Deutsche Finanzinstitute hinken dem Rest der Branche weiter hinterher
Europas Banken suchen nach der Antwort auf US-Giganten

Beim Blick in die USA werden viele europäische Bankenchefs nervös. Sie fürchten, die amerikanischen Finanzgiganten könnten sie im internationalen Wettbewerb abhängen oder sogar übernehmen.

FRANKFURT/M. Hinter dem Branchenprimus Citigroup haben sich jenseits des Atlantiks zuletzt gleich zwei weitere Megabanken formiert. Zunächst schluckte die Bank of America den Rivalen Fleet Boston, wenig später kündigte JP Morgan Chase den Kauf der Bank One an. Kein Wunder also, dass eine "europäische Antwort auf die amerikanischen Herausforderung" derzeit das Top-Thema in der Branche ist.

Nach Meinung vieler Experten liegt die Antwort auf der Hand: Auch die Europäer müssen sich zu mächtigen Konzernen zusammen schließen. Die Frage scheint weniger, ob es zu grenzüberschreitenden Großfusionen kommt, als vielmehr, wer den ersten Schritt wagt - und der könnt schon bald erfolgen.

Die Analysten von Morgan Stanley jedenfalls notieren aufmerksam, dass die Fusions-Spekulationen in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen haben. Sie verweisen auf Äußerungen von Matthew Barrett, Chef der britischen Großbank Barclays, der sich unter dem Eindruck der US-Fusionen offen für einen Zusammenschluss gezeigt hat. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann glaubt, dass die europäischen Banken auf die US-Fusionen reagieren müssen, um nicht im weltweiten Konkurrenzkampf marginalisiert zu werden. Und die spanische Santander Central Hispano (SCH) hatte bereits ein konkretes Übernahmeziel vor Augen. Jedoch verwarf die Bank den Plan zur Übernahme der britischen Abbey National wieder, nachdem die Gespräche in die Öffentlichkeit durchgesickert waren.

Übernahmekassen sind gefüllt

Andere Experten schließen die Möglichkeit eines grenzüberschreitenden Zusammenschlusses in Europa für die nahe Zukunft nicht aus, halten aber eine ganze Welle von Bankenhochzeiten für unwahrscheinlich. Diesen Standpunkt vertritt etwa die Rating-Agentur Fitch. Sie verweist in einer gerade veröffentlichten Studie auf die immer noch beträchtlichen regulatorischen, steuerlichen und kulturellen Differenzen innerhalb Europas. Tatsächlich orientierten sich Europas Banken zuletzt eher Richtung USA. Sowohl BNP Paribas als auch die Royal Bank of Scotland haben in den letzten Monaten ihre Stellung in den USA mit Übernahmen deutlich ausgebaut.

Dass sich die Bankenchefs überhaupt wieder stärker mit Fusionen und Übernahme befassen, hat vor allem einen Grund: Sie können es sich wieder leisten. Im vergangenen Jahr hat sich die Branche mit Ausnahme von Deutschland sehr gut geschlagen. Dabei haben sich neben den stabilen Kapitalmärkten nicht zuletzt die massiven Sparprogramme der jüngeren Vergangenheit ausgezahlt. "Viele europäische Großbanken haben eine ziemlich robuste Finanzlage und das nötige Kapital, um Übernahmen zu tätigen", urteilt Fitch.

Auch das laufende Jahr lässt sich gut an. "Abgesehen von wenigen Ausnahmen waren die Ergebnisse im ersten Quartal erneut viel besser als erwartet", konstatierten kürzlich die Analysten von Merrill Lynch. Befürchtungen über eine Abschwächung im Finanzmarktgeschäft haben sich bisher nicht bestätigt. Gerade die Investmentbanken wie UBS, Credit Suisse und Deutsche Bank zeigen sich daher in guter Verfassung. Außerdem führt die allmähliche Konjunkturbelebung zu einem Rückgang der Pleiten und damit der Kreditausfälle. Spannend wird freilich sein, wie die Banken mit der sich abzeichnenden Zinserhöhung fertig werden. Obwohl die Auswirkungen je nach Bank unterschiedlich ausfallen, würde ein massiver Zinsanstieg die Branche nach Einschätzung von Analysten eher belasten. Ein nur moderater Zinsanstieg könnte die Gewinnlage dagegen sogar verbessern.

Für die deutschen Banken geht es - mit Ausnahme der Deutschen Bank - in diesem Jahr vornehmlich darum, den gewaltigen Rückstand gegenüber den europäischen Marktführern ein wenig zu verkleinern. Im vergangenen Jahr fuhren mit Commerzbank, Hypo-Vereinsbank (HVB) und Dresdner Bank gleich vier Großbanken Milliardenverluste ein. Die Vorstandschefs begründeten dies vornehmlich mit der Bereinigung von bilanziellen Altlasten. Aber auch im operativen Geschäft hängen die heimischen Institute fast allen anderen Banken Europas weit hinterher. Allein die Deutsche Bank kann sich im Konzert der Branchenbesten halbwegs sehen lassen - und daran dürfte sich auf absehbare Zeit leider auch nicht viel ändern.

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