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Deutsche Bilanzprüfstelle hofft auf Anerkennung im Januar

Auch wenn es politisch mittelfristig nicht durchsetzbar ist: Für eine einheitliche Begutachtung ...

Auch wenn es politisch mittelfristig nicht durchsetzbar ist: Für eine einheitliche Begutachtung der Rechnungslegung von Unternehmen ist nach Einschätzung von Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ein Enforcement auf europäischer Ebene notwendig. Allumfassende Bilanzierungssicherheit sei aber auch mit Prüfstellen für Rechnungslegung nicht zu gewährleisten, warnten Fachleute auf einem Seminar des Deutschen Aktieninstituts (DAI) wie die Börsen-Zeitung berichtet.
Die Vorbereitungen für die Etablierung der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) sind nach den Worten von Werner Brandt, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins und im Hauptberuf Finanzvorstand der SAP, weit gediehen. Nach Verabschiedung des Bilanzkontrollgesetzes hofft die private Prüfstelle auf die Anerkennung durch die zuständigen Ministerien im Januar. Dann könne mit dem Aufbau der Strukturen und der eigentlichen personellen Besetzung des Prüfgremiums begonnen werden. Die operative Tätigkeit soll laut Gesetz am 1. 7. 2005 aufgenommen werden. Finanziert wird die private Prüfstelle von den börsennotierten Unternehmen. Die Umlage soll unter Zugrundelegung der inländischen Börsenumsätze festgelegt werden.
Brandt warnte vor überzogenen Erwartungen an die Bilanzprüfstelle. Das Enforcement könne keine zweite Abschlussprüfung sein. Das Gremium soll jedoch nicht nur auf Hinweise von außen, sondern auch auf eigene Initiative die Zahlenwerke der Konzerne unter die Lupe nehmen. Für die regelmäßigen Stichprobenprüfungen werde man aus jetziger Sicht zwei Risikogruppen unterscheiden mit Unternehmen im Prime Standard der Börse einerseits und andererseits Firmen, die im General Standard oder an Regionalbörsen gelistet sind oder die nur als Emittenten von Schuldtiteln auftreten. Bei der ersten Risikogruppe solle etwa alle fünf Jahre geprüft werden, bei der zweiten könne der Abstand größer sein, sodass jedes Unternehmen im Schnitt alle acht Jahre dran sei. Noch nicht geklärt sei, ob die Prüfstelle auch für ausländische Gesellschaften zuständig sein solle, die hierzulande ihr Zweitlisting haben.
Prof. Dr. Jörg Baetge vom Institut für Revisionswesen an der Universität Münster unterstrich, dass die neue Prüfstelle die Enforcement-Lücke nicht vollends wird schließen können. BaFin und Enforcement könnten auch künftig eine aktive Bilanzpolitik von Unternehmen nicht verhindern. Auch werde die Prüfstelle in vielen angemahnten Zweifelsfällen zu dem Schluss kommen, dass es dazu keine eindeutigen Bilanzierungsregeln gebe. Für entscheidend hält Baetge die Präventivwirkung, die durch die drohende Veröffentlichung bei wesentlichen Bilanzierungsfehlern erreicht werde.
Klaus-Peter Naumann, Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), wies darauf hin, dass das Enforcement ein Unternehmen auch entlasten könne, wenn es ungerechtfertigt in die Kritik gekommen sei. Kleiner Schönheitsfehler sei, dass die Bilanzprüfung auf kapitalmarktorientierte Unternehmen beschränkt worden sei. Die Kopplung zwischen Enforcement und Wirtschaftsprüferaufsicht sei zu begrüßen. So gehe automatisch eine Information an die Prüferaufsicht, wenn das Enforcement zur Einschätzung gelangt sei, dass ein Bilanzierungsfehler vorliege.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 13.12.2004

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