Deutsche GM-Tochter macht Ernst mit der Neuordnung des Vertriebsnetzes
Opel kündigt jedem vierten Vertragshändler

Die Adam Opel AG trennt die Spreu vom Weizen unter ihren Vertragshändlern. Die Rüsselsheimer Zentrale schickt in den kommenden Wochen Kündigungsbriefe ab. Opel will sich von 250 Partnern trennen.

zel DÜSSELDORF. Auf die deutschen Opel-Händler rollt eine Kündigungswelle zu. Nach Angaben von Vertriebsvorstand Andrej Barcák wird die Tochter des US-Autokonzerns General Motors (GM) in den nächsten Wochen die meisten Kündigungen an die Opel-Vertretungen verschicken, die aus dem Vertriebssystem des Rüsselsheimer Automobilherstellers ausscheiden sollen. Die Adam Opel AG will sich von etwa 250 Händlern in Deutschland trennen.

Große Kündigungswelle beginnt

Wie Barcák dem Handelsblatt außerdem sagte, sei bislang nur einem Viertel der betroffenen Händler gekündigt worden. Jetzt beginne die große Kündigungswelle. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Opel-Händler in Frankfurt am Main gibt es im Moment in der Bundesrepublik noch etwa 980 Vertragsbetriebe.



Opel gerät bei der Neuordnung seiner Vertriebsorganisation langsam unter Zeitdruck. Ende 2002 soll das neue Händlernetz stehen, das eine deutliche Reduzierung der Zahl der Vertriebspartner vorsieht. Da im Automobilhandel eine Kündigungsfrist von zwei Jahren gilt, muss sich Opel spätestens zum Jahresende von den Vertragsbetrieben trennen, die dann Ende 2002 endgültig aus dem Vertriebssystem der GM-Tochter ausscheiden werden.

Neue Aufteilung der Verkaufsgebiete

Der Rüsselsheimer Automobilhersteller will das Bundesgebiet künftig in 500 so genannte "Marktverantwortungsgebiete" unterteilen. In diesen Regionen wird es künftig in aller Regel einen zentralen Opel-Händler geben. Wo jetzt noch mehrere Vertragsbetriebe agieren, wird es wahrscheinlich zu Zusammenschlüssen unter den Firmen kommen. Vertriebsvorstand Barcák setzt auf die Kooperationsbereitschaft unter den betroffenen Betrieben. "Wir wollen mit den Händlern zusammenarbeiten", sagt er. Außerdem seien die geplanten Änderungen der Vertriebsorganisation schon länger bekannt.



Zusätzlich werden 250 regional starke Vertragshändler im Opel-Vertriebsnetz überleben. Die Rüsselsheimer Zentrale sieht bei diesen Handelsbetrieben (im Unternehmensjargon: "Lokalmatadore") eine ausreichende wirtschaftliche Stärke, um auch in Zukunft bestehen zu können.

Keine großen Änderungen für den Kunden

Die Kunden sollen die Veränderungen kaum spüren. Händler, die im Opel-Netz bleiben dürfen, werden wahrscheinlich zusätzliche Filialen eröffnen und so die ausscheidenden Betriebe ersetzen. Die Neuordnung des Händlernetzes dient vor allem dazu, größere und ertragsstärkere Unternehmen zu bekommen.



Opel bekräftigte das Ziel, am Prinzip der selbstständigen Vertragshändler festzuhalten. Nach Angaben Barcáks soll es bei der Adam Opel AG keine eigenen Verkaufsniederlassungen geben, wie sie vor allem bei Mercedes und BMW üblich sind. "Wir haben keine konkreten Pläne für eigene Niederlassungen", betont der Vertriebsvorstand.



Ähnliche Erwartungen äußert auch der Verband der Opel-Händler. "Wir gehen davon aus, dass es dazu nicht kommen wird", sagt Geschäftsführer Uwe Heymann. Die aktuellen Schwierigkeiten von Opel auf dem deutschen Markt gehen an den Händlern nicht spurlos vorüber. Nach Angaben Heymanns führen sie bei "einzelnen Händlern zu Problemen". Die Betriebe seien insgesamt auf einen höheren Marktanteil ausgelegt. Von einer Pleitewelle könne dennoch nicht gesprochen werden.



Opel hat in diesem Jahr in Deutschland bislang etwa 20 % weniger Autos als 1999 abgesetzt. Zum Jahresende wird die Zahl der Pkw-Neuzulassungen wahrscheinlich um 100 000 zurückgegangen sein.

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