Deutsche Börse will das Risiko der Banken und Makler begrenzen
Neue Regeln sollen Aktienbetreuer wieder für Neuen Markt begeistern

Die Deutsche Börse AG plant nach Informationen des Handelsblatts weit reichende Änderungen der Regeln für die Aktienbetreuer im elektronischen Handelssystem Xetra.

FRANKFURT/M. Vorgesehen ist, dass die Betreuer in wenig liquiden Nebenwerten künftig nur noch für höchstens 2 000 statt wie bisher für 5 000 Aktien An- und Verkaufskurse stellen müssen. Außerdem soll die Mindestzahl der Aktien, für die die Betreuer einstehen müssen, wöchentlich und nicht mehr monatlich festgelegt werden. Damit würde sich das Verlustrisiko für die Betreuerbanken drastisch verringern. Die Pläne sollen erstmals in dieser Woche mit Vertretern der Finanzindustrie diskutiert werden.

Börsenchef Werner Seifert reagiert mit den geplanten Änderungen auf laute Klagen der im Fachjargon "Designated Sponsors" genannten Betreuer. Diese erfüllen vor allem am Neuen Markt, aber auch im MDax und dem Nebenwertesegment Smax eine wichtige Funktion: Durch das Stellen von Kursen ermöglichen sie es Anlegern, praktisch zu jedem Zeitpunkt Aktien kaufen oder abstoßen zu können. In jüngster Zeit erlitten viele Betreuer hohe Verluste wegen des Kurseinbruchs am Neuen Markt, weil sie permanent Aktien von enttäuschten Investoren kaufen mussten. Die Folge: Die Maklerfirmen Kling & Jelko und Berliner Effekten wollen ihre Betreuertätigkeit einstellen, Sal. Oppenheim lässt die meisten ihrer 57 Mandate auslaufen. Für die betreuten Firmen kann das Probleme aufwerfen. Denn am Neuen Markt sind zwei Betreuer pro Aktie vorgeschrieben, im Smax einer.

Angesichts der Verluste drängen die Sponsoren seit geraumer Zeit auf eine Lockerung der Vorschriften. Bei der Börse hieß es auf Anfrage lediglich, man prüfe eine Weiterentwicklung des Sponsoren-Modells. Nach Informationen des Handelsblatts liegen aber bereits konkrete Konzepte vor. Die wichtigsten Neuerungen betreffen das Quotierungsvolumen. Bisher müssen die Betreuer zum Beispiel am Neuen Markt An- und Verkaufskurse für 20 000 stellen. Dieser Betrag wird dann in Aktien-Stück umgerechnet. Notiert eine Aktie bei 200 , muss ein Betreuer für 100 Stück eintreten. Im Smax liegt die Schwelle bei 10 000 . Um zu verhindern, dass die Betreuer allzu große Aktienpakete kaufen müssen, gilt bei Nebenwerten zudem die Regel, dass die Betreuer für höchstens 5 000 Aktien Kurse stellen müssen. Dieses Maximum soll nun auf 2 000 Stück reduziert werden. Damit würden die Betreuer weniger "Penny-Stocks" aufnehmen müssen, die allenfalls noch für Zocker interessant, bei professionellen Investoren aber verrufen sind.

Außerdem soll die Umrechnung der Euro-Beträge in Aktienzahlen künftig jede Woche statt bisher monatlich erfolgen. Noch kann es nämlich insbesondere am Neuen Markt passieren, dass die Sponsoren wegen der Börsenentwicklung vorübergehend für weitaus mehr als 20 000 stillhalten müssen. Dies ist dann der Fall, wenn sich der Aktienkurs binnen eines Monats - also vor einer erneuten Anpassung der Aktienzahl - drastisch erhöht, was am Neuen Markt gerade in den letzten Wochen sehr häufig vorkam.

Neben diesen Maßnahmen, die möglichst rasch gelten sollen, erwägt die Börse auf mittlere Sicht offenbar weitere Änderungen. So sollen die Banken nicht mehr auf alle Volatilitäts-Unterbrechungen reagieren müssen. Gerade bei Pfennig-Aktien wird der Handel häufig für kurze Zeit unterbrochen, weil der Kurs zu stark schwankt. Darauf muss der Sponsor bisher praktisch immer mit neuen Kursen reagieren, was sehr arbeitsaufwändig ist. Ins Auge gefasst wird zudem, die Quotierungsvolumen noch stärker nach der Liquidität der Aktien zu unterteilen. Dies könnte beispielsweise dazu führen, dass für wenig liquide Neue-Markt-Titel künftig Kurse für deutlich unter 20 000 gestellt werden müssen. Erwogen wird zudem, den Banken das "Outsourcen" ihrer Sponsoren-Tätigkeit zu erlauben. Konkret könnten sich beispielsweise Freimaklergesellschaften mit der Kursstellung beauftragen.

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