Deutsche Bank warnt vor Zahlungsausfall bei Staatsanleihen
Regierung in Uruguay schließt landesweit Banken

Das lateinamerikanische Land Uruguay schließt Banken, um den Abfluss von Kapital zu bremsen. Experten der Deutschen Bank rechnen mit einem hohen Ausfallrisiko für Uruguay-Bonds.

SÃO PAULO. Wie sich die Szenen gleichen: Vor einem halben Jahr hat Argentinien die Konten aller Bankkunden eingefroren. Nun hat auch die Regierung im Nachbarland Uruguay die Notbremse gezogen und mit der Banco Montevideo, viertgrößte Privatbank des Landes, die dritte Bank wegen Liquiditätsproblemen vorübergehend geschlossen. Zusätzlich wurde der Dienstag per Dekret zu einem Bankfeiertag erklärt.

Die Schritte waren notwendig geworden, nachdem die Kontobesitzer täglich 60 Mill. $ an Einlagen abgezogen haben. Die Liquiditätskrise trifft allerdings nicht nur einzelne Banken. Das ganze Finanzsystem steht auf der Kippe: Im Juli haben sich die Devisenreserven bei der Zentralbank im Vergleich zum Juni halbiert und seit Anfang des Jahres sind aus 3 Mrd. $ mittlerweile 655 Mill. $ geworden.

Wie lange die Bankferien anhalten ist ungewiss. In Montevideo heißt es, dass die Regierung darauf hofft, mit dem IWF in Washington ein erneutes Hilfsabkommen zu erzielen. Sollte das gelingen, rechnen Optimisten damit, dass die Geldhäuser am kommenden Montag wieder ihre Schalter öffnen. Immerhin hat der US-Staatssekretär Paul O?Neill inzwischen erklärt, dass "die USA, der IWF und anderen finanzielle Institutionen" Uruguay helfen werden. Allerdings hatte O?Neill noch zum Wochenende Uruguay sowie Argentinien und Brasilien brüskiert, indem er vor weiteren Finanzhilfen an diese Länder warnte.

Uruguay möchte eine Hilfe von 3 Mrd. $ haben, also eine Erhöhung des erst vor kurzem aufgestockten IWF-Kredits über 2,25 Mrd. $, der über eineinhalb Jahre in Tranchen ausgezahlt werden sollte. Ob dem Land allerdings ein höherer Kredit bei der Krisenbewältigung helfen wird, bezweifeln Experten. "Die geschwundenen Devisenreserven durch neue zu ersetzen, erhöht noch nicht das Vertrauen gegenüber den Banken", kritisiert Pablo Morra von Goldman Sachs. Auch die Rating-Agentur Fitch, welche nach Standard & Poor?s die Bonität Uruguays von BB- auf B abgewertet hat, prognostiziert düster: "Auch mit einer beschleunigten IWF-Hilfe kann Uruguay nicht noch einen weiteren Monat Kontoabflüsse im jetzigen Ausmaß durchhalten."

Ausfallrisiko für Uruguay-Bonds

Viele Ökonomen sind der Meinung, dass nur umfangreiche Maßnahmen, sowohl im Haushalt als auch im Banksystem dafür sorgen können, verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen. Dennoch rechnet Jose Luiz Daza von der Deutschen Bank mit einem Ausfallrisiko für Uruguay-Bonds von 90 % in den nächsten zwei Jahren.

Michael Gavin von UBS Warburg hofft, dass die Regierung die Krise für eine Umstrukturierung des viel zu großen Finanzsystems nutzt. Denn in der jetzigen Situation haben sich Anforderungen an Uruguays Finanzsystem dramatisch geändert: In stabilen Zeiten galt das Land als die Schweiz Südamerikas. Der kleine Pampastaat hatte seinen Finanzsektor in den achtziger Jahren mit Steuerbefreiungen und Deregulierungen attraktiv gemacht. Neben Chile besaß in Südamerika nur Uruguay das begehrte Siegel "Investment-Grade". Das heißt, auch institutionelle Anlegern durften in Anleihen Uruguays investieren. Viele Argentinier, aber auch Brasilianer wickelten ihre Transaktionen über Montevideo ab. Beide Staaten sind die wichtigsten Handelspartner Uruguays.

Inzwischen aber ist das Land in der Bewertungsskala der internationalen Kreditagenturen fünf Stufen unter das Gütesiegel gerutscht. Mit der Krise in Argentinien zogen zuerst die ausländischen Kontoinhaber massiv ihre Gelder ab. Doch inzwischen sind es vor allem die Uruguayer selbst, die ihre Peso-Konten plündern und das Geld in Dollar tauschen - weil sie befürchten, dass auch in ihrem Land Zugangsbeschränkungen wie in Argentinien drohen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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