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Deutsche Bauindustrie sieht auch 2001 mit Skepsis

Die deutsche Bauindustrie rechnet auch im Jahr 2001 mit keiner durchgreifenden konjunkturellen Wende. Die Branche sehe sich einer doppelt gespaltenen Konjunktur gegenüber, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, am Mittwoch in Berlin

Reuters BERLIN. In Ostdeutschland würden die Umsätze nochmals um vier Prozent nachgeben, nach einem Rückgang von acht Prozent in diesem Jahr. In Westdeutschland werde zwar ein kleines Umsatzplus von 0,5 % nach minus 1,0 % in diesem Jahr erwartet, doch zeige sich hier ein klares Nord/Süd-Gefälle. Knipper forderte insbesondere von den Kommunen nachhaltige Investitionen in die Infrastruktur.



"Keine Konjunkturlokomotive"

"Wir sind keine Konjunkturlokomotive; wir sitzen im letzten Wagen", skizzierte Knipper die Lage der Branche. Entsprechend wird sich der Arbeitsplatzabbau in der Branche fortsetzen. Auf Grund der katastrophalen Lage in den neuen Bundesländern erwartet der Hauptverband im nächsten Jahr einen Anstieg der Arbeitslosen auf durchschnittlich 136 000 (130 000), während sie in Westdeutschland leicht auf 116 000 (119 000) abnehmen dürfte. Damit übertrifft die Arbeitslosenzahl in den neuen Ländern bereits zum zweiten Mal die im Westen, obwohl die ostdeutsche Bauwirtschaft weniger als ein Drittel des Bauumsatzes erzielt.

Auf der anderen Seite würden in Süddeutschland händeringend Facharbeiter gesucht, sagte Knipper. Trotz hoher Arbeitslosigkeit im Osten gebe es kaum Bereitschaft zum Wechsel in die Regionen mit guter Branchenkonjunktur. Und im Westen seien 75 bis 80 % der Arbeitslosen wegen geringer Qualifikation oder gesundheitsbedingt kaum vermitelbar.

Besonderes Sorgenkind ist im Bereich Wohnungsbau der Mehrgeschossbau. Angesichts von einer Million leerer Wohnungen in den neuen Ländern vor allem in den Plattenbauten sei dieses Marktsegment "mausetot", sagte Knipper weiter. Der Wohnungsbau in den neuen Ländern (Eingenheimbau, Mehrgeschossbau, Bestandsanierung) werde in diesem Jahr um 14 % und im kommenden Jahr nochmals um acht Prozent einbrechen. Die Landesbausparkassen (LBS) schätzen, dass in den neuen Bundesländern in diesem Jahr mit weniger als 20 000 Wohnungen im Mehrgeschossbau noch nicht einmal 20 % des Ergebnisses von 1997 auf den Markt kommen.



Zahlungsmoral der Bahn ist schlecht

Positive Impulse werden vom Wirtschaftsbau erwartet, wo sich zum einen die gute Konjunkturlage der Industrie und zum anderen die von der Bundesregierung initiierten zusätzlichen Bahn-Investitionen bemerkbar machten, sagte Knipper. Er habe aber die Sorge, dass auf Grund von Planungsmängeln bei der Bahn AG die Mittel erst spät im Jahr ausgegeben würden. Zu hoffen sei auch, dass sich die Zahlungsmoral der Bahn gegenüber den Bauträgern insgesamt verbessere.

Auch der öffentliche Bau dürfte sich durch das von der Regierung aufgelegte Zukunfts-Investitions-Programm (ZIP) positiv auswirken. Weitaus wichtiger wären aber nachhaltige Investitionen der Kommunen. "Der Abbau des Investitionsstaus ist lange überfällig", sagte Knipper. Die finanzielle Lage der öffentlichen Hand habe sich deutlich verbessert, um dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen umzusetzen, sagte Knipper etwa mit Blick auf viele marode Abwasser-Kanalsysteme. So müssten nach Schätzungen der Abwassertechnischen Vereinigung in Deutschland dringend 60 000 Kilometer Kanalnetz erneuert werden. Allein dies wäre ein Investitionsvolumen von etwa 100 Mrd. DM.

Für Gesamtdeutschland prognostiziert der Bauverband für 2001 einen Umsatzrückgang um 1,0 % auf 195,4 Mrd. DM nach einem minus von drei Prozent in diesem Jahr. In Westdeutschland wird ein kleines Plus von 0,5 % auf 148,7 Mrd. DM unterstellt. Im Osten sinken die Erlöse um vier Prozent auf 46,7 Mrd. DM. Angesichts der Rezession auf dem inländischen Markt hätten sich viele Baukonzerne inzwischen international aufgestellt. "Der Auslandsbau ist eine wichtige Stütze." Und auch mittelständische Spezialbauunternehmen nutzten zunehmend Chancen auf Auslandsmärkten, sagte Knipper.

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