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Deutsche Börse bringt Euronext in Zugzwang - Dicker Brocken LSE

Als der Chef der Deutschen Börse , Werner Seifert, sein Kaufangebot für den Londoner Aktienmarkt vorlegte, sagte Euronext-Chef Jean-François Théodore erst einmal alle Termine ab. Seifert hat die einzige große paneuropäische Börsengesellschaft in Zugzwang gebracht.

dpa-afx PARIS. Als der Chef der Deutschen Börse , Werner Seifert, sein Kaufangebot für den Londoner Aktienmarkt vorlegte, sagte Euronext-Chef Jean-François Théodore erst einmal alle Termine ab. Seifert hat die einzige große paneuropäische Börsengesellschaft in Zugzwang gebracht. Wer London erobert, wird voraussichtlich die Schlacht um die Konsolidierung der Europa-Börsen gewinnen. Doch Théodore zögert mit einem Gegenangebot. Denn die London Stock Exchange (LSE) könnte sich als zu großer Brocken erweisen.

Schon jetzt vereint Euronext die Aktienmärkte in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie den Londoner Optionenmarkt Liffe. Dem Schweizer Seifert ist es dagegen noch nicht einmal gelungen, die Schweizer Börse in die Deutsche Börse zu integrieren. Während des New-Economy-Booms hatte Seifert zudem bereits einmal bei dem Versuch Schiffbruch erlitten, die Deutsche Börse mit der LSE zu verschmelzen - und Frankfurt auf den Neuen Markt zu konzentrieren. Doch nach Einschätzung Pariser Analysten hat Seifert jetzt die besseren Karten.

Es ist einfach eine Frage des Geldes. Mit einem Gebot von 1,35 Mrd. Pfund (1,95 Mrd Euro) hat Seifert die Latte sehr hoch gehängt. Der Preis von 530 Pence je Aktie bringt einen Aufschlag von 50 Prozent auf den Kurs der vorherigen drei Monate. Für die WestLB ist der Preis schlicht "zu hoch". Und die Investmentbank Merrill Lynch erklärte, ein Gegenangebot von Euronext würde bei diesem Preis "überraschen". Théodore bestätigte am Montag zwar Vorgespräche mit der LSE, fügte aber vorsichtig hinzu: "Es kann keine Garantie gegeben werden, dass ein solches Angebot vorgelegt wird."

Doch Théodore bleibt kaum eine Wahl. Bleibt er untätig, bekommt die Deutsche Börse einen kaum einholbaren Vorsprung im Wettlauf um die Vorherrschaft in Europa. Denn die "City" bleibt mit Abstand der attraktivste Aktienmarkt in Europa. Viele Anleger wetten daher auf einen Übernahmekampf und haben den Kurs der LSE-Aktie schon letzte Woche um 30 Prozent auf 556 Pence getrieben - 26 Pence über Seiferts Angebot. Auch die LSE pokert auf einen höheren Preis.

Die Aktien von Euronext und Deutscher Börse sind dagegen im Sinkflug. Denn den Anlegern ist auch klar, dass der Sieger des Übernahmekampfes zu viel für die LSE zahlen würde. Es würden Jahre vergehen, bis sich der Kauf amortisieren könnte. Anders als die Deutsche Börse kann Théodore sich das kaum leisten. Euronext müsste bis zu 1,2 Mrd. Euro Kredit aufnehmen, das Fünffache seines diesjährigen Betriebsergebnisses, meinte ein Analyst. Mit einer Börsenkapitalisierung von 2,6 Mrd. Euro ist Euronext gegen die Deutsche Börse mit fast 4,8 Mrd. ein Leichtgewicht.

Skeptisch macht der Preis auch wegen der wachsenden Zweifel an der Strategie der LSE. Das Mekka der Finanzmärkte hat den Trend zum Derivatemarkt verschlafen. Der traditionelle Aktienmarkt boomt nicht mehr und die Hedge Fonds wandern in Optionen und Futurs ab. Zudem wollen die Banken die Legionen ihrer Börsenmitarbeiter verkleinern. Paris und Frankfurt haben mit ihrem Computerhandel gezeigt, wie man das macht. Für Pariser Analysten ist daher klar, dass es vor allem einen Gewinner einer "Schlacht um London" gegen wird: die "City". Denn London wird zwar seine Unabhängigkeit verlieren, aber gewaltige Investitionsmittel und einen Modernisierungsschub bekommen, der den Finanzplatz für internationale Anleger noch attraktiver macht./

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