Deutsche Bank will kooperieren
US-Banken droht Vorwurf des Anlegerbetrugs

Eine Einigung zwischen Banken und US-Behörden über unsaubere Verfahren im Börsenboom naht. Für die Finanzbranche bedeutet dies aber keine Entwarnung. Einige Institute, darunter die Deutsche Bank, müssen den Vorwurf des Anlegerbetrugs fürchten. Auf Sammelklagen spezialisierte Anwälte reiben sich schon die Hände.

NEW YORK. "In zwei Wochen liegt die Einigung vor", sagt Brad Maione, Sprecher des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer. "In zwei Wochen" hieß es aber schon Ende Dezember auf die Frage, wann die Untersuchung unsauberer Wall-Street - Machenschaften abgeschlossen ist. "Das sind die längsten zwei Wochen meines Lebens", sagt ein New Yorker Banker.

Seit Monaten verhandeln Spitzers Behörde, die US-Wertpapieraufsicht SEC und andere Ämter mit zehn Investmentbanken über die Schattenseiten des Börsenbooms der späten 90er Jahre: E-Mails belegen, dass einige Analysten Aktien zum Kauf empfahlen, die sie privat als "Schrott" bezeichneten. Einflussreiche Manager erhielten bevorzugt Aktien aus heißen Börsengängen. Offenbar pflegten die Banken so Kundenkontakte. Nun steht die Einigung kurz bevor. Die Banken mussten bis Freitag endgültig zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Das deutet auf ein baldiges Ende der Verhandlungen hin.

Einige Banken müssen fürchten, dass ihr Verhalten in dem Abschlussdokument als Anlegerbetrug (Securities Fraud) klassifiziert wird. Das würde Rechtsanwälten Tür und Tor öffnen für milliardenschwere Sammelklagen im Namen geprellter Anleger. Drei Banken müssen diesen Vorwurf fürchten, verlautet aus Verhandlungskreisen. Dabei handelt es sich um die Citigroup-Sparte Salomon Smith Barney, Merrill Lynch und die Credit-Suisse-Tochter Credit Suisse First Boston (CSFB). Sie zahlen nach einer vorläufigen Einigung die höchsten Entschädigungssummen.

Seit Freitag zählt auch die US-Sparte der Deutschen Bank zu dem Kreis. Sie wurde in letzter Minute aus dem Unterzeichnerkreis für die so genannte "globale Einigung" (Handelsblatt vom Montag) ausgeschlossen. Grund: Die Banker stellten den Behörden nicht alle angeforderten E-Mail-Dokumente zur Verfügung, wie sich vergangene Woche herausstellte. Laut einer Sprecherin handelte es sich um ein Versehen, das nun korrigiert wird. Womöglich trete die US-Tochter der Deutschen Bank der allgemeinen Einigung nachträglich bei, wenn alle Dokumente geprüft sind. Neben der Deutschen Bank wurde auch die Investmentbank Thomas Weisel ausgeschlossen.

Die Behörden wandern bei ihrer Untersuchung auf einem schmalen Grat: Einerseits wollen sie klarstellen, welches Verhalten falsch war. Andererseits will niemand die Investmentbanken durch unkalkulierbare Prozessrisiken in die Pleite treiben. "Deshalb wird im Abschlussdokument vermutlich nicht explizit stehen, dass diese oder jene Bank Anleger betrogen hat", sagt ein mit den Verhandlungen vertrauter Banker. Statt dessen werde detailliert aufgelistet, welche Bank welche Praktiken angewendet hat. "Ein Richter kann dies dann als Betrug werten oder nicht.", sagt er. Die Einigung würde so die rechtliche Auslegung vermeiden. Unklar ist, welche Folgen diese Variante für die Sammelklagen von Anlegern hätte. "Wenn es etwas gibt, was die Banken fürchten, ist es die drohende Welle von Zivilklagen", sagt John Coffee, Professor für Wertpapierrecht an der New Yorker Columbia-Universität.

Zu der langen Verzögerung kam es, weil so viele Parteien mit den Verhandlungen befasst sind. Ursprünglich stieß der New Yorker Generalstaatsanwalt Spitzer die Untersuchung an. Inzwischen beteiligen sich auch die SEC, mehrere Bundesstaaten, der Bundesverband der Börsenaufseher und die Selbstregulierungsorgane der Börsen. Die Banken drängen auf eine kollektive Einigung. "Dann fällt der negative Imageeffekt für jedes einzelne Haus geringer aus als wenn sie nacheinander abgeurteilt würden", sagt eine Banksprecherin.

Zahlreiche Investoren zogen bereits gegen die Banken vor Gericht. Einige Anwaltsspezialisten für Schadenersatz-Prozesse bereiten milliardenschwere Forderungen vor. Sie werden jede Formulierung und jedes Beweisstück genau inspizieren, das die Behörden mit dem Abschlussdokument veröffentlichen.

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