Deutsche Fondsmanager verschmähen Technologie-Anbieter
Biotech: US-Werte bevorzugt

D ie Freude währte nur kurz: Craig Venter, Chef des US-Biotech-Unternehmens Celera, konnte das Wettrennen um die Entschlüsselung des menschlichen Genoms gegen das staatlich geförderte Human Genome Project im April vergangenen Jahres gewinnen. Der Aktienkurs befindet sich seitdem aber beständig auf Talfahrt: Noch im Februar 2000 war die Aktie mit gut 250 US-Dollar bewertet, heute pendelt sie bei rund 35 Dollar. Celera ist eines von vielen Beispielen dafür, dass Hoffnung und Enttäuschung, Gewinne und Verluste in der risikoreichen Biotech-Branche nahe bei einander liegen.

pbs FRANKFURT. Gerade die von Fondsmanagern favorisierten forschenden Unternehmen, die selbst Medikamente entwickeln, statt nur Technologien zu verkaufen, verfügen über ein risikoreiches Geschäftsmodell. Immunex und Actelion heißen die jüngsten Opfer. Die Immunex-Aktien brachen im März ein, nachdem klinische Prüfungen bei zwei wichtigen Produkten, Nuvance gegen Asthma und dem Herz-Präparat Enbrel, nicht bestanden wurden. Kürzlich ging die Aktie der schweizerischen Actelion AG nach enttäuschenden Ergebnissen für die abschließende klinische Prüfung beim Medikament Veletri gegen Herzschwäche an einem Tag um 60 Prozent in die Knie. Drei klinische Prüfungen müssen Medikamente bestehen, bevor sie zugelassen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt aus der zweiten Test-Phase die Marktreife erlangt, schätzt Sebastian Virchow, der den DWS Biotech-Aktien Typ 0 managt, auf 30 Prozent. Für Produkte in der dritten Phase seien es 80 Prozent, sagt Michael Sjöström, Fondsmanager von Pictet.

Die Kursverluste der Biotech-Fonds im vergangenen Jahr, zeigen, dass auch Profis sich nicht gegen den Trend stemmen können. " Wenn die Kurse einbrechen, versuchen ich gegenzusteuern, indem ich mehr Bargeld halte und in liquide Aktien investiere", sagt Sjöström.

Jetzt haben sich einige Profis wieder aus der Deckung gewagt: "Wir haben mittlerweile wieder fast unser gesamtes Geld investiert", sagt Michael Fischer von Medical Strategy, der mit seinem Team insgesamt sechs Bio- und Healthcare-Fonds berät - darunter den DG Lux Lacuna Apo Biotech Fonds. Andere Fondsmanager, wie beispielsweise Virchow von der DWS, halten noch zehn Prozent Kasse - ein Zeichen dafür, dass weiter fallende Kurse und damit günstigere Kaufgelegenheiten nicht ausgeschlossen werden.

Das Hauptinteresse der Fondsmanager gilt US-Aktien - sie machen meist rund 80 Prozent des Fondsvolumens aus. Zu den Favoriten zählen Unternehmen, die schon Produkte am Markt haben und profitabel arbeiten. Die umsatzstärksten sind in der Tabelle "Führende nordamerikanische Biotech-Unternehmen" aufgeführt. Deswegen fehlt Amgen in keinem Portfolio. Allerdings ist noch offen, ob das Medikament Aranesp auf den Markt gebracht wird - ein Nachfolgeprodukt des erfolgreichen Anämie-Medikaments Epogen gegen Blutarmut. Trotzdem rechnet Virchow mit großem Kurspotenzial. Amgen ist seit 1983 börsennotiert und arbeitet profitabel. Auch Cor Therapeutics fehlt nicht im DWS-Portfolio. Mit dem Hauptprodukt Integrilin - das unter anderem die Aggregation der weißen Blutkörperchen in der Kardiologie hemmen soll - habe sich das Unternehmen zusammen mit dem Pharma-Konzern Schering-Plough heute etwa einen Marktanteil von schon 40 Prozent des gesamten Integrilin-Marktes gesichert.

