Deutsche Hersteller abgehängt.
Filtersysteme säubern Diesel-Abgase

Die Nachfrage nach Diesel-Autos ist stark gestiegen - die Hersteller kommen mit der Produktion kaum noch hinterher. Doch der sparsame Antrieb hat seine Probleme: Rußpartikel aus dem Auspuff verdrecken die Luft. Nach Peugeot hat auch Toyota ein Filtersystem gegen den Diesel-Dreck vorgestellt - und die deutschen Hersteller überholt.

 

Neue Filter sollen den Schadstoffausstoß bei Diesel-Autos von Toyota verringern. In Deutschland sind bereits die ersten Testautos mit dem System namens "DPNR" unterwegs - im nächsten Jahr steht die Markteinführung auf dem Programm. "In kleineren Stückzahlen soll das Filtersystem dann im Spätherbst zur Verfügung stehen", sagt Peter Wandt, Sprecher von Toyota Deutschland. Das Buchstaben-Ungetüm "DPNR" steht für "Diesel-Particulate-NOx-Reduction" - übersetzt bedeutet die Toyota-Wortschöpfung, dass weniger Diesel-Rußpartikel und Stickoxide in die Umwelt gelangen.

Die Neuentwicklung von Japans größtem Automobilhersteller ist die asiatische Antwort auf den unaufhaltsamen Trend zum Diesel-Pkw. In Europa legt die sparsame Antriebsvariante von Jahr zu Jahr zu. Bei manchem Autohersteller macht der Diesel-Antrieb inzwischen schon die Hälfte der Neuwagen-Verkäufe aus.

Doch der preiswerte und verbrauchsgünstige Antrieb hat seine Schattenseiten. Diesel-Motoren spucken eine Menge Dreck aus - vor allem normalen Ruß, der als Krebserreger in Verdacht steht. Stickoxide - sie lösen bei höheren Temperaturen den gesundheitsschädigenden Sommersmog aus - sind der zweite Giftstoff aus den Auspuffrohren der Dieselautos. Kontroll- und Umweltbehörden verlangen deshalb bessere Schutzmaßnahmen. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, etwa fordert die flächendeckende Einführung von Filtersystemen.

Toyota hat den Troge-Appell vorausgeahnt und investiert kräftig in die Abgasreinigung. Die Neuentwicklung aus Japan holt nicht nur Rußpartikel aus den Auspuffgasen heraus, sondern hält zusätzlich einen Großteil der Stickoxide zurück. Problematisch ist der hohe Preis des "DPNR"-Systems: Bei der Ende nächsten Jahres geplanten Markteinführung könnten Kosten von 1 000 Euro auf den Kunden zukommen.

Doch auch für einen Rußpartikel-Filter gilt dieselbe Formel wie bei der flächendeckenden Einführung des Dreiwege-Katalysators vor gut zehn Jahren: Wenn die Stückzahlen steigen, geht der Preis kräftig in den Keller - deshalb spricht heute auch niemand mehr über die Kosten für den Dreiwege-Kat. Unter den Automobilherstellern setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass es beim Diesel ohne Rußpartikelfilter in Zukunft kaum noch gehen wird. Der französische Peugeot-Konzern ist das erste Unternehmen, das einen Filter serienmäßig anbietet - allerdings nur gegen den Ruß und nicht gegen die Stickoxide. Außerdem müssen Diesel-Kunden von Peugeot noch ein zusätzliches Additiv in den Kraftstoff dazugeben, das für die chemisch-physikalischen Prozesse im Filter benötigt wird. Toyota kommt ohne einen solchen Zusatz aus. Beim Peugeot-Konzern wird nach Kräften an der flächendeckenden Ausbreitung der Filtersysteme gearbeitet. Im vergangenen Jahr wurden bereits 140 000 Diesel-Autos mit einem solchen Filter ausgeliefert, im Jahr 2005 sollen es nach Angaben von Peugeot-Sprecher Gordian Heindrichs bereits eine Million sein.

"Fehlanzeige" heißt es dagegen bei den deutschen Herstellern in Sachen Diesel-Filter. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) will sich zu dem Thema überhaupt nicht äußern. Hintergrund: Niemand möchte dort zugeben, dass die ansonsten bei technischen Neuerungen führenden deutschen Hersteller einen Trend verschlafen haben. "Die Marktführerschaft wird auch noch länger bei den Franzosen von Peugeot bleiben", sagt Philipp Rosengarten vom britisch-amerikanischen Marktforschungsinstitut DRI-Wefa. Auch die beim Diesel starken Anbieter VW und Audi seien von Peugeot überholt worden.

Hinter den Kulissen tut sich jedoch inzwischen auch bei den deutschen Herstellern etwas. Sie kommen am Partikelfilter nicht mehr vorbei. Bei Daimler-Chrysler wird erstmals inoffiziell bestätigt, dass der erste serienmäßig mit Filter bestückte Diesel-Pkw Ende nächsten Jahres vorgestellt werden könnte.

Von STEFAN MENZEL, Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%