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Deutsche Februar-Einzelhandelsumsätze schwächer als erwartet

Experten hatten mit einem geringeren Rückgang der Einzelhandelsumsätze gerechnet. Die "enttäuschenden Zahlen" seien allerdings nicht auf die schwache US-Konjunktur zurück zu führen.

Reuters WIESBADEN. Die deutschen Einzelhandelsumsätze sind im Februar deutlicher zurückgegangen als von Experten erwartet. Der Einzelhandel habe im Februar nominal (in jeweiligen Preisen) 5,6 % und real (in konstanten Preisen) 6,7 % weniger umgesetzt als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Zum Januar 2001 seien die Umsätze bereinigt um nominal 1,7 % gesunken. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang von 1,2 % im Monatsvergleich gerechnet. Volkswirte beurteilten die Zahlen mehrheitlichals schwach und enttäuschend. Im Vergleich zu den Abschwächungen im zweiten Halbjahr 2000 signalisierten sie allerdings eine Stabilisierung.

Deutliche Umsatzeinbußen verzeichneten den Angaben zufolge der Facheinzelhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren (real minus 4,9 %). Noch größer war der Rückgang im Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (real minus 6,1 %) und dem Einzelhandel nicht in Verkaufsräumen (real minus 9,8 %), zu dem auch der Brennstoffhandel gehört. Der sonstige Fach-Einzelhandel habe Umsatzrückgänge von real 9,0 % verbucht. Nominale Umsatzsteigerungen verbuchten lediglich der Einzelhandel mit Apotheken und der Fach-Einzelhandel mit medizinischen, orthopädischen und kosmetischen Artikeln. In diesem Segment seien die Umsätze im Jahresvergleich nominal um 0,6 % gestiegen.

Steuersenkungen noch nicht auf Einzelhandel durchgeschlagen

Nach Ansicht von Eckhard Schulte von der Dresdner Kleinwort Wasserstein weisen die Daten einen enttäuschenden Trend auf. "Die Daten zeigen, dass die Steuersenkungen noch nicht auf den Einzelhandel durchgeschlagen haben", sagte Schulte. Zudem habe der hohe Ölpreis der Kaufkraft vermindert. "Ich hoffe, dass sich die Umsätze im zweiten Halbjahr stabilisieren, wenn die Inflation zurückgegangen und die Folgen der Ölverteuerung ausgestanden sein werden." Der Umsatzrückgang sei hausgemacht und keine Folge der konjunkturellen Verlangsamung in den USA. "Wir spüren noch immer die Folgen der Zins- und Ölpreissteigerungen im letzten Jahr." Die Auswirkungen der schwächeren US-Wirtschaft stünden noch bevor.

Auch Ulla Kochwasser von der IBJ Deutschland beurteilte die Zahlen als schwach. Sie seien kein zuverlässiger Indikator für den privaten Verbrauch in Deutschland, weil sie weder Automobilabsätze noch die Umsätze an den Tankstellen berücksichtigten. Der Einzelhandel habe lediglich einen Anteil von rund 30 % am deutschen Verbrauch. Mit Blick auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sagte Kochwasser, eine Zinssenkung würde nur auf lange Sicht am Markt wirken, aber kaum kurzfristig. Sie wies allerdings auf einen möglichen "psychologischen Effekt" einer Zinsreduktion auf die Finanzmärkte hin. "Die EZB hat aber nur einen geringen Spielraum." Bis Ende 2001 könne sie nur um 50 Basispunkte auf dann 4,25 % im Schlüsselzins heruntergehen.

Christoph Hausen von der Commerzbank sah in den Daten hingegen ein Signal für eine Stabilisierung im Vergleich zu den Rückgängen in der zweiten Jahreshälfte 2000. Da die Energiepreise nicht mehr zunähmen und die Steuerlast zurückgegangen sei, könne der Einzelhandel jetzt wieder Gewinne einfahren, sagte er. "Bis Jahresende werden die Einzelhandelsumsätze sich auf ein Plus von 1,5 % erholen", sagte Hausen. Die Binnennachfrage werde das Wirtschaftswachstum stützen.

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