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Deutsche Börsen schließen deutlich im Plus

Am vorletzten Handelstag des Jahres 2001 haben die deutschen Standardaktien deutlich fester geschlossen, was Händler auf "Window Dressing" von Fondsgesellschaften zurückführten. Zudem verliehen die guten Vorgaben der US-Börsen dem Markt Auftrieb, hieß es.

rtr FRANKFURT. "Fundamental steht da aber nichts dahinter", sagte Florian Weber vom Handelshaus Schnigge. Dafür seien die Nachrichtenlage und die Umsätze einfach zu dünn. "Was wir hier sehen, ist ein 'Window Dressing' der Fonds. Dabei werden Aktien, die 2001 gut gelaufen sind, gekauft, und schlechte Werte wie Biodata noch schnell verkauft, um diese nicht zum Jahresende in den Beständen zu haben", sagte Weber. Maßgeblich davon profitierten die Autowerte im Dax. Der Deutsche Aktienindex (Dax) ging bei 5117 Punkten um knapp zwei Prozent über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag aus dem Handel. Am Neuen Markt stieg der Auswalindex Nemax50 um 0,6 % auf 1140 Punkte. Der MDax für mittelgroße Werte erhöhte sich um 1,1 % auf 4262 Zähler. In den USA verzeichneten die Börsen ebenfalls Kurszuwächse. Der Technologieindex Nasdaq notierte kurz vor Börsenschluss in Frankfurt 0,45 % fester bei 1969 Zählern, der Industriewerte-Index Dow Jones legte um 0,22 % auf 10 110 Punkte zu. Die Märkte in New York waren bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag mit deutlichen Kurszuwächsen aus der Sitzung gegangen. Für langfristig orientierte Anleger seien die momentanen Kurse "definitive Kaufkurse", sagte ein Börsianer. Auch wenn wegen noch zu erwartender Rückschläge im Zusammenhang mit schwachen Unternehmenszahlen im Januar ein kurzfristiges Risiko bis etwa 4500 Punkten im Dax bestehe. Langfristig werde die Wirtschaft in den USA und Europa aber wieder stärker wachsen. Dann sei auch mit anziehenden Kursen zu rechnen.

Gefragt waren unter anderem die Auto-Aktien VW und DaimlerChrysler. VW legten 3,1 % auf 51,63 ? zu. Daimler-Chrysler-Papiere erhöhten sich um 3,6 % auf 47,50 ?. Fundamental sei der Anstieg nicht zu erklären, hieß es am Markt. Die Technologietitel im Dax - SAP, Siemens

und Infineon - stiegen zeitweise um bis zu 3,5 %. Die Branche wird Händlern zufolge als eine der ersten von einer kommenden Konjunkturerholung profitieren. Die geplante Allianz der Infineon-Konkurrenten Hynix und Micron, die zu einer Verringerung der Überkapazitäten auf dem Weltmarkt für Chips führen könnte, soll nach Hynix-Angaben schon im kommenden Monat vereinbart werden. Zu den größten Gewinnern gehörten die Aktien von MAN, die bei knapp 400 000 gehandelten Stücken um 5,2 % auf 23,66 ? anzogen. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, der erneut Übernahmefantasien geweckt habe. Der deutsche Einzelhandel blickt nach einem unerwartet lebhaften Weihnachtsgeschäft wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) rechnet nunmehr für 2002 mit einem nominalen Umsatzzuwachs von 0,5 %, was bereinigt um Preissteigerungen einem Minus von 0,25 % entspreche. Metro-Titel schlossen um 1,4 % fester bei 40,50 ?.

Fester tendierten auch die Versicherer Allianz und Münchener Rück, die um 2,3 beziehungsweise 1,1 % anstiegen. Die Analysten der Vereins und Westbank - sehen bei den Versicherern weiteres Potenzial. Nach den Anschlägen vom 11. September sei die Bereitschaft, Versicherungen abzuschließen, deutlich gestiegen. Auch höhere Prämien werden dabei akzeptiert.

Im MDax legte das Schwergewicht Altana um knapp fünf Prozent auf 55,55 ? zu. Zuvor hatte das Unternehmen seine Geschäftsprognose bekräftigt, auch 2002 einen zweistelligen Zuwachs beim Ergebnis und beim Umsatz zu erwarten. Außerdem wolle der Pharmakonzern 800 neue Arbeitsplätze schaffen, sagte Firmenchef Nikolaus Schweickart dem "Handelsblatt".

Am Neuen Markt verlor der Softwareanbieter Intershop knapp elf Prozent auf 1,30 ?. Das Unternehmen rechnet für 2002 mit einem geringeren Umsatz als 2001. Dagegen stiegen die Titel von Senator Entertainment um mehr als 28 % auf 2,64 ?. Senator gab den Abschluss eines Lizenzvertrages mit dem US-Konzern Universal bekannt, der dem Filmrechtehändler und-produzenten nach eigenen Angaben einen Umsatz im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich einbringen wird.

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