Deutsche bei WM ungeliebte Gäste
Nur Klagen über die lieben Nachbarn

Deutsche und Tschechen haben auch im Eishockey ein schwieriges Verhältnis – am Mittwoch treffen sie bei der WM in Prag aufeinander.

PRAG. Zu sozialistischen Zeiten war "Mlada Fronte Dnes" die Zeitung der Jugendbewegung, ein Blatt mit Einfluss und garantiert auf der richtigen Linie. Manchmal funktionieren die alten Reflexe auch heute noch, etwa, wenn es um die lieben Nachbarn geht. Vier Spalten widmete die Zeitung am Montag den Deutschen, denen es bei der Eishockey-WM in Prag wieder einmal nicht recht gemacht werden kann: Die Fans klagten über unfreundliche Behandlung, das Team über unzureichende Trainingsbedingungen, und die deutschen Zeitungen trügen all das weiter und schadeten so dem Ansehen Tschechiens. Verbandspräsident Karel Gut ließ alle Nörgler wissen, dass "vor allem die Tschechen ihren Spaß haben sollen". Den Wunsch der Deutschen nach mehr Tickets wiesen die Organisatoren barsch zurück: Das liege nicht im Interesse Tschechiens.

Keiner mag sich beschweren, wenn für das heutige Spiel gegen die Tschechen (20.15 Uhr, live im WM-Ticker von Handelsblatt.com) die überwältigende Mehrzahl der Tickets den Gastgebern vorbehalten bleibt. Aber auch zum Spiel der Deutschen gegen Kasachstan war die riesige Sazka-Arena offiziell ausverkauft und doch nur zu zwei Dritteln gefüllt. Vor der Halle bemühten sich Hunderte von deutschen Fans vergeblich um Karten und fühlten sich schikaniert. Es ist bei dieser WM wie in der großen Politik: Es harmoniert nicht so recht zwischen Deutschen und Tschechen. Prager Fenstersturz, Münchner Abkommen, Benes-Dekrete - die gemeinsame Geschichte ist reich an Furchtbarkeiten. Das gegenseitige Misstrauen ist geblieben und überträgt sich auf den Sport. Wenn die Tschechen in Prag eine Mannschaft auspfeifen, dann ist es die deutsche.

Deutsche Eishockey-Touristen taumeln derzeit bierselig über den Wenzelsplatz und taugen nicht zum Abbau von Vorurteilen. Dabei sind die Deutschen mit keiner EishockeyNation so eng verbandelt wie mit den Tschechen. Im deutschen WM-Aufgebot stehen in Tomas Martinec, Daniel Kunce und Martin Reichel drei Spieler, die in tschechischen Klubs ausgebildet wurden. Den Tschechen verdanken die Deutschen auch ihren bisher besten Eishockeyspieler: Erich Kühnhackl siedelte 1968 als 17-Jähriger aus Citice (Falkenau) nach Landshut über.

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