Deutsche Geschäftsleitung überrascht – IG Metall sieht Kritik an Lohnopfer bestätigt
Hewlett-Packard baut trotz Gehaltsverzichts Stellen ab

Erst vor wenigen Tagen haben drei Viertel der Mitarbeiter der Hewlett-Packard GmbH, Böblingen, einem viermonatigen Gehaltsverzicht von 10 Prozent zugestimmt. Mit ihrem Zugeständnis, zu dem sie das Management schriftlich aufgefordert hatte, wollten sie einen möglichen Abbau von Arbeitsplätzen vermeiden. Um so größer ist jetzt die Enttäuschung, dass der US-Konzern weltweit dennoch 6 000 Arbeitsplätze streichen will. Von der Mitteilung der Hewlett-Packard-Zentrale in Palo Alto so kurz nach dem Gehaltsverzicht sei auch das deutsche Management überrascht worden, sagte eine Firmensprecherin.

brb/huh HB STUTTGART/BERLIN. IG Metall-Vize Jürgen Peters sprach von einer Geschmacklosigkeit. Erst gaukle das Management den Beschäftigten Partnerschaft vor und fünf Minuten später sage es "April, April". Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wollte zu dem konkreten Fall nicht Stellung nehmen. Er verwies aber auf einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung, wonach Zugeständnisse der Mitarbeiter mit Arbeitsplatzgarantien honoriert würden. HP ist nicht Mitglied des Arbeitgeberverbands und deshalb nicht tarifgebunden.

Die deutsche Geschäftsführung des Computerkonzerns war am Freitag mit Schadensbegrenzung beschäftigt. Denn die Aufregung und der Ärger in der Belegschaft sind groß. HP-Deutschland-Chef Heribert Schmitz hat deshalb ins Intranet einen Brief gestellt, in dem er betont: "Wegen der hervorragenden Beteiligung von Ihnen allen am Gehaltsverzicht fühlen wir uns mehr als verpflichtet, Ihre Interessen bei den notwendigen Maßnahmen zu berücksichtigten".

Wie viele von den 6 000 Stellen in Deutschland wegfallen sollen, blieb am Freitag unklar. "Die weltweit organisierten Sparten haben Vorgaben bekommen", sagte die HP-Sprecherin. Die Sparten wiederum müssten die Zahlen auf die Länder herunter rechnen, was einige Zeit dauern werde. Rein rechnerisch könnten bei der deutschen HP einige hundert Arbeitsplätze betroffen sein. Sie trägt ungefähr ein Fünftel zum Konzernumsatz bei und beschäftigt knapp 8 Prozent der weltweit 90 000 HP-Mitarbeiter.

Auslöser der Sparmaßnahmen ist die von HP-Konzernchefin Charly Fiorina verfehlte Wachstumsprognose von 15 Prozent. Dem Konzern droht für das Gesamtjahr ein Umsatzrückgang und ein kräftig zusammengeschmolzener Ertrag. Im ersten Halbjahr hatte HP noch knapp 1 Mrd. Dollar verdient. Der Fall HP hat dem Konflikt zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern über Lohnverzicht zur Rettung von Arbeitsplätzen neue Nahrung gegeben. IG Metall-Vize Peters sprach von einem warnenden Beispiel, das zu einer restriktiveren Anwendung solcher Zugeständnisse führen müsse.

Hans Werner Busch, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, plädierte hingegen dafür, den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung auszubauen. Bisher sind nur kürzere Arbeitszeiten erlaubt. Die Arbeitgeber wollen, dass auch Gehaltsverzicht zugelassen wird.

Ein Gehaltsverzicht der Belegschaft braucht faire Spielregeln

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