Deutsche Finanzinstitute weisen im europäischen Vergleich eine geringe Börsenkapitalisierung auf: Bankaktien bieten wieder Chancen

Deutsche Finanzinstitute weisen im europäischen Vergleich eine geringe Börsenkapitalisierung auf
Bankaktien bieten wieder Chancen

Die Aktien von Banken, die ihr Geschäft sanieren, haben überdurchschnittliches Kurspotenzial. Das gilt auch für kleine Institute mit profitablen Strategien. Magere Börsentage wie der Dienstag ändern daran nichts.

DÜSSELDORF. Kennen Sie die portugiesische Banco Espíritu Santo? Sollten Sie aber, denn dieses Institut ist mehr wert als die Commerzbank. Nach Börsenkapitalisierung gerechnet belegt sie Rang 42 unter den europäischen Banken, die Commerzbank folgt mit Nummer 43.

Der Deutsche Bankenmarkt, das zeigt die Börsenbewertung, ist wenig attraktiv. Er gilt strukturell als schwierig wegen der starken Konkurrenz der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Dazu kommt ein relativ schwaches Wirtschaftswachstum im größten der Euroländer. Sehr hoch bewertet sind dagegen, trotz eines deutlichen Kursrückgangs, die britischen Banken, aber zum Beispiel auch die Schweizerische UBS und die französische BNP.

Wer nach aussichtsreichen europäischen Bankaktien sucht, kann verschiedene Kriterien anlegen. Einmal gibt es Banken, die Phantasie durch eine mögliche Restrukturierung oder Sanierung bieten. Einzig unter diesem Gesichtspunkt bekommt man überhaupt einen deutschen Titel auf den Beobachtungsschirm: Es ist, trotz des juristischen Hickhacks um ihren Chef, die Deutsche Bank. Sie ist einer der vier Top-Kandidaten von Oppenheim Research. "Die Deutsche Bank wird zu Unrecht fast nur wie eine deutsche Bank bewertet", sagt Oppenheim-Analyst Metehan Sen, "dabei macht sie einen großen Teil ihrer Erträge im Ausland." Er erwartet eine Verdreifachung des operativen Gewinns im laufenden Jahr, vor allem durch weitere Kostensenkungen, bei den europäischen Konkurrenten im Schnitt dagegen nur ein Plus von 45 %.

Ein anderer "Erholungskandidat" ist die niederländische ABN Amro. James Hyde von Fox-Pitt, Kelton nennt sie als Favoriten. "Sie hat ein solides Geschäft im mittleren Westen der USA", sagt er. Dazu komme die Aussicht auf - bisher allerdings noch nicht deutlich sichtbare - Kostensenkungen im niederländischen Heimatmarkt.

Ein dritter Kandidat, eher schon ein Sanierungsfall, ist Credit Suisse. Diese Aktie gehört zu den sechs Top-Aktien der WestLB unter den europäischen Banktiteln. Die Bewertung der Gruppe sei weitgehend durch das Geschäft mit gehobenen Privatkunden in der Schweiz und das Massengeschäft abgedeckt, heißt es. Die anderen Bereiche - Investment Banking, Asset Management und Versicherungen - seien aber "keineswegs wertlos", die Analysten erwarten hier eine Erholung und halten die Aktie für unterbewertet.

Eine andere Blickrichtung wäre, Aktien von Banken herauszufinden, die sich durch eine besondere Strategie oder Marktnische auszeichnen. James Hyde nennt als Beispiel hierfür die spanische Bankinter. Sie sei sehr stark in der Baufinanzierung. Dieses Geschäft habe zurzeit noch schwache Margen, aber der Analyst erwartet eine Erholung und ein starkes Wachstum. Eine ähnlich auf Immobilien ausgerichtete, sehr stark wachsende Bank gibt es in Großbritannien: Northern Rock. Ihre Aktie sei aber schon recht gut gelaufen, schränkt Hyde die Erwartungen für dieses Papier ein. Ein dritter Nischenkandidat ist die belgische KBC, die bei Oppenheim eindeutig der stärkste Kaufkandidat ist, aber auch bei der WestLB auf der Topliste steht. Sie ist ein reinrassiger Allfinanzwert und damit eine weniger bekannte Alternative zu ING und Fortis. Das Unternehmen verbindet eine gesunde Heimatbasis mit mutiger Expansion in Mitteleuropa. Der Allfinanzvertrieb funktioniert, die Abhängigkeit vom Aktienmarkt und die Bewertung sind relativ niedrig.

Eine dritte Anlagevariante ist die Auswahl solider, großer Banktitel als Grundpfeiler des Depots. Aus Deutschland kommt hier im Grunde kein Kandidat in Frage. Häufig werden dagegen die britische Royal Bank of Scotland (RBOS) und die schweizerische UBS empfohlen - für den Euroraum BNP Paribas und Unicredito, die beide zu den vier Favoriten von Oppenheim zählen. BNP hat sich allerdings mit den Übernahmeplänen für Crédit Lyonnais nicht nur Freunde gemacht. Hyde sieht zudem das hohe Engagement der Bank im Anleihengeschäft kritisch, weil er für diesen Markt einen Rückschlag erwartet. Er bevorzugt die kleinere Société Générale, die kürzlich die Anleger mit guten Zahlen überraschte, keine Übernahmepläne hat und über ein sehr gutes Filialgeschäft in Frankreich verfügt.

Die Ausblicke der Banken, zum Beispiel gestern von UBS, sind sehr verhalten. Oppenheim erwartet aber eine "moderate" Erholung der Erträge in der Branche. Goldman Sachs ist pessimistischer, sieht jedoch aus Gründen der Bewertung und der hohen Dividendenrendite Chancen für Anleger.

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