Biogen und Genzyme übertrafen Erwartungen

DIT-Fondsmanagerin Nicole Körtge setzt auf Biogen und Genzyme, die beide für positive Nachrichten gut waren: Die Verkaufszahlen des bisher einzigen Biogen-Medikaments Avonex übertrafen im Geschäftsjahr 2000 die Erwartungen. Genzyme konnte Mitte April besser als erwartete Zuwächse beim Gewinn bekanntgeben. Das Dialysemedikament Renagel hatte sich sehr gut verkauft. Bei Pictet zählt auch Gilead Sciences zu den großen Positionen. Das Unternehmen stellt eine Ausnahme unter den großen US-Biotechs dar, weil es noch rote Zahlen schreibt. Einige Analysten erwarten die Zulassung des HIV-Medikaments Tenofovir zum Jahreswechsel. Bisher hat Gilead vier Medikamente am Markt.

Um größere Kurssteigerungen zu erzielen, werden aber auch Unternehmen gekauft, die Produkte in der zweiten oder dritten klinischen Test-Phase vor der Marktzulassung haben. Tanox favorisiert Virchow unter den Unternehmen, die kurz vor der Einführung eines Produktes stehen. Die Firma produziert einen Antikörper, mit dem unter anderem allergisches Asthma behandelt werden kann. Die Spitzenumsätze werden auf bis zu zwei Milliarden US-Dollar weltweit geschätzt. Sjöström hält derzeit Cephalon für interessant. Die Investmentbank SG Cowen erwartet, dass Cephalon im dritten Quartal schwarze Zahlen schreiben wird. Die Tests für ein Mittel gegen Prostatakrebs laufen derzeit. Zudem befinden sich Medikamente gegen Schlafstörungen und Krebs in der Pipeline. Zwei Medikamente hat das Unternehmen bereits am Markt.

Wenig Forscher am Neuen Markt

Unternehmen, die selbst nach Medikamenten forschen, sind am Neuen Markt rar. Nur sechs von zwanzig im Biotechnologie-Index des Neuen Marktes zusammengefasste Unternehmen zählen zu den so genannten Produkt-Unternehmen. Die Mehrzahl verkauft Technologien, wie beispielsweise Qiagen. Gegenüber ihren US-Konkurrenten, die nicht selten schon über zehn Jahre am Markt sind, können sich die deutschen Youngsters aber nur schwer behaupten. Viele sind oft noch nicht einmal zwölf Monate am Markt und schreiben rote Zahlen. Daher verwundert es nicht, dass die meisten Fondsmanager kaum Biotechnologie-Unternehmen am Neuen Markt kaufen.

Christian Garbe, Biotech-Analyst bei der GZ-Bank, will nur für Rhein Biotech ein positives Anlageurteil herausgeben. Mit der Einstufung als "Outperformer" traut er der Aktie zu, dass sie sich besser entwickeln werde als der Markt. Ein Impfstoff gegen Hepatitis B sei derzeit die Haupteinnahmequelle von Rhein Biotech, sagt Garbe. Das Unternehmen existiert schon seit 1985 und arbeitet profitabel. Genmab und Morphosys hat er dagegen als "Underperformer" kategorisiert. Morphosys will therapeutisch wirksame Antikörper produzieren und muss auf diesem Gebiet mit US-Unternehmen wie Abgenix konkurrieren, die aber über wesentlich höhere Liquiditätsreserven verfügten, heißt es bei der Hypo-Vereinsbank. Zu ihren Favoriten zählt die Hypo-Vereinsbank Medigene (Outperform). Das Unternehmen habe einige aussichtsreiche Medikamente aus dem Bereich Kardiologie und Krebsheilung in den klinischen Testphasen. Allerdings befinden sich die Produkte noch in recht frühen Forschungsphasen. Bis zur Marktzulassung ist es damit noch ein weiter Weg.

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