Deutsche Bank und Morgan Stanley lagen mit düsteren Prognosen richtig
Ex-Pessimisten erwarten Börsenaufschwung

Zwei Pessimisten haben das Lager gewechselt: Die europäischen Strategieteams der Deutschen Bank und der Investmentbank Morgan Stanley erwarten nun eine bessere Entwicklung an den Börsen.

DÜSSELDORF. Richard Davidson, verantwortlich für die Europa-Strategie bei Morgan Stanley, erklärt: "Ich weiß zwar nicht, wo die Börsen in einem Monat stehen. Aber ich habe zwei feste Überzeugungen - dass die Kurse am 21. September ihren Tiefpunkt für dieses Jahr erreicht haben und dass die Börsen in sechs Monaten deutlich höher stehen." Davidson stockte die Aktienquote seines Musterdepots auf.

Auch James Barty und Bernd Meyer vom Strategieteam der Deutschen Bank haben ihr Musterdepot auf einen Kursanstieg ausgerichtet. Sie nahmen mehr zyklische Aktien auf - zu Lasten defensiver Werte, die als Stabilitätsgarant in schlechten Zeiten, aber als Bremser im Aufschwung gelten. "Manche konjunktursensiblen Branchen sind jetzt preisgünstig", sagt Meyer, "dagegen sind defensive Branchen wie Pharma und Lebensmittel im historischen Vergleich sehr teuer".

Bis vor kurzem verfolgten beide Banke eine vorsichtige Strategie. Morgan Stanley war seit Jahresanfang eher pessimistisch und lag damit richtig. Die Deutsche Bank warnte vor Verlusten, bevor der Kurssturz richtig losging.

Dagegen sind die Strategen von Commerzbank, der Citigroup-Tochter Schroder Salomon Smith Barney und Credit Suisse First Boston, der Investmentsparte der Schweizer Finanzgruppe Crédit Suisse schon länger optimistisch. Ihren Prognosen war jedoch kein dauerhafter Erfolg beschieden.

Andere Banken bleiben skeptisch. So ist Albert Edwards, Chefstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, eine Tochter der Dresdner Bank, zwar auf mittlere Sicht einen Hauch optimistischer. Aber: "Die jüngste Kurserholung ist nicht mehr als eine Bären-Rally wie im April", sagt Edwards - und bleibt bei seiner sehr defensiven Depotausrichtung. Auch die Experten der WestLB Panmure sehen die jüngste Kursrally "außerordentlich skeptisch". Sie erwarten erst einen Rückschlag, bevor die Kurse dauerhaft steigen.

Eine "tägliche Flut von Gewinnwarnungen, furchtbare Konjunkturdaten und wechselhafte Nachrichten vom Kampf gegen den Terror" erwartet auch Davidson von Morgan Stanley. Doch das dämpft seinen Börsenoptimismus nicht, den er mit vier Faktoren begründet: Erstens schwämmen die Finanzmärkte im Geld. Und die niedrigen Zinsen machten Tagesgeld unattraktiv, Investoren kämen also an Aktien kaum vorbei. Zweitens stiegen die Börsen etwa vier Monate, bevor die Wirtschaft drehe. Deshalb sei jetzt der richtige Einstiegszeitpunkt, meint Davidson. Drittens dürften die Unternehmen durch den Arbeitsplatz- und Kapazitätsabbau wieder höhere Gewinne machen. Und viertens seien nach den Modellen von Morgan Stanley viele Aktien derzeit billig zu haben.

Die Deutsche-Bank-Experten argumentieren ähnlich. Nach dem langen Kurssturz seit dem Frühjahr 2000 seien die Börsen auf einem "viel vernünftigeren Bewertungsniveau" angekommen, heißt es in ihrer Studie. Die baldige Erholung der US-Konjunktur dürfte die Finanzmärkte 2002 höher treiben.

Bei den zwei Ex-Pessimisten herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Davidson betont, dass sich sein Optimismus auf die nächsten Monate beschränk: "Auf Sicht von drei bis fünf Jahren erwarten wir nur mäßige Zuwächse für Aktien". Meyer von der Deutschen Bank hält einen erneuten Kursrückschlag für "absolut möglich".

Beide empfehlen die gleiche Strategie: Anleger sollten schrittweise Aktien kaufen und bei Kursschwäche nachkaufen. "So verpasst man den Aufschwung nicht, ist aber bei einem Einbruch nicht voll getroffen", sagt Davidson.

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