Deutsche Firmen erwarten kaum Aufträge bei Wiederaufbau
Deutsche Wirtschaft sieht sich im Nachteil

Die deutsche Wirtschaft befürchtet, dass sie bei einem Wiederaufbau des Iraks unter der Regie der USA kaum zum Zuge kommt. "Bei der Vergabe von Aufträgen wird sich deutlich bemerkbar machen, dass Deutschland die USA im Krieg nicht unterstützt hat", erwartet Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA).

huh BERLIN. Skepsis herrscht auch im Maschinenbau, der bis zum ersten Golfkrieg stark im Irak engagiert war. Weil Deutschland nicht zur "Koalition der Willigen" gehöre, werde es nur wenig zu bestellen haben, glaubt VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse.

Mit Kritik an den USA sind die Verbände allerdings sehr vorsichtig. Nur hinter vorgehaltener Hand wird die Befürchtung geäußert, die Amerikaner könnten die geplanten milliardenschweren Aufbauprogramme finanziert aus den irakischen Erdöleinnahmen vor allem ihren eigenen Unternehmen zuschanzen. Als erstes Alarmsignal sehen einige Verbände das Verhalten der staatlichen Entwicklungshilfeorganisation US-Aid. Sie hatte schon vor Beginn des Krieges Infrastrukturaufträge in Höhe von 900 Mill. US-Dollar ausgeschrieben, aber nur US-Firmen zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Zwar wird von deutscher Seite eingeräumt, es handele sich hier um amerikanische Haushaltsmittel. Doch seien die USA in der Vergangenheit durchaus an internationalen Geboten für ihre Hilfsprogramme interessiert gewesen. "Jetzt ist ein gewisser Zug zu erkennen, auf internationale Organisationen und Abmachungen zu pfeifen", beobachtet ein Verbandsfunktionär.

Trotzdem hoffen die Verbände, dass der Wiederaufbau unter der Regie der Uno stattfindet. Allzu viel Optimismus herrscht aber auch dann nicht. Der Vorsitzende des Vergabeausschusses werde wohl ein Amerikaner sein, glaubt BGA-Hauptgeschäftsführer Hans-Jürgen Müller.

Bundesregierung abwartend

Die Bundesregierung sieht bisher keinen Anlass, wegen einer eventuell drohenden Benachteiligung deutscher Unternehmen aktiv zu werden. Dazu sei es viel zu früh, hieß es in Regierungskreisen. Zunächst müsse die weitere Entwicklung im Irak-Krieg abgewartet werden. Ein hochrangiger Regierungsvertreter empfahl Zurückhaltung angesichts der zugespitzten Situation: "Wir werden jetzt nicht anfangen, über Aufträge und die Verwendung der Öleinnahmen zu diskutieren".

Abgesehen vom Wiederaufbau des Iraks sieht die deutsche Wirtschaft ihre Position im arabischen Raum durch den Anti-Kriegs-Kurs der Bundesregierung jedoch gestärkt. Die Nachfrage nach deutschen Produkten nehme zu, beobachtet BGA-Chef Börner. Und der Maschinenbau sieht mittelfristig sogar gute Chancen im Irak. "Bis Anfang der neunziger Jahre wurden viele Maschinen von Deutschland geliefert. Es wäre ökonomisch unsinnig, wenn die nicht von deutschen Firmen wieder in Stand gesetzt würden", sagt VDMA-Mann Hesse. Doch Börner warnt: Der arabische Raum könne nicht ausgleichen, was Deutschland im Außenhandel mit den USA wegen der zerrütteten deutsch-amerikanischen Beziehungen verloren zu gehen drohe.

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