Deutsche Industrie verzeichnet im September Einbruch bei Auftragseingängen
Ökonomen rechnen fest mit Zinssenkung

Nach neuen schlechten Konjunkturdaten gehen Märkte, Bankvolkswirte und Analysten fast einheitlich davon aus, das der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seiner heutigen Sitzung den Euro-Leitzins senkt. Durch die Abschwächung des Wirtschaftswachstums habe sich der Zinssenkungsspielraum der Notenbank erhöht.

mak/som FRANKFURT/M. In diesem Jahr haben die europäischen Währungshüter die Zinsen in drei Schritten um insgesamt 100 Basispunkte auf derzeit 3,75 % zurückgenommen. "Die EZB wird um 25 Basispunkte senken", erklärte Ulrich Hombrecher, Chefökonom der WestLB, dem Handelsblatt. "Inzwischen kann man auch 50 Basispunkte nicht ausschließen." In jedem Fall rechnet Hombrecher bis zum Jahresende mit einem Zinsniveau von 3,25 %. Klaus Friedrich, Chefvolkswirt der Dresdner Bank, sieht in einer Zinssenkung "ein Gebot der Vernunft". Nach Auffassung von Ulrich Ramm, Chefökonom der Commerzbank, wird auch die Bank of England ihre Zinsen heute um 25 Basispunkte reduzieren.

Die beiden europäischen Notenbanken würden damit der US-Notenbank Fed folgen, die den Zielsatz für Tagesgeld am Dienstagabend um 0,5 Prozentpunkte auf 2,0 % zurückgenommen hat. Es war die zehnte Zinssenkung in diesem Jahr. Genährt wurden die Zinserwartungen nach düsteren Prognosen des Internationalen Währungsfonds für die deutsche Wirtschaft. Der IWF schätzt die Aussichten noch schlechter ein als die Bundesregierung. Er geht jetzt nur noch von einem Wachstum von etwas mehr als 1 % für 2002 aus. Bundesfinanzminister Hans Eichel rechnete zuletzt mit 1,25 %. Für 2001 erwartet der IWF ein Wachstum für die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone von 0,75 %. Mit einer Erholung rechnet er erst gegen Mitte nächsten Jahres. Dagegen erklärte Eichel, dass noch in diesem Winter die Talsohle durchschritten werde.

Unerwartet schlecht fielen auch die Auