Deutsche behaupten sich auf hartem US-Markt
Viele Amerikaner gehen beim Autokauf fremd

Die Amerikaner gehen fremd und kaufen vermehrt Fahrzeuge aus dem Ausland. Davon profitieren neben den asiatischen Anbietern auch einige deutsche Autobauer. Das ist eine bittere Pille für General Motors, Ford und Chrysler - die drei großen Autobauer aus Detroit.

HB FRANKFURT. Toyota verdrängte sogar nach Absatzzahlen erstmals die Daimler-Tochter Chrysler von Platz drei der größten Anbieter in den USA. Insgesamt zeigte sich der Autoabsatz auf dem hart umkämpften US-Markt erholt. Mit unterschiedlichem Erfolg schlugen sich die deutschen Autobauer.

Während Audi, BMW und Porsche auf dem weltgrößten Fahrzeugmarkt im August erneut Boden gut machen konnten, verkauften VW und Mercedes in Amerika weniger Autos als im Vorjahresmonat. Dementsprechend quittierte der Frankfurter Aktienmarkt am Donnerstag die Absatzzahlen je nach Erfolg mit Kursauf- oder abschlägen.

Insgesamt sanken nach Angaben vom Mittwochabend im Vorjahresvergleich die Autoverkäufe in Amerika arbeitstäglich bereinigt um 0,8 %, womit der Markt aber immerhin fast ein Zweijahreshoch erreichte. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet würden sich die August-Verkäufe für den kompletten US-Markt auf fast 19 Mill. Wagen belaufen. Bemerkenswert stellte sich der Absatz des japanischen Autobauers Toyota dar, der mit rund 200 000 Autos erstmals mehr Wagen verkaufte als Chrysler und damit die US-Sparte des Daimler-Konzerns vom dritten Platz unter den US-Anbietern verdrängte.

"Modellkonjunktur" deutscher Hersteller

Bei den deutschen Herstellern mit Absatzzuwächsen trieben auch bestimmte Automodelle die Verkäufe in den USA an. Porsche profitierte in Amerika erneut vom Absatz seines erst im Frühjahr in den USA eingeführten Geländesportwagens Cayenne. Während der Stuttgarter Sportwagenhersteller im August von seinem Modell Boxster nicht einmal halb so viele verkaufte wie vor einem Jahr, und der Absatz des 911er um mehr als ein Drittel zurückging, steigerte die Zahl der 1165 verkauften Cayenne den US-Gesamtabsatz um 20 % auf 2275 Wagen.

BMW verkaufte im August in den USA arbeitstäglich bereinigt über sieben Prozent mehr Wagen, obgleich der Absatz des sich zuletzt als Verkaufsschlager erwiesenen Mini zurückging. Wie Porsche profitierten auch die Münchner vom anhaltenden Boom der Sport-Geländewagen ("Sports Utility Vehicles"). Das Modell BMW X5 stieg im Absatz um mehr als zehn Prozent. "Beim BMW und Porsche sehen wir eine Modellkonjunktur", sagte ein Autoanalyst. Ähnliches könnte für die VW-Tochter Audi gelten, die im August in Amerika ihren Absatz um mehr als elf Prozent steigerte, was nach Einschätzung der Investmentbank JPMorgan auch durch den Verkauf des A4 Cabriolet begünstigt worden sein dürfte.

VW setzt auf neue Modelle

Absatzeinbußen musste hingegen Volkswagen in Amerika hinnehmen. Europas größter Autokonzern verkaufte von der Stammmarke im August mit knapp 32 400 Fahrzeugen 3,5 % weniger als im Vorjahresmonat, aber damit noch deutlich mehr als in den vorherigen Monaten. Nach Einschätzung von Analysten dürfte sich der US-Absatz der Wolfsburger im Zuge der Markteinführung der neuen Versionen von Golf und Jetta in diesem und nächsten Jahr jedoch erholen. Vor allem der Jetta - in Deutschland durch den "Bora" ersetzt - erfreut sich in Amerika großer Beliebtheit. Und der Golf V stellt eines der absoluten Highlights der IAA dar.

Auch Mercedes büßte im August beim US-Absatz ein, wertete den Verkauf von knapp 17 600 Fahrzeugen in den USA aber als stabilen Absatz auf hohem Niveau. Auch am Aktienmarkt zeigte man sich mit den US-Absatzzahlen der deutschen Autobauer überwiegend zufrieden: "Die Zahlen waren insgesamt gesehen besser als erwartet, wenn man berücksichtigt, dass der Absatz im Vorjahresmonat sehr stark war", sagte ein Händler. Während die Papiere von DaimlerChrysler, VW und Porsche im Rahmen einer durchweg uneinheitlichen Börse abgaben, legten BMW leicht zu.

Toyota stößt vor

Der US-Markt ist für die exportorientierten deutschen Autobauer außerordentlich wichtig. Auf einen Gesamtabsatz von 16 bis 16,5 Mill. Personenwagen schätzen Experten das diesjährige Volumen, nach knapp 17 Mill. im Vorjahr. Rund zehn Prozent davon stammen von deutschen Firmen. Doch, der US-Markt ist hart umkämpft: Mit enormen Preisnachlässen und Kaufanreizen (Incentives") versuchen vor allem die so genannten Big Three aus Detroit - General Motors (GM), Ford und Chrysler - sich gegenseitig Kunden und Marktanteile abzujagen. In diesem Preiswettbewerb fiel Chrysler jedoch hinter Toyota zurück, während der weltgrößte Autobauer GM ein leichtes Absatzminus verbuchte und die Verkaufszahlen des Erzrivalen Ford hingegen geradezu einbrachen.

In der kommenden Wochen beginnt in Frankfurt die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA), und die Industrie erhofft sich dadurch Impulse für In- und Auslandsgeschäfte. Für die deutschen Autobauer könnte im kommenden Jahr aber erstmals seit längerem wieder die Binnennachfrage stärker in den Fokus rücken, da VW und Opel sich mit ihren neuen Massenmodelle Golf und Astra einen enormen Nachfrageschub versprechen. Ungeachtet dessen bleiben die Exporte für die hiesigen Konzerne sehr wichtig: Mehr als 3,5 Mill. der rund fünf Mill. in Deutschland produzierten Autos gehen ins Ausland.

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