Deutsche Firmen gehen in China in die Sponsoring-Offensive
Siemens spielt mit Chinas Fußball Doppelpass

China gilt als einer der weltweit wenigen Zukunftsmärkte mit großem Wachstumspotenzial. Besonderes Interesse an China hat - nicht erst seit der Verwirklichung des Transrapid - Siemens. Die Münchener haben im vergangenen Jahr mit beeindruckenden Wachstumsraten Nahverkehrssysteme, Telekommunikation und Kraftwerke für 3,2 Milliarden Euro verkauft. "Was mir in Asien immer Freude macht, sind die Aufbruchstimmung, die Begeisterungsfähigkeit der Leute dort - und die Chancen für Siemens", sagte unlängst Siemens-Chef Heinrich von Pierer.

PEKING/MÜNCHEN. Viele Konzerne versuchen jetzt, ihren Markennamen zu positionieren. Der chinesische Volkssport Fußball ist da idealer Werbeträger, insbesondere für Konsumgütermarken. Philips sponserte von 1995 bis 2000 den Pokalwettbewerb und stieg auch deshalb zur drittgrößten ausländischen Elektronikmarke im Reich der Mitte auf.

Siemens Mobile nimmt sich den Erfolg der Niederländer zum Vorbild. Seit Anfang Februar sponsert die Mobilfunksparte des Konzerns die chinesische Nationalelf. Vergangene Woche übernahmen die Münchener auch das Hauptsponsoring der neuen chinesischen Fußballliga. "Fußball ist der beliebteste Sport in China", sagt eine Siemens-Sprecherin. Die neue Liga wird zudem in "Siemens Mobile Football League" umbenannt. Siemens erwirbt Werberechte in allen Stadien und während der Fernsehübertragungen. Der Vertrag mit der Chinese Football Association gilt zunächst für ein Jahr und soll heute offiziell in Kanton unterzeichnet werden. Das Engagement wird Siemens nach Einschätzung von Branchenkennern einen einstelligen Millionen-Euro-Betrag kosten - verglichen mit dem auf 12 Millionen Euro taxierten Sponsorvertrag mit Real Madrid noch vergleichsweise wenig.

Das Unternehmen spekuliert darauf, mit Hilfe des Massensports Fußball im bevölkerungsreichsten Land der Erde, das gleichzeitig mit 200 Millionen Handy-Benutzern größter Mobilfunkmarkt der Welt ist, weitere Marktanteile zu gewinnen. "Deshalb gehen wir mit dem Sponsoring da voll rein", heißt es bei Siemens.

Siemens Mobile beschäftigt in China an 17 Orten über 3 000 Mitarbeiter. Das Handy-Werk in Schanghai wurde im vergangenen Jahr auf eine Jahreskapazität von 15 Millionen Geräten erweitert. In China entwickelt Siemens einen eigenen Standard für die dritte Mobilfunk-Generation, den so genannten TD-SCDMA, der kurz vor dem Durchbruch zur Marktfähigkeit steht. Die Zahl der Handy-Nutzer soll bis zum Olympia-Jahr 2008 auf 500 Millionen ansteigen. Jeden Monat kommen vier Millionen neu hinzu. Ein Fünftel des Umsatzes von 11 Milliarden Euro erzielt Siemens Mobile bereits in Asien - den Löwenanteil davon in China.

Das Unternehmen setzt auf Synergien im Fußball-Sponsoring: Real Madrid wird im August ein Spiel in China absolvieren und damit für die gewünschte Medienpräsenz sorgen. Siemens-Chef von Pierer hat auch schon bei Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nachgefragt, ob nicht auch sein Klub in China spielen könnte. Siemens ist bei den Bayern Co-Sponsor. Der Rekordmeister ist ohnehin schon auf dem Asien-Trip. Gemeinsam mit Partner Adidas sind nach der Saison zwei große Auftritte in China geplant. Auch der Sportartikelhersteller will seinen China-Absatz ausbauen und rüstet die Nationalelf aus.

Fußball ist dort schon länger nationale Leidenschaft. Während der WM 2002 war jeder fünfte Zuschauer auf der Welt ein Chinese. Allein das Spiel China - Brasilien sollen 780 Millionen Chinesen gesehen haben. Das staatliche Fernsehen bringt auf neun Kanälen täglich 15 Stunden Fußball.

Doch für die Werbebranche sind auch andere sportliche Großereignisse wie der Masters-Cup im Tennis in Schanghai und die Aufnahme Schanghais in den Formel-1-Zirkus ab 2004 interessant - vor allem aber Olympia 2008 in Peking. "Viele Firmen kommen zu dem Schluss, dass es höchste Eisenbahn ist, ihren Markennamen auf eine der wenigen chinesischen Sportarten mit nationaler Bedeutung zu bringen", heißt es bei der Marketing-Firma Starway Sports & Entertainment in Peking. "Das lässt den Wert der Sponsoring-Deals derzeit in den Himmel schießen."

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