Deutsche Fans hoffen auf Hockenheim
Schumacher denkt noch nicht an den Titel

Der Countdown für den schnellsten WM-Titel aller Zeiten läuft - aber Titelaspirant Michael Schumacher bleibt immer noch ganz cool.

HB MAGNY-COURS. Michael Schumacher kann schon in vier Tagen Geschichte schreiben und sich mit einem neuen Weltrekord selbst zu einem der Größten des Motorsports krönen. Doch der Champion, der bald mit Titel Nummer fünf mit dem legendären Juan Manuel Fangio gleichziehen kann, lässt auch vor dem ersten "Matchball" keine Nervosität aufkommen. Die letzten Tage vor dem Großen Preis von Frankreich in Magny-Cours verbrachte Schumacher mit seiner Familie, Gedanken an den möglichen WM-Coup schob er beiseite. "Ich persönlich denke noch nicht allzu sehr daran, weil meine Gegner mir dafür zu sehr helfen müssen", meinte der Ferrari - Star. In das Rennen gehe er "schlichtweg mit einem positiven Gefühl".

Alles wartet auf den Titel, aber Schumacher bremste noch ein wenig. "Es sieht gut aus, ich weiß das. Aber ich weiß auch, dass noch viel passieren kann. Daher werde ich mich nicht auf allzu viele Spekulationen darüber einlassen." Auf die üblichen Rechenspiele auch nicht. "Das überlasse ich euch", hatte der 60-malige Grand-Prix- Sieger den Journalisten nach dem letzten Rennen lachend gesagt. Eines ist klar: Sollte Schumacher die WM am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) im 11. von 17 Läufen entscheiden, wäre er der "eiligste" Weltmeister der Formel-1-Historie. Rekordhalter bisher ist Nigel Mansell: Der Brite hatte die WM 1992 ebenfalls nach 11 Rennen in der Tasche, aber damals gab es nur 16 Läufe. Schumacher hätte eine "Quote" von 64,7 Prozent der Saison, Mansell kam auf 68,7 Prozent.

Der nüchterne Praktiker Schumacher wehrte sich gegen historischen Pathos und Parallelen mit dem bislang einzigen Fünffach-Champion der Formel 1. "Ich möchte wegkommen von diesem Vergleich mit Fangio, denn ich glaube, dass er nicht greift. Es funktioniert nicht, mich mit ihm zu vergleichen", betonte der Kerpener. Damals sei eine andere Zeit gewesen, die Leistungen des Weltmeisters von 1951, "54, "55, "56 und '57 sind für den heutigen Superstar "zu beeindruckend". Schumacher: "Auch wenn ich in der Statistik gleich ziehen könnte, ist das nicht das gleiche." Nach der tollen Erfolgsserie von sieben Saisonsiegen dreht sich in der Formel 1 derzeit alles um die Frage: WM-Feier "mitten im Niemandsland" - wie Schumacher die Gegend um Magny-Cours nennt - oder sieben Tage später beim Heim-Rennen in Hockenheim? Der Titelverteidiger hat 86 Punkte und 54 Zähler Vorsprung vor seinem brasilianischen Teamkollegen Rubens Barrichello (32), danach folgen die Williams-BMW-Piloten Juan Pablo Montoya (31) und Ralf Schumacher (30). Wenn der Spitzenreiter gewinnt, und Barrichello und Montoya bestenfalls Dritter werden, ist er in Frankreich Weltmeister.

In Deutschland, wo ausnahmsweise nur eine Woche nach Magny-Cours der Grand Prix in Hockenheim stattfindet, hoffen sie auf eine Vertagung. Der Große Preis von Deutschland ist nicht ausverkauft, eine bevorstehende WM-Krönung des heimischen Helden würde den Absatz ankurbeln. "Es wäre natürlich interessanter, wenn er bei seinem Heim- Grand-Prix Weltmeister würde", sagte Hockenheim-Sprecher Hartmut Tesseraux. "Wir haben natürlich das Selbstvertrauen. Aber Magny-Cours ist eine besondere Strecke, da können wir das Gegenteil von dem erleben, was bisher war", meinte Schumacher gewohnt vorsichtig. Viele werden ihm dies als Tiefstapelei auslegen. Denn er ist prädestiniert für einen weiteren Sieg in Magny-Cours. Fünf Mal hat er auf dem "Circuit de Nevers" gewonnen, so oft wie sonst niemand. Zudem kommt ihm die ländliche Atmosphäre entgegen, "ich bin nun mal kein Stadtmensch."

Eigentlich könnte er nur von der Technik besiegt werden. 15 Mal nacheinander, seit dem 29. Juli 2001 in Hockenheim, ist Schumacher in einem Grand Prix nicht mehr ausgefallen - dies ist ausnahmsweise kein Rekord. Niki Lauda kam 1975/76 bei 17 Rennen in Serie ins Ziel, auch in einem Ferrari. Rein statistisch gesehen wäre ein Defekt bedingter Ausfall mal "dran". Aber auch daran glaubt die Konkurrenz inzwischen nicht mehr. Lauda: "Wenn alles passt, dann passt es."

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