Deutsche Consulting-Branche rechnet mit gedämpftem Wachstum
Berater sind in Katerstimmung

Nach dem Boom die Ernüchterung: Zwar haben die Unternehmensberater im vergangenen Jahr ihren Umsatz gesteigert, doch fiel der Zuwachs so spärlich aus wie seit sechs Jahren nicht mehr. IT-Berater büßten sogar an Umsatz ein. Im laufenden Jahr rechnet die Branche mit keiner Erholung.

DÜSSELDORF. Die deutschen Unternehmensberater werden auch im laufenden Jahr den vergangenen Boom-Zeiten hinterherlaufen. "Viele Beratungsunternehmen werden das schwache zweite Halbjahr 2001 auch in den nächsten Monaten nachhaltig spüren", sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU), Rémy Redley, am Mittwoch bei der Präsentation der aktuellen BDU-Marktanalyse. "Mit einer Intensivierung des Geschäfts rechnen wir ab dem letzten Quartal des Jahres." Der Umsatz werde 2002 höchstens um 4,5 % wachsen, so der BDU, der gut 16 000 Berater vertritt und als führender Branchenverband in Deutschland gilt.

Im vergangenen Jahr hatte die Branche einen Gesamtumsatz von 12,9 Mrd. Euro erzielt. Das Wachstum fiel mit 5,5 % deutlich geringer als in den Vorjahren aus - und deutlich bescheidener, als noch zu Jahresbeginn prognostiziert. Dabei entwickelten sich die einzelnen Sparten sehr unterschiedlich. Die Bereiche Organisations- und Strategieberatung, die sich mit Umstrukturierungsfragen und der mittel- bis langfristigen strategischen Ausrichtung von Unternehmen befassen, konnten um 17,8 % beziehungsweise 11,5 % zulegen. Die auf Personalentwicklung spezialisierten Berater (Human-Ressources-Management) büßten dagegen 1,9 % ein. Der Umsatz der IT-Berater, die Unternehmen bei der Suche nach der passenden Software oder IT-Infrastruktur helfen, ging sogar um 5,7 % zurück.

Bei den Aufträgen stehen Kosten- und Effizienzfragen im Mittelpunkt. "Innovative Projekte werden zu Gunsten von Kosten senkenden Sofortmaßnahmen verschoben oder storniert", erläuterte Redley. Die Kunden zögerten insbesondere, ihre IT-Systeme auszutauschen. Immer häufiger würden erfolgsabhängige Honoraranteile und messbare Projektziele vereinbart. Großer Wert werde auch auf die Umsetzung der Vorschläge - die Implementierung - gelegt.

"Das erste Halbjahr ist bei den meisten Beratungsfirmen noch sehr zufriedenstellend verlaufen", sagte Redley. Erste Impulse für eine Abschwächung seien zur Jahresmitte von der Telekommunikationsbranche ausgegangen. Danach habe der freie Fall der New Economy die Situation verschärft. Die Auftragsstornierungen in Folge der Terroranschläge in den USA am 11. September wirkten sich erst jetzt richtig aus.

Größere Entlassungswellen wie in den USA haben die Mitgliedsunternehmen laut BDU in Deutschland bislang vermieden. Die Beratungshäuser versuchten mit dem Verzögern von Einstellungsterminen oder befristeten Auszeiten - "Sabbaticals" - über die Runden zu kommen. In jüngster Zeit würden aber auch vereinzelt Arbeitsverträge in der Probezeit gelöst.

Gut behaupten konnten sich im vergangenen Jahr die großen Beratungshäuser. Die 40 größten Unternehmen steigerten ihren Umsatz um durchschnittlich 11,6 %. Branchen-Primus McKinsey & Company und die Nummer zwei, Roland Berger Strategy Consultants, legten sogar um rund 20 % zu. Die mittelgroßen Gesellschaften mussten sich dagegen mit einem leichten Plus begnügen. Die kleinen Marktteilnehmer büßten sogar rund 1 % an Umsatz ein.

"Die großen Beratungsgesellschaften sind weniger von Konjunkturzyklen abhängig", erläutert Burkhard Schwenker, Mitglied der Roland-Berger-Geschäftsführung. In Aufschwungsphasen kümmerten sie sich eher um Wachstumsfragen, in der Rezession eher um die Neuausrichtung von Konzernen. Problematisch werde es nur, wenn die Konjunktur - wie im Jahr 2000 - am Wendepunkt stehe und nicht klar sei, ob eine Rezession drohe. In diesen Phasen zögerten die Unternehmen ihre Investitionen gerne hinaus.

"Sobald die wirtschaftliche Situation klarer wird, wird wieder mehr investiert", sagt Schwenker. Er ist deshalb optimistischer als der BDU und rechnet für 2002 wieder mit steigenden Wachstumsraten. Auch den IT-Beratern traut Schwenker einen Aufschwung zu. Die Sparte habe im vergangenen Jahr unter den hohen Kapazitäten gelitten, die sie in den Boom-Jahren aufgebaut habe. Diese seien jetzt größtenteils bereinigt. "IT-Fragen sind nach wie vor von hoher Bedeutung", betont er.

"Die Fronten sind jetzt klarer", meint auch Claus-Peter Schrack, Marketing-Chef bei Bain & Company. Investitionsentscheidungen, die wegen der unsicheren Konjunkturlage 2001 verschoben worden seien, würden jetzt getroffen. Vor allem im IT-Bereich gebe es einen hohen Nachholbedarf. Sein Unternehmen liege im ersten Quartal deutlich über Plan. "Zur Gänze wird sich der Markt aber nicht erholen", sagt Schrack.

Thomas Köhler, Deutschland-Chef von Accenture, sieht den Markt in der Konsolidierung. Mit einem Aufschwung sei erst zum Jahresende zu rechnen. Erfreulich entwickle sich vor allem das Geschäft mit der öffentlichen Hand, sagt Köhler. In der Kommunikationsbranche würden die Projekte aber noch immer "mit der Pinzette angefasst". Im Vorteil seien Consultants, die langfristige Kundenbeziehungen und einen Schwerpunkt in der Implementierung hätten.

Auch wenn es den Unternehmen schlecht gehe, seien die Consultants gefragt, fasst Köhler zusammen. "Die Budgets, um die die Berater kämpfen, sind in Abschwungphasen aber deutlich kleiner," fügt er hinzu.

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