Deutsche erzielen gute Noten: Pisa-Studie für Kleine entfacht Schuldebatte neu

Deutsche erzielen gute Noten
Pisa-Studie für Kleine entfacht Schuldebatte neu

Die Ergebnisse der Grundschulstudie Iglu ruft vielstimmige Reaktionen hervor. Etliche Experten verlangen jetzt eine Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre.

dpa BERLIN. Die Ergebnisse der Grundschullesestudie Iglu haben die Debatte über das deutsche Schulsystem neu entfacht. Nach Expertenmeinung sollte die Grundschulzeit auf sechs Jahre verlängert und die Hauptschule aufgelöst werden. Der Verband Bildung und Erziehung Nordrhein-Westfalen (VBE) forderte am Mittwoch in Dortmund eine Grundschule bis zur zehnten Klasse.

Der Leiter des deutschen Teils der Iglu-Studie, Wilfried Bos, sagte: "In Deutschland ist das große Problem die Sekundarstufe I", Die Stärken des Grundschulunterrichts lägen vermutlich darin, dass dort fachübergreifend und experimenteller als in der Unter- und Mittelstufe gelehrt werde. Der Erfolg der Zehnjährigen bei der Iglu- Studie sei vor allem erstaunlich, weil die Grundschulen im internationalen Vergleich unterfinanziert seien.

"Das Ergebnis der Iglu-Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Aufteilung von Schülerinnen und Schülern auf die verschiedenen Schulformen mehr als in Frage zu stellen ist", sagte der VBE- Landesvorsitzende Udo Beckmann. Er befürwortet "ein gemeinsames Lernen bis zur Mittleren Reife." Dies solle jedoch nicht in großen "Lernfabriken", sondern in den bestehenden Schulen geschehen.

Der Leiter des Instituts für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund, Hans-Günther Rolff, sagte: "Der Vergleich der Ergebnisse von Iglu- und Pisa-Studie zeigt, dass die Grundschule gute Leistungen bei geringer sozialer Auswahl bringt. Bei den 15-Jährigen in der Sekundarstufe ist es genau umgekehrt." Bei der internationalen Untersuchung Iglu hatten die deutschen Viertklässler einen Platz im oberen Drittel der 35 Teilnehmerstaaten erreicht. Beim internationalen Pisa-Test der 15- Jährigen hatten die deutschen Schüler dagegen miserabel abgeschnitten.

"Damit steht die Sekundarstufe auf dem Prüfstand, weil sie unterdurchschnittliche Leistung bei höchster sozialer Auswahl produziert", fasste der Schulentwicklungsforscher Rolff zusammen. Ein Arbeiterkind habe bei gleicher Intelligenz im deutschen System deutlich geringere Chancen auf einen guten Schulabschluss als ein Beamtenkind.

Unterdessen kam eine Untersuchung im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes zu dem Ergebnis, dass sich jeder zweite Lehrer durch den besonderen Stress in seinem Beruf im Übermaß belastet fühlt. Nahezu jeder dritte zeigt Anzeichen von Selbstüberforderung und Resignation. Die Studie wurde vom Potsdamer Psychologie-Professor Uwe Schaarschmidt in Berlin vorgestellt. Dabei wurde die Stressbelastung von mehr als 7000 Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland untersucht.

Als Reaktion auf die Untersuchung forderte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Grietje Bettin, ein Umdenken bei der Lehrer- Ausbildung. "Wir brauchen mehr Praxisbezug in allen Phasen der Lehrerausbildung. Dazu gehören auch Techniken zur Stressbewältigung, sonderpädagogische Kompetenzen und eine professionelle Persönlichkeitsbildung im Studium."

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