Deutsche Fonds hinken internationaler Konkurrenz hinterher
Fondskommentar: Aufbruchstimmung

Der Optimismus weht wie ein frischer Frühlingswind durch die Büros der Fondsmanager in Frankfurt, London und New York.

DÜSSELDORF. Das Wort "Aufschwung" häuft sich in den Kommentaren der Börsenexperten, mutig stocken die Fonds ihre Bestände an zyklischen Aktien auf.

Seit Februar haben nach einer Umfrage von Merrill Lynch die europäischen Fondsmanager ihre Cash-Quote im Schnitt von 5,1 im Februar auf 3,9 Prozent im April gesenkt. Mittlerweile sind 96 Prozent der interviewten Experten davon überzeugt, dass die Volkswirtschaften der Eurozone in den nächsten zwölf Monaten stärker wachsen werden. Ahnlich positiv ihr Urteil über die Unternehmensgewinne: 94 Prozent der Fondsmanager rechnen nach der Studie mit steigenden Profiten der europäischen Konzerne.

Bemerkenswert ist der Stimmungswechsel von US-Werten hin zu europäischen Aktien. Noch im März hielten 61 Prozent der Fondsmanager amerikanische Unternehmen für die weltweit profitabelsten, im April waren es nur noch 39 Prozent. Europas Aktiengesellschaften holten dagegen in der Gunst von 21 auf 31 Prozent auf. Kaum ist der große Bruder USA in der Konjunktur vorweg marschiert, scharen sich die europäischen Fondsmanager wieder um die heimischen Märkte. Nicht verwunderlich, denn 48 Prozent halten europäische Aktien für unterbewertet, jedoch nur sechs Prozent für zu teuer. Da scheint also noch viel Potenzial zu stecken.

Bei aller Euphorie sehen die Fondsmanager noch strukturelle Defizite speziell deutscher Unternehmen. Daher fällt die Quote deutscher Aktien in den Portfolios europäisch investierender Top-Fonds derzeit geringer aus, als es ihrem Gewicht in den einschlägigen Indizes entspricht. Da rächt sich, dass Breuer, Schrempp, Sommer und Kollegen sich mit mehr oder weniger sinnvollen Zukäufen auf Biegen und Brechen als Global Player etablieren wollen. Die Fondsexperten haben sie jedenfalls nicht überzeugt.

Den Anlegern kann es egal sein, solange sie nicht in deutsche Blue-Chip-Fonds investiert haben. Die hinken der internationalen Konkurrenz immer noch hinterher - dies gilt nicht nur für Neue-Markt-Fonds. Nur wenn es den deutschen Unternehmen gelänge, im nächsten Aufschwung die rote Laterne in der Wirtschaftskraft Europas an ein anderes Land abzugeben, hätten Fondsanleger wieder mehr Freude an deutschen Aktien. Noch sieht es allerdings nicht danach aus.

Von Martin Gerth, Wirtschaftswoche

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