Deutsche Banken
Analyse: Hausgemachte Krise

Die Zahlen sprechen Bände: Am selben Tag, an dem die Deutsche Bank für das erste Quartal einen Verlust von 219 Millionen Euro veröffentlichen muss, gibt die zweitgrößte spanische Bank BBVA einen Gewinn von über 500 Millionen bekannt.

Die Zahlen sprechen Bände: Am selben Tag, an dem Deutschlands größte Bank für das erste Quartal einen Verlust von 219 Millionen Euro veröffentlichen muss, gibt die zweitgrößte spanische Bank BBVA einen Gewinn von über 500 Millionen bekannt - der jüngste, aber mit Sicherheit nicht der letzte Beleg für die Misere der deutschen Kreditwirtschaft.

Verständlich also, dass Deutschlands oberster Bankenaufseher Jochen Sanio vor der "sehr bedenklichen" Ertragsschwäche der Branche warnt. Im Ausland dagegen schocken die Hiobsbotschaften aus Deutschland schon lange nicht mehr - dort haben die deutschen Banken ihren guten Ruf längst verspielt. Die Empfehlung "Avoid German banks" (Deutsche Banken vermeiden!) gehört mittlerweile zum Standardrepertoire internationaler Anlagegurus. Der Abstand zu den guten Banken in Europa ist gewaltig. Das war schon im letzten Jahr so, als drei der vier hiesigen Großbanken Verluste einfuhren. Und auch für dieses Jahr trauen Experten alleine der Deutschen Bank zu, dass sie - trotz des schlechten Auftakts - einen im internationalen Maßstab akzeptablen Gewinn erwirtschaften wird. Dagegen könnten Commerzbank, Dresdner und Hypo-Vereinsbank durchaus wieder rot schreiben, wenn die Konjunktur nicht bald anspringt.

Ganz anders im Ausland - dort manövrieren sich die Banken weitaus besser durch die Unbilden der Weltkonjunktur. Die großen spanischen Häuser etwa starteten durchweg mit gewohnt klotzigen Gewinnen in 2003, ebenso der holländische Retail-Gigant ABN Amro. Und selbst Credit Suisse, im vergangenen Jahr noch eines der großen Sorgenkinder der europäischen Bankenwelt, hat sich berappelt und schrieb im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen.

Dabei - und das gerät bei den berechtigten Klagen der Frankfurter Banker über das widrige Marktumfeld oft in Vergessenheit - leiden die europäischen Kollegen ebenfalls unter diversen Negativfaktoren wie Kapitalmarktflaute und SARS. Auf der anderen Seite hilft ihnen natürlich enorm, dass die Konjunktur fast überall besser läuft als hier zu Lande. Aber klar ist auch: Die Ausländer sind für schwierige Zeiten besser gewappnet. Sie verfügen häufig über ein größeres Kapitalpolster, und sie haben früher auf die Kostenbremse getreten. Banken wie ABN Amro fahren daher bereits jetzt die Früchte ihrer Sparbemühungen ein. Dagegen haben die deutschen Häuser erst vor anderthalb Jahren damit begonnen, aggressiv den Rotstift anzusetzen.

Vor allem aber verfolgen die Ausländer eine klare Strategie. Die Spanier machen fast nur eins: klassisches Bankgeschäft mit Privat- und Firmenkunden. Auch viele britische Institute, die wie die Spanier zu den rentabelsten in Europa zählen, konzentrieren sich stark auf das Retail Banking. Dagegen verpulverten Dresdner und Commerzbank viel Geld bei ihren Versuchen, im Investment-Banking mitzuspielen. Irgendwann setzte sich in den Frankfurter Glaspalästen die Meinung durch, im Privatkundengeschäft sei nicht viel zu verdienen. Ein folgenschwerer Irrtum, denn in die Lücke stoßen nur zu gerne Banken wie Citibank und die zur holländischen ING gehörende Direktbank Diba. Dass diese wenigen Erfolgsstorys in der tristen Bankenlandschaft Deutschlands ausgerechnet von ausländischen Häusern geschrieben werden, versteht sich leider fast von selbst.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%