Deutsche Erzeuger- und Importpreise beruhigen sich im Juli deutlich
Höhepunkt der Inflation überschritten

Neue Preisdaten aus Deutschland zeigen: Der Druck lässt nach. Der höhere Euro-Kurs wird diesen Effekt demnächst verstärken. Damit erhöht sich nach Ansicht von Analysten die Chance einer Zinssenkung im September.

ari/Reuters DÜSSELDORF. Die Abschwächung des Preisdrucks könnte sich in Deutschland in den nächsten Monaten verstärken. Darauf weist die Entwicklung bei den Erzeuger- und Importpreisen im Juli hin, die in Monatsfrist deutlicher zurückgingen als von Analysten erwartet. Außerdem dürfte sich die Euro-Aufwertung der vergangenen Wochen in den Importpreisen von August und danach bei den Erzeuger- und Verbraucherpreisen dämpfend niederschlagen.

Angesichts der neuen Preisdaten, der stagnierenden Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal und den erst in einem Monat verbesserten Unternehmenserwartungen in Deutschland sehen Bank-Volkswirte jetzt eine größere Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) spätestens im September die Leitzinsen im Euro-Raum senken wird. Jürgen Pfister von der Commerzbank sagte. für die EZB gebe es mittlerweile genug Spielraum, die Leitzinsen zu senken. "Die Preisdaten sind für die EZB theoretisch kein Hinderungsgrund, wenn sie denn die Zinsen schon am 30. August senken will", fügte er hinzu. Auch für Lothar Hessler von HSBC Trinkaus ist die Zinssenkung nur noch eine Zeitfrage, doch sieht er den Schritt erst im September. Das Konjunkturargument rückt aber auch nach seiner Ansicht jetzt für die EZB immer mehr in den Vordergrund. Er sieht den Leitzins am Jahresende bei 4 % (derzeit 4,5 %) und bis Mitte 2002 sogar auf 3,5 % sinken.

Für die Euro-Zone liegen vorläufige Inflationsdaten für August bisher aus Italien und Deutschland vor. In beiden Ländern stagnierte die Teuerungsrate bei 2,8 bzw. 2,6 %. In Italien verläuft die Inflationskurve seit einigen Monaten flacher als in anderen Euro-Ländern, in Deutschland kommt ein statistischer Basiseffekt zum Tragen. Die DGZ-Deka-Bank schätzt, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone sich im August weiter von 2,8 auf 2,7 % abgeschwächt hat. Die Daten werden am 18. September veröffentlicht.

Inflation soll sich im September weiter abschwächen

Dass der Preisanstieg im Jahresvergleich sich in Deutschland im August nicht verändert hat, beruht darauf, dass der Rückgang von Monat zu Monat vor einem Jahr genauso groß war wie jetzt mit 0,2 %. Sollten die Preise auch im September nachgeben, was nach der Beruhigung bei den Erzeuger- und Importpreisen wahrscheinlich ist, wird sich die deutsche Teuerungsrate, die im Mai mit 3,5 % ihren Höhepunkt erreicht hatte, weiter abschwächen. Denn von August auf September 2000 hatte es bei den Lebenshaltungskosten ölpreisbedingt einen Anstieg von 0,5 % gegeben. Die Volkswirte von Deutsche Bank Research und der Commerzbank sehen die deutsche Teuerungsrate deshalb im September auf etwa 2 % fallen, sofern es zu keinen überraschenden Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und Erdöl kommt.

Im Vergleich zum Vormonat sind die Erzeugerpreise im Juli um 0,5 % gesunken. Zum Vorjahresmonat bildete sich die Rate laut Statistisches Bundesamt von 4,3 % auf 3,1 % zurück. Dies war der niedrigste Anstieg seit Juni 2000. Noch deutlicher ist der Rückzug bei den Importpreisen.: Sie fielen von Juni auf Juli um 1,5 %, der Anstieg in Jahresfrist beruhigte sich von 3,6 auf 1,7 %. Er war so niedrig wie seit August 1999 nicht mehr und laut DGZ-Deka-Bank erstmals seit Juli 1999 auch niedriger als bei den Verbraucherpreisen.

Preisrückgang bei Mineralölerzeugnissen

Ausschlaggebend für die Entwicklung im Juli war der monatliche Preisrückgang bei Mineralölerzeugnissen, die zudem billiger waren als ein Jahr zuvor. Erdgas und Strom blieben dagegen teurer. Bei Lebensmittel lassen die preistreibenden Effekte, die von den Fleischkrisen BSE und MKS ausgelöst wurden, in der Monatsentwicklung nach. Die Beruhigung hat sich auch auf der Großhandelsstufe fortgesetzt: Im Juli sanken die Preise um 0,8 %, die Jahresrate fiel von 3,1 auf 2,2 %.

Hessler von HSBC Trinkaus sieht deshalb "den Höhepunkt bei der Inflation überschritten". Für den Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, könnte damit die Trendwende eingeleitet sein, dass die Verbraucher wieder ausgabenfreudiger werden. Im ersten Halbjahr hatten der starke Preisanstieg und staatlich veranlasste höhere Abgaben verhindert, dass die Steuerentlastung die realen Konsumausgaben nennenswert gesteigert hat. Der private Verbrauch hatte sich nach den neuen Wachstumszahlen allerdings robuster gezeigt als zunächst berechnet.

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