Deutsche Gewalttäter
Frankreich 1998: Triumph der Grande Nation

Frankreichs Fußballer bezauberten bei der "WM der Herzen" mit traumhaftem Fußball, dem selbst die Ballkünstler aus Brasilien im Finale nicht widerstehen konnten. Für die viel gepriesenen deutschen Tugenden kam mit einer Schmach gegen Kroatien im Viertelfinale das unwiderrufliche Aus.

dpa HAMBURG. Und deutsche Hooligans zogen eine Spur der Gewalt durch die bis dato friedliche und fröhliche Landschaft der Weltmeisterschaft in Frankreich. Es war Sonntag, der 21. Juni 1998, als der Gendarm Daniel Nivel in den Straßen von Lens mit einer Eisenstange bewusstlos geschlagen und anschließend mit Fußtritten malträtiert wurde. Der damals 44 Jahre alte Familienvater erlitt irreparable Hirnschäden. Die deutschen Täter wurden ermittelt und später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der erschütterte DFB-Präsident Egidius Braun wollte die deutsche Mannschaft aus dem Wettbewerb zurückziehen. Stunden später entschied er sich anders, weil man sich der Gewalt nicht beugen wolle. Das Team von Berti Vogts blieb im Rennen - und war dennoch chancenlos. "Wir müssen uns daran gewöhnen, nicht die Erfinder des Fußballs zu sein", erkannte der Bundestrainer.

Der Einzug in die Runde der letzten Acht musste nach einer mäßigen Vorrunde schon als großer Erfolg gewertet werden. Im Achtelfinale gegen Mexiko (2:1) konnten Oliver Bierhoff und Kapitän Jürgen Klinsmann das drohende Aus noch verhindern. Doch gegen Kroatien war es vorbei mit dem Glück.

Das Verhängnis nahm mit dem Platzverweis von Christian Wörns (40.) seinen Anfang. Er erwischte Davor Suker, der zum Türschützenkönig der WM wurde, und sah Rot. Jarni, Vlaovic und Suker schossen Deutschland mit 3:0 ab. Vogts schimpfte vor allem auf den norwegischen Referee Pedersen. Alle Welt wunderte sich über den "schlechten Verlierer", der trotz des guten Zuredens von Braun zwei Monate später abtrat. Deutschland-Schreck Kroatien brachte im Halbfinale auch die Equipe Tricolore ins Schwitzen.

Noch schlimmer musste Brasilien um den finalen Einsatz zittern. Die Niederlande, die als das kompletteste Team dieser WM galten, waren im Elfmeterschiessen die Dummen. Das Finale hielt, was es versprach. Brasiliens angeschlagener Superstar Ronaldo nicht. Ausgerechnet im Endspiel war er nicht der große Star. Dagegen erstrahlte der Stern von Zinedine Zidane. Bis dahin im Turnierverlauf ohne Torerfolg, traf der Sohn algerischer Einwanderer, als es darauf ankam. In der 27. Minute bebte das mit 80 000 Zuschauern gefüllte Stade de France zu St. Denis in Paris, als der Mann mit der Nummer 10 zum ersten Mal traf; mit dem Pausenpfiff schaffte Zidane die Vorentscheidung. Emmanuel Petit besorgte den Rest. Die "Tour de France" war mit 3:0 gewonnen, und die Gastgeber küssten die Glatze ihres Keepers Fabien Barthez - so wie sie es nach jedem Sieg getan hatten.

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