Deutsche Börse sieht ungleiche Behandlung der Handelssysteme
Frankfurt klagt gegen Nasdaq

Die Deutsche Börse attackiert die Nasdaq Deutschland. Die Frankfurter wollen juristisch durchsetzen, dass die Internalisierungs-Plattform der Nasdaq, Best Ex, das Attribut "Börsenpreis" verliert.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Börse AG will den Konkurrenten Nasdaq Deutschland juristisch aushebeln. Mit einer Klage wollen die Frankfurter erreichen, dass die Handelsfunktion Best Ex der Nasdaq das Gütesiegel "Börsenpreis" verliert. Sollte es dazu kommen, wäre dies ein empfindlicher Schlag für das Image der neuen Börse.

Damit bahnt sich ein beispielloser Rechtsstreit in der deutschen Börsenlandschaft an. Die Nasdaq Deutschland war erst am vergangenen Freitag gestartet. Sie unterliegt der Börsenordnung der Börsen Berlin und Bremen, die beide an der Nasdaq beteiligt sind. Die Frankfurter versuchen nun, die Börsenordnung des Konkurrenten zu kippen. Dazu haben sie gegen die Berliner Börsenaufsicht eine Klage vor dem Berliner Verwaltungsgericht eingereicht und bei der Bremer Börsenaufsicht Widerspruch gegen die Zulassung der Börsenordnung eingelegt. Als Kläger fungiert die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB), die von der Deutschen Börse betrieben wird.

Das umstrittene Best Ex ist ein Internalisierungs-System und das Herzstück der Nasdaq Deutschland: Banken können auf Best Ex die Kundenaufträge entweder direkt gegen die eigenen Bestände ausführen oder sie an einen vorher bestimmten "Market Maker" (eine Bank oder einen Wertpapierdienstleister) leiten, der die Ausführung für die Institute übernimmt. In beiden Fällen garantiert Best Ex, dass der Anleger den Preis erhält, der auch am liquidesten Markt zu erzielen ist, an dem die jeweilige Aktie gehandelt wird. Bei traditionellen Börsen fließen die Auf- und Verkaufsaufträge aller Marktteilnehmer dagegen in einem Orderbuch zusammen, wo sie dann gegeneinander ausgeführt werden.

Nach Ansicht der FWB generiert die Internalisierung keine Börsenpreise, weil die Kauf- und Verkaufsangebote in Best Ex nicht allen Marktteilnehmern zugänglich seien. Mit dem Etikett "Börsenpreis" würden die Anleger über die Art der Preisfeststellung "in die Irre geführt", sagt Axel Nawrath, Managing Director der Deutschen Börse. Zudem erkennt Frankfurt eine "Regulierungs-Arbitrage". Während die Börsenaufsichten in Berlin und Bremen Best Ex als Börsenpreis einstufen, hat die hessische Börsenaufsicht dem Internalisierungs-System Xetra Best der Deutschen Börse dieses Gütesiegel verweigert. Mit einer derart unterschiedlichen Auslegung des Börsengesetzes "macht sich der Finanzplatz Deutschland lächerlich", sagte Nawrath. Der Fall unterstreiche die Notwendigkeit einer einheitlichen Börsenaufsicht in Deutschland. Bisher obliegt diese Funktion den Bundesländern.

Die Berliner Börse wollte sich auf Anfrage zu der Klage zunächst nicht äußern. Jedoch hatten die Verantwortlichen den Vorwurf der Regulierungs-Arbitrage bereits in der Vergangenheit zurückgewiesen. Best Ex und Xetra Best seien unterschiedlich angelegt. Im Unterschied zu Xetra Best stehe der Zugang zu Best Ex allen Marktteilnehmern offen. Die Market Maker müssten für alle Banken, die an Best Ex teilnehmen wollten, die Abwicklung der Aufträge anbieten. Derzeit fungieren Commerzbank, Dresdner Bank und Berliner Effektengesellschaft als Market Maker. Die Dresdner Bank ist mit 15 % an der Nasdaq Deutschland beteiligt, Commerzbank und Comdirect mit je 7,5 %.

Das Gütesiegel Börsenpreis hat vor allem eine Marketing-Funktion. Vom ihm versprechen sich die Börsen eine höhere Akzeptanz der Anleger. Sollte Best Ex den Status verlieren, wäre dies zwar ein Rückschlag, aber nach Ansicht von Finanzkreisen keineswegs das Ende der Nasdaq Deutschland. Best Ex werde schlimmstenfalls rechtlich mit Xetra Best gleich gestellt, das ebenfalls ohne Börsenpreis auskomme.

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