Deutsche Börse sieht Rückzug der Emittenten aus dem Smax gelassen
Qualitätssegmente dünnen sich aus

Angesichts der gegenwärtigen Talfahrt an den Aktienmärkten wird auch die Luft in den so genannten Qualitätssegmenten der Deutschen Börse für kleine Werte dünner.

FRANKFURT/M. Mit dem Hamburger Bekleidungskonzern Wünsche, der am Mittwoch seinen Rückzug aus dem Smax ankündigte, hat inzwischen jeder zehnte Emittent dem 1999 in Leben gerufenen Kleinwertesegment den Rücken gekehrt. Während die meisten Smax-Firmen ihren Rückzug u.a. damit begründen, dass das Segment zu wenig Aufmerksamkeit anziehe, mehren sich auch am Neuen Markt die Fälle, in denen Unternehmen sich freiwillig zurückziehen. Gestern kündigte der angeschlagene Internetdienstleister Popnet an, aus Kostengründen in den Geregelten Markt zu wechseln.

Insgesamt haben neun Unternehmen ihre Mitgliedschaft im Neuen Markt gekündigt. Dabei handelt es sich jedoch nicht etwa um besonders profitable oder solide Unternehmen, die sich an dem angekratzten Image des Segments stören würden. Es ziehen vielmehr Firmen ab, die wie Edel Music oder Team Communication mit tieffgreifenden hausgemachten Problemen zu kämpfen haben oder sogar schon einen Insolvenzantrag gestellt haben.

Anderen Unternehmen, deren Aktienkurs unter vergleichbaren Problemen so stark gelitten hat, dass er unter die symbolträchtige 1-Euro-Marke fiel, droht seit dem 1. Oktober zudem der juristisch nicht unumstrittene Zwangsausschluss. Wie die Börse gestern mitteilte, wird sie gegen die insolvente Teamwork AG, die eine Gnadenfrist von einem Jahr erwirkte und gegen die Prout AG, auf die die Ausschlussregel nach bisherigen Gerichtsbeschluss überhaupt nicht angewandt werden darf, in Berufung gehen.

Der Deutschen Börse bereitet der Emittentenschwund wenig Kopfzerbrechen. Rainer Riess, der bei Betreibergesellschaft für den Neuen Markt und den Smax verantwortlich zeichnet, sieht die Auslese sogar als Chance, um das Profil der beiden Segmente zu schärfen. "Der Deal ist einfach: Die Unternehmen nehmen die hohen Kosten in Kauf, die mit den Transparenzanforderungen einhergehen, um im Gegenzug das Vertrauen der Investoren zu erhalten", sagte er dem Handelsblatt. Unternehmen, die in der Baisse einen langen Atem bewiesen und zudem ihre Planzahlen erfüllten, werden seiner Einschätzung nach in der Zukunft auch von internationalen Anlegern verstärkt nachgefragt.

Ob sich indes der hohe Aufwand für die alle drei Monate nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IAS abzuliefernden zweisprachigen Unternehmensberichte für jede im Smax vertretene Gesellschaft lohnt, hält indes auch Riess für fraglich. Hinzu kommen nicht unbeträchtliche Gebühren, die die Betreuerbanken ("Designated Sponsors") erheben sowie die Teilnahmegebühr, die die Deutsche Börse AG einstreicht. "Da ist es schon sinnvoll, wenn sich die Unternehmen fragen, ob sie in besseren Zeiten für Aktien überhaupt einen sehr breiten Investorenkreis ansprechen würden", sagte Riess.

Genau diese Überlegung war es, die die Düsseldorfer Handelskette Kaufring dazu brachte, ihre Smax- Mitgliedschaft zum Jahresende zu kündigen. Angesichts der Schwierigkeiten der Branche sei es zum Beispiel nicht sehr wahrscheinlich, dass sich ausländische Investoren auf die Kaufring-Aktie stürzen würden, sagte ein Sprecher. Ob künftig Quartalsberichte erstellt würden, sei noch nicht entschieden. Auf jeden Fall werde der IAS-Standard, den noch lange nicht alle Finanzbuchhalter beherrschen, vorerst noch nicht eingehalten. Nach den Plänen der EU-Kommission soll IAS erst im Jahr 2005 für die Bilanzen aller börsennotierten Gesellschaften bindend werden.

Der von den bereits ausgeschiedenen Unternehmen Bijou Brigitte und Bien-Haus vorgebrachten Klage, dass die Börse zu wenig Werbung für das Segment mache, schloss sich der Kaufring-Sprecher nicht an. Auch Riess lässt die Kritik nicht gelten: "Wir können die Unternehmen bei der Investor Relations-Arbeit unterstützen, aber sie ihnen nicht abnehmen." Es mache auch nur dann Sinn, Roadshows zu veranstalten, wenn diese von Investoren besucht würden. "Da war und ist das Interesse für die Technologieunternehmen des Neuen Marktes einfach größer."

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