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Deutsche Banken auf neuem Kurs

Die geschlossene Festung Germanien, in die kein ausländischer Investor hereingelassen wird - von der Realität ist sie längst als Klischee entlarvt. Doch in jedem Klischee steckt auch ein wahrer Kern.

So auch hier: Jahrzehntelang haben die deutschen Großbanken maßgeblich dazu beigetragen, die Struktur der inländischen Industrie zu konservieren. War ein Konzern, den sie mit reichlich Krediten über Wasser gehalten haben, so weit heruntergewirtschaftet, dass ihm die Pleite drohte, wandelten die Banken oft ihre Kreditengagements in Beteiligungen um, um das Unternehmen am Leben zu erhalten. So wuchsen Beteiligungsportefeuilles, die vielen Banken jetzt wie ein Klotz am Bein erscheinen.

Doch die Zeiten ändern sich: Heute begreifen die großen Banken ihre Beteiligungsportefeuilles auch als Chance, neue Einnahmequellen aufzutun. Das bedeutet nicht nur, dass die Institute die Industrie-Anteile nach und nach verkaufen werden, um steuerfrei Kasse zu machen. Vielmehr denken sie, angeführt von der Deutschen Bank, immer intensiver darüber nach, wie sie mit diesen Beteiligungen möglicherweise interessante Geschäfte für die Investmentbanking-Abteilungen an Land ziehen könnten.

Eines dieser Planspiele ist die "Deutsche Anlagenbau AG", ein Banken-Planspiel, das eine ehrgeizige Lösung für eine ganze Reihe von Problembeteiligungen bieten könnte. Gemeinsam könnten die Finanzriesen Deutsche Bank und Allianz versuchen, aus den Resten von Babcock-Borsig, dem Anlagenbau-Geschäft der angeschlagenen MG Technologies und den entsprechenden Teilen des Thyssen-Krupp-Konzerns einen Anlagenbau-Riesen zu schmieden. Für die Investmentbanker beider Häuser könnte dabei manche Euro-Million abfallen und bei einer entsprechend attraktiven Unternehmensstory könnte sogar noch eine neue Börsenplatzierung folgen.

Es ist noch äußerst ungewiss, ob es den Finanzinstituten gelingen wird, ein solches Projekt umzusetzen, aber eins wird aus diesen Planspielen deutlich: Die Banken setzen ihre Industriebeteiligungen nicht mehr ein, um Strukturen zu konservieren, sondern um sie zu verändern. Und das ist volkswirtschaftlich betrachtet schon einmal ein Fortschritt.

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