Deutsche Helfer wollen nach Afghanistan zurückkehren
Shelter-Now-Leute erlebten Zustände "wie im Mittelalter"

Die Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now haben während ihrer Gefangenschaft in Afghanistan nach den Worten des deutschen Projektleiters Georg Taubmann Zustände "wie im Mittelalter" erlebt. In ihrem Gefängnis hätten Diebe auf Amputationen gewartet, andere Gefangene hätten Geschwüre von den Eisenketten an ihren Füßen gehabt, sagte Taubmann in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Gespräch mit dem Hamburger Magazin "Stern".

afp HAMBURG. Die Taliban hätten die deutsche Gefangene Margrit Stebner kurz nach ihrer Verhaftung vor gut drei Monaten mit einer Scheinhinrichtung in Angst und Schrecken versetzt: Die 43-Jährige habe sich in einem Kabuler Gefängnis auf einen Stuhl setzen müssen; dann hätten die Taliban auf sie geschossen und nur knapp an ihrem Kopf vorbei gezielt.

Besonders gegenüber den Frauen benahmen sich die Taliban nach der Schilderung Taubmanns ansonsten aber ausgesprochen korrekt. Einige Wächter hätten die weiblichen Gefangenen sogar Schwestern genannt und sich damit verpflichtet, sie zu schützen wie Familienmitglieder. Taubmann vermutete im "Stern", dass die Gefangennahme nur ein Vorwand für die Plünderung der Shelter-Now-Besitztümer war. Bereits einen Tag nach der Verhaftung seien alle Fahrzeuge, Funkgeräte, Werkzeuge, Computer sowie der Safe mit mehreren 100.000 Dollar geraubt worden. Auch die Privathäuser der Helfer seien leer geräumt worden.

Trotz der negativen Erlebnisse kündigte Taubmann an, mit seiner Familie nach Afghanistan zurückzukehren. Auch die Frauen wollen laut "Stern" zurückkehren. Die Deutsche Kati Jelinek träume von einer Schule für ihre Straßenkinder. "Stellen sie sich vor, was jetzt alles möglich ist. Es wäre dumm, nicht zurückzugehen," sagte Jelinek dem Magazin. Die Shelter-Now-Mitarbeiter waren in der vergangenen Woche befreit worden. Den vier Deutschen, zwei US-Bürgerinnen und zwei Australiern hatten unter den Taliban wegen des Vorwurfs christlicher Missionierung langjährige Haftstrafen oder sogar die Todesstrafe gedroht.

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