Deutsche Hilfe zugesagt
In Hochwasserkatastrophe starben bisher 31 Menschen

dpa CREMONA/ROM/LOCARNO/BERLIN. Nach den katastrophalen Überschwemmungen im Alpenraum bedrohen nun die reißenden Fluten des Po die Menschen in Norditalien. In den Regionen Lombardei und Emilia Romagna wurde der Notstand ausgerufen. In den Katastrophengebieten Italiens und der Schweiz erhöhte sich die Zahl der Todesopfer auf mindestens 31. In Rom betete Papst Johannes Paul II. bei der Generalaudienz für die Opfer der Katastrophe. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte Hilfe durch das Technische Hilfswerk (THW) zu.

Der Po ist nahe der Stadt Cremona bereits über die Ufer getreten und droht, den Großraum Mantua zu überschwemmen, wie das italienische Fernsehen berichtete. Am Nachmittag wurde deshalb in Mantua mit Hochwasser gerechnet. Mehrere Dämme wurden geöffnet, um die Wassermassen in unbewohnte Gebiete abfließen zu lassen, wie der Zivilschutz meldete.

23 Tote in Italien, acht in der Schweiz

Gleichzeitig wurden in den Überschwemmungsgebieten drei weitere Todesopfer unter den Trümmern geborgen. Ein Mensch wurde bei Aufräumarbeiten von einer Schlammlawine in den Tod gerissen. Damit erhöhte sich die Zahl der Opfer in Italien auf 23 Menschen; in der Schweiz wurden bisher insgesamt acht Leichen registriert. In beiden Ländern gelten zusammen 17 Menschen als vermisst. Allein in Italien mussten 42 000 Menschen ihre Häuser verlassen und in Sicherheit gebracht werden.

Experten bezifferten den Schaden in Italien in einer vorläufigen Bilanz auf umgerechnet mindestens eine Milliarde DM. Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi wollte am Donnerstag in die Krisenregion reisen.

Bundesregierung schickt THW-Experten

In Berlin kündigte Innenminister Schily (SPD) Hilfe an: "Wir werden alles nur Denkbare tun, um unsere italienischen Freunde in dieser schwierigen Lage schnell und tatkräftig zu unterstützen." Nach Angaben des Ministeriums sind bereits zwei THW-Experten zur Vorerkundung nach Norditalien gereist. Sie sollen den Einsatz von voraussichtlich 36 Helfern aus Bayern vorbereiten. Das THW will in dem Katastrophengebiet Hochleistungspumpen und schweres Räumgerät einsetzen.

Keine Hoffnung auf Übelebende nach Erdrutsch

Im Schweizer Bergdorf Gondo, das am Samstag von einem verheerenden Erdrutsch verschüttet worden war, sind die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden, praktisch auf Null gesunken. Am Mittwoch setzten Helfer bei den Aufräumarbeiten erstmals große Maschinen ein. Bis dahin war aus Sorge, Überlebende verletzen zu können, fast nur mit bloßen Händen gesucht worden. Unter den Trümmern der acht Häuser, die von der 50 Meter breiten Schlammlawine mitgerissen worden waren, werden noch sieben Opfer vermutet. Sechs wurden bislang tot geborgen, das letzte im Laufe des Mittwochs. Die Einwohner von Gondo durften an diesem Mittwoch kurz in ihre Häuser zurückkehren. Bis der Schutt- und Geröllberg weggeräumt ist, werden aber noch Wochen vergehen.

Im Tessin gab es nach einer Woche Dauerregen, der weite Landstriche um den Lago Maggiore unter Wasser gesetzt hat, am Mittwoch einen Lichtblick. Die Sonne schien, und der Pegelstand des Sees sank. Noch immer müssen allerdings einige Anwohner ufernaher Bezirke von Locarno, die in ihren höher gelegenen Wohnungen ausgeharrt haben, per Boot mit dem Nötigsten versorgt werden. Das Wasser floss nur langsam ab. Mehrere Uferstraßen blieben noch gesperrt. Sechs Schulen bleiben für den Rest der Woche geschlossen.

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