Deutsche Bank und HDI sind sich weitgehend einig: Rolf Gerling bleibt auf Altlasten sitzen

Deutsche Bank und HDI sind sich weitgehend einig
Rolf Gerling bleibt auf Altlasten sitzen

Die Verkaufsverhandlungen über den Gerling-Konzern kommen gut voran. Die Deutsche Bank und der HDI-Konzern haben einen Weg gefunden, weite Teile des angeschlagenen Industrieversicherers zu übertragen. Beide gehen ohne Altlasten aus dem Deal. Rolf Gerling hat das Nachsehen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF Die Verkaufsverhandlungen über weite Teile des angeschlagenen Gerlings-Konzerns an den Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) kommen gut voran. Nach Informationen des Handelsblatts haben sich die beiden Gerling-Anteilseigner Deutsche Bank (34,5 %) und Rolf Gerling (65,5 %) weitgehend mit dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) geeinigt. Weder der HDI noch Gerling wollten sich gestern zu den Details äußern.

Nach diesem Plan übernähmen die Hannoveraner die beiden Gerling-Töchter für Industrie- und Lebensversicherungen (GKL und GKA) und würden diese an ihrer Zwischenholding Talanx ankoppeln. Die Deutsche Bank erhielte im Endeffekt den Kreditversicherer NCM und wäre damit vor weiteren Haftungsrisiken aus dem Altgeschäft von Gerling Rück sicher. Den Wert der NCM-Beteiligung beziffern Finanzkreise auf mindestens 400 Mill. Euro. Der zweitgrößte Kreditversicherer Europas gehört zu drei Vierteln Gerling, den Rest hält die Swiss Re. Ihr Gerling-Paket hat die Deutsche Bank noch mit 500 Mill. Euro in den Büchern stehen, nachdem sie bereits 700 Mill. Euro darauf abgeschrieben hat.

Noch ist der Deal aber nicht perfekt. Wirtschaftsprüfer geben zu bedenken, dass der Transfer der NCM an die Deutsche Bank aus aktienrechtlichen Gründen nur schwer umzusetzen ist.

In dem neuen Szenario scheint Mehrheitsaktionär Rolf Gerling den Kürzeren zu ziehen. Er bekäme vor allem Aktien an der Zwischenholding Talanx. Das Problem: Diese Papiere kann er nicht über die Börse verkaufen. Deshalb dürfte Rolf Gerling diesem Deal nur zustimmen, wenn sichergestellt ist, dass er das Talanx-Paket zu Geld machen kann. Dies hat er dringend nötig. Denn nach Informationen aus Versicherungskreisen hat er ungefähr eine Milliarde Euro Schulden. Als möglicher Käufer bietet sich deutsche Unternehmer an. Bereits seit Monaten versucht der Industrielle August Oetker Geldgeber für eine Gerling-Rettung zu gewinnen. Für die Gesamtrettung des Kölner Industrieversicherers konnte er offenbar nicht genügend Kapital einsammeln. Doch nach wie vor ist die Industrie an einem zweiten starken Industrieversicherer interessiert, als Gegengewicht zur Allianz. Zu diesem könnte ein durch den Gerling-Zukauf verstärkter HDI werden.

Rolf Gerling bliebe diesen Überlegungen zu Folge allein auf den Altlasten der in Schließung befindlichen Gerling-Konzern Globale Rückversicherungs-AG (GKG) sitzen. Grund: Weder die Deutsche Bank noch der HDI sind bereit einem Deal zuzustimmen, bei dem sie weiter in der Haftung bleiben. Die Probleme des Rückversicherers vor allem in den USA haben die Krise beim Gerling-Konzern ausgelöst. Insider wissen, "ein Verkauf ohne Infektionsrisiko ist unmöglich". Ob Rolf Gerling die Lasten einer GKB allein schultern kann bezweifeln Branchenkenner, vor allem wegen der umstrittenen Konzernhaftung für die Rückversicherung.

Hintergrund: Die Kunden der Gerling-Rück wollen sich dem Vernehmen nach nicht damit zufrieden geben, dass ihre Risiken statt beim sechstgrößten Rückversicherer der Welt (GKG) nur in einer kleinen GmbH gelandet sind. Diese GmbH gehört dem Investor Achim Kann, der auf diesem Weg die GKG übernommen hatte. Doch der Deal wird noch von der Finanzaufsicht geprüft. Die verärgerten GKG-Kunden plädieren für eine Durchgriffshaftung auf die alte Konzernmutter Gerling-Konzern Beteiligungs-AG (GKB). Aus Kreisen des HDI, dem drittgrößten Industrieversicherer nach Allianz und Gerling, ist zu hören, der HDI wolle auf gar keinen Fall in die GKG-Altlasten hineingezogen werden. Allenfalls hat die HDI-Tochter Hannover Rück Interesse am europäischen Teil des Lebens-Rückversicherungsgeschäfts. Allerdings hatte die Hannover Rück ihr Angebot dafür schon vor so langer Zeit abgegeben, so dass sie es im Zweifel erneut prüfen müsste.

Als weitere Währung stehen dem HDI die Aktien ihrer Tochter Hannover Rück zur Verfügung. Der HDI ist bereit ihre Beteiligung von derzeit 75 % auf 50 % plus eine Aktie zu senken. Die Hannover Rück hat sich in der Baisse bisher relativ gut geschlagen. Sie notierte gestern mit 23,60 Euro in der Nähe des 52-Wochen-Hochs. Allerdings bliebe für die Deutsche Bank dann das Problem bestehen, dass sie weiter an Versicherern beteiligt wäre. Die Bank will aber aus dem Versicherungsgeschäft aussteigen.

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