Deutsche Bank unter Zugzwang
Übernahmegerüchte um J.P. Morgan und Deutsche Bank

Seit die Schweizer Credit Suisse Group in der vergangenen Woche die Übernahme der Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) angekündigt hat, brodelt die Gerüchteküche. Andere mittelgroße US-Häuser wie Lehman, Bear Stearns und J.P. Morgan gelten nun als heiße Übernahmekandidaten.

fs/gja/rob FRANKFURT.Als ein möglicher Aufkäufer gilt die Deutsche Bank. Laut "Wirtschaftswoche" verhandelt sie bereits mit J.P. Morgan. Offiziell hieß es dazu sowohl von der Deutschen als auch von dem New Yorker Institut: "Kein Kommentar." Zumindest gesprochen haben beide Seiten nach Informationen des Handelsblattes aber miteinander.

"Die globalen Geschäftsfelder werden wir vorrangig durch internes Wachstum ausbauen." Erst knapp drei Monate ist es her, dass Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer seinen Aktionären dies kund getan hat. Das größte deutsche Kreditinstitut plane im Investment-Banking keine Akquisition, hat Breuer seinerzeit erklärt, allerdings das unscheinbare Wort "derzeit" eingefügt. Gut möglich, dass seine damaligen Aussagen schon bald keinen Bestand mehr haben.

Gestützt werden die Spekulationen durch die Tatsache, dass sich die Deutsche Bank intensiv um eine Börsennotierung ihrer Aktie in den USA bemüht; derzeit ist sie dort nur mit Aktienzertifikaten im Freiverkehr vertreten. Ein Listing an der New Yorker Börse ist eine Voraussetzung für eine Übernahme mittels eines Aktientausches - der die Reserven schonen würde. Nach Informationen des Handelsblattes laufen bereits Gespräche mit der Aufsichtsbehörde SEC. In Bankenkreisen heißt es zwar, die Deutsche drücke aufs Tempo. Doch komme sie bei der Bewältigung der bilanziellen Umstellungsprobleme nicht recht voran. Ein US-Listing sei frühestens Mitte nächsten Jahres zu erwarten, heißt es. Dann läuft auch die Möglichkeit einer kapitalschonenden Übernahme durch ein "Pooling of interests" aus - die Zusammenlegung der Aktiva zum Buchwert, wodurch weniger Abschreibungen auf den Firmenwert (Goodwill) fällig werden.



Deutsche Bank gerät immer mehr unter Zeitdruck

Unter Zeitdruck gerät die Deutsche Bank aber auch durch die jüngsten Branchenentwicklungen wie den DLJ-Deal und den kurz zuvor angekündigten Kauf von Paine Webber durch die Schweizer UBS. Langfristig gebe es nur Platz für eine gute Handvoll global agierender Investmentbanken, meinen Experten. Dazu zählen sie das heutige Führungstrio Morgan Stanley, Goldman Sachs und Merrill Lynch. Um die weiteren Postionen rangeln UBS Warburg, Credit Suisse First Boston, Schroder Salomon Smith Barney - und die Deutsche Bank.



J.P. Morgan wäre keine ideale Ergänzung

Die Deutsche hat im Investment-Banking zwar erhebliche Fortschritte gemacht und ist auf Tuchfühlung zu den führenden US-Häusern gegangen. Um sich langfristig in der Spitzengruppe zu etablieren, wird aber angesichts der Branchenkonsolidierung offenbar auch in der Deutschen Bank über eine weitere Akquisition nachgedacht. Bankers Trust hat sie mittlerweile erfolgreich integriert.

Finanzieren könnte die Deutsche einen Zukauf vom Kaliber J.P. Morgan (Marktkapitalisierung: knapp 27 Mrd. $) durchaus. In ihrem Beteiligungsbesitz schlummern noch gewaltige stille Reserven, die per 30. Juni mit 14,2 Mrd. Euro angegeben wurden. Dass die Bank willens ist, dieses Potenzial für strategische Investitionen zu nutzen, hat Konzernchef Breuer mehrfach betont. Dass sie - schon im Vorfeld der künftigen Steuerbefreiung für Beteiligungsverkäufe - auch technisch dazu in der Lage wäre, hat sie beim Verkauf eines Teils ihres Allianz-Paketes im Juni bewiesen.



Barreserveren von 21,2 Mrd. Euro

Liquidität steht ihr reichlich zur Verfügung: Per 30. Juni weist die Bilanz Barreserven von 21,2 Mrd. Euro aus. Auch der Kapitalrahmen vertrüge theoretisch eine Beanspruchung: Mit zuletzt 7,3 % bzw. 13,2 % liegen Kernkapital- und BIZ-Eigenkapitalquote deutlich über den Mindestwerten. Auch den Spielraum für eine mögliche Kapitalerhöhung hätte die Deutsche Bank: Sie verfügt insgesamt über ein genehmigtes Kapital mit und ohne Bezugsrecht, das ihr die Ausgabe von gut 200 Mill. Aktien ermöglichen würde - derzeitiger Wert: rund 20 Mrd. Euro.

Ob aber ein Kauf von J.P. Morgan sinnvoll wäre, wird in Bankenkreisen stark angezweifelt. Es heißt, die Überschneidungen mit dem Geschäft der Deutschen Bank seien zu groß. Daher würde es bei einer Übernahme zu einem "Blutbad" kommen, insbesondere in den Bereichen Aktien- und Bondemissionen sowie im Wertpapierhandel. Voranbringen würde J.P. Morgan die Deutsche allerdings in ihrem Problemfeld Mergers & Akquisitions (M & A). Auch in der Vermögensverwaltung wäre das Institut ein Gewinn. Auf dem US-Markt wären die Fortschritte geringer, meinen Experten. Dem Kurs der Deutschen Bank taten die Gerüchte gestern nicht gut. Die Aktie verlor bis zum Nachmittag rund 2 %. Dagegen zogen J.P. Morgan zunächst um etwa 6 % an.

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