Deutsche Finanzszene
Renaissance der Heimat

Endlich wird wahrgenommen, was für britische, amerikanische und viele weiteren europäischen Banken eine Binsenweisheit ist: derjenige, der nicht in der Heimat stark ist, hat keine große Chance, nachhaltig im Ausland zu wachsen.

Warum in die Nähe schauen, wenn das Gute liegt so fern? Viele Jahre plagte Deutschlands größte Geschäftsbank nicht Heim-, sondern Fernweh. Für die Deutsche Bank lagen Ruhm, Renommee und Rendite stets jenseits der Grenze. Unter der Dominanz der Sparkassen wurde gelitten, über die mangelnde Attraktivität der einheimischen Kunden gejammert, von den Vorzügen der Internationalität geträumt.

In letzter Zeit hat sich die Deutsche Bank allerdings auf die ursprüngliche Version des Sprichworts besonnen und sich – durch die Übernahmen der Berliner Bank und jetzt auch der Norisbank – demonstrativ auf deutschem Boden zurückgemeldet. Endlich wird wahrgenommen, was für britische, amerikanische und viele weiteren europäischen Banken eine Binsenweisheit ist: derjenige, der nicht in der Heimat stark ist, hat keine große Chance, nachhaltig im Ausland zu wachsen.

Aus britischer Sicht ist die Wiederentdeckung Deutschlands längst überfällig. Die britische Investmentklasse betrachtet die deutsche Finanzszene schon seit langem als unterbewertet, unterentwickelt, aber doch als zukunftsreif. Dass die deutsche Retail-Kundschaft dabei schlecht bedient ist, ist kein Betriebsgeheimnis.

Das kürzlich veröffentlichte Zahlenwerk der europäischen Kommission (s. Handelsblatt vom 21. Juli) legt eine fast schockierende Kluft in Deutschland zwischen Soll- und Habenzinsen an den Tag. In vielen wichtigen Produktkategorien übertrifft das Zinsgefälle den europäischen Durchschnitt. Die durch die Zinsmarge entstanden Erlöse schlagen sich aber leider nicht in erhöhter Finanzkraft der Banken nieder, sondern werden allzu oft durch hohe Verwaltungskosten aufgezehrt.

Kann am deutschen Bankwesen die Welt genesen? Die Schwäche der deutschen Banken im internationalen Vergleich spiegelt die schleppende deutsche Konjunktur der letzten Jahre wider, ist aber gleichzeitig auch eine Ursache der Konjunkturflaute. Möglicherweise geht die Wiedereroberungsinitiative der Deutschen Bank mit einer Aufhellung der Wachstums- und Konkurrenzperspektiven in Deutschland einher. Ausländische Banken, die gerne durch Zukäufe ihre deutsche Präsenz ausbauen möchten, werden der weiteren Entwicklung mit Faszination, vielleicht auch mit Beunruhigung entgegensehen.

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