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Deutsche Bank übernimmt Scudder für 2,5 Mrd Dollar

Die Deutsche Bank wird den US-Vermögensverwalter Scudder im Wert von 2,5 Mrd. Dollar von dem schweizerischen Finanzkonzern Zurich Financial Services übernehmen und zum viertgrößten Vermögensverwalter der Welt aufsteigen.

rtr FRANKFURT. Dabei wird die Bank wohl etwas mehr als eine Milliarde Dollar in bar zahlen. Von dem Barpreis könnten nach Angaben von Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer allerdings auch bis zu 500 Mill. Dollar in eigenen Aktien gezahlt werden. Außerdem gibt die Bank ihren 75,9-prozentigen Anteil an der Versicherungsholding (VHDB) - zu dem auch der Deutsche Herold gehört - an Zurich ab. Die Transaktion soll Anfang 2002 abgeschlossen sein. Die Aktien der Bank legten deutlich zu.

Der Wert für 100 % an VHDB und das ebenfalls an Zurich gehende Versicherungsgeschäft in Italien, Spanien und Portugal ist den Angaben zufolge mit 1,5 Mrd. ? (rund 1,37 Mrd. Dollar) angesetzt worden. Durch den Verkauf von VHDB an Zurich rechnet die Deutsche Bank nach Informationen auf der Internetseite von Zurich mit einem einmaligen, steuerfreien Kapitalgewinn von knapp einer Milliarde Euro. Die Scudder-Übernahme soll den Plänen zufolge im Jahr 2003 Gewinn abwerfen.

Deutscher Herold und die Bonndata sind wesentliche Bestandteile der bankeigene Versicherungsholding

Die Vereinbarung zwischen Deutscher Bank und Zurich umfasse allerdings nicht Threadneedle Investments, die in Großbritannien ansässige Einheit von Scudder. Wesentlicher Bestandteil der VHDB seien der Deutsche Herold sowie Bonndata.

Bestandteil der Grundsatzvereinbarung sei außerdem eine umfangreiche strategische Kooperation von Deutscher Bank und der Zurich-Gruppe, in erster Linie auf den Gebieten Versicherungsvertrieb, Vermögensverwaltung und Banking. In diesem Rahmen werde auch weiter separat über den Preis und die Kaufbedingungen für die Deutsche Bank-Tochter Bonnfinanz sowie die Asset-Management-Aktivitäten von Zurich in Deutschland und Italien verhandelt.

Die Deutsche Bank ist bereits seit längerem auf der Suche nach einem Vermögensverwalter in den USA und nach einem Partner im Versicherungsgeschäft. Durch die Kooperation mit Zurich wird die Deutsche Bank ein vergrößertes Vertriebsnetz für ihre eigenen Produkte erhalten und kann gleichzeitig ihr Angebot an Versicherungsdienstleistungen erweitern, ohne dafür eigene Produkte entwickeln zu müssen. Zurich erhält im Gegenzug über den Deutschen Herold Zugang zu dem lukrativen und wegend der Rentenreform schnell wachsenden deutschen Markt für Lebensversicherungen und Produkte für die private Altersvorsorge.

Mit der Scudder-Übernahme steigert die Deutsche Bank ihr verwaltetes Vermögen von derzeit rund 750 Mrd. ? auf mehr als eine Billion Euro. Scudder verwaltete nach Angaben der Deutschen Bank per Ende Juni rund 278 Mrd. Dollar. Die Position von Scudder ist vor allem in den USA stark. In Europa hat der Vermögensverwalter nur ein kleines Geschäft. Der Deutsche Herold verwaltet rund 3,4 Mrd. ? und gilt insbesondere im Geschäft mit Lebensversicherungen als erfolgreich.

Mit dem Verkauf von VHDB konzentriere sich die Deutsche Bank auf ihr Kerngeschäft, teilte Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer mit. Bereits vor einigen Wochen hatte Breuer gesagt, dass der Versicherungsbereich nicht zum Kerngeschäft seines Finanzinstituts gehöre. Die Bank müsse zwar mit guten Produkten am Markt vertreten sein, es sei aber nicht notwendig, diese auch selbst zu entwickeln.

Den Angaben zufolge soll Scudder schnell in die bestehenden Vermögensverwaltungs-Aktivitäten der Deutschen Bank integriert werden. "Ziel ist es, eine Steigerung der Ertragskraft und eine erhöhte Effizienz zu erreichen", hieß es. Die Übernahme von Scudder im Tausch gegen das Versicherungsgeschäft der Deutschen Bank war bereits seit längerem erwartet worden. Es galt als sicher, dass Zurich den Fiannzverwalter abgeben wollte. Der Abschluss des Geschäfts, dass Analysten von Anfang an als sinnvoll eingeschätzt und mit 2,5 bis 3,0 Mrd. Dollar bewertet hatten, war jedoch nach den Anschlägen in den USA in der vergangenen Woche verschoben worden.

Die Aktie der Deutschen Bank notierte gegen Montagmittag rund 6,5 % im Plus bei 51,63 ?. Der Dax lag zeitgleich knapp 3,6 % über seinem Freitags-Schlusskurs.

fun/mwo REUTERS 241314 Sep 01

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