenkungen bewegen - was für bestehende Anleihen mit Kursgewinnen verbunden wäre. Auch Deutsche-Bank-Stratege Beckmann sieht 2001 erneut als gutes Jahr für Bonds. Die die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe als Gradmesser für den europäischen Anleihekurse könnte bis Ende März auf 4,3 % fallen. Auf dem Niveau könnten Kurs und Rendite vor dem Hintergrund einer niedrigeren Inflation von durchschnittlich 1,8 % verharren. Allenfalls große Umschichtungen in Aktien könnten Kurse drücken.

Euro-Erholung bremst die Wirtschaft

Nachdem verschiedene Banken ihre Prognose für das US-Wachstum revidiert haben und für das erste Halbjahr weitere Gewinn- und Umsatzabsschwächungen erwarten, rechnen sie auch mit weiter sinkenden Leitzinsen: Die Deutsche Bank erwartet, dass die US-Notenbank im Zuge des Hardlanding die Leitzinsen bis zum Sommer noch um einen Prozentpunkt auf 5 % senkt, die Europäische Zentralbank dürfte mit 0,75 Prozentpunkten folgen. Die Euro-Erholung wirke für die Wirtschaft wie eine Verschärfung der Geldpolitik um 0,75 Prozentpunkte, was die Wirtschaft aktuell bremste. Das mache in die Konjunkturdelle in Europa hinein keinen Sinn, begründet Beckmann seine Erwartung.

Die Halbierung des Wachstums war nötig geworden, weil man die Wirkung einer verschärften US-Geldpolitik und des überbewerteten Dollar auf die Investitionsbereitschaft unterschätzt habe, sagte Beckmann. Auch US-Fed-Chef Greenspan sei mit sechs Zinserhöhungen wohl zu optimistisch gewesen. Von einer US-Rezession spricht die Deutsche Bank dennoch im Gegensatz zu Morgan Stanley Dean Witter nicht. Nur wenn die US-Sparquote nach noch krasser als erwarteten US-Zinserhöhungen in die Höhe schieße, könnte das Land in eine Rezession fallen. Davon gehe man aber nicht aus.

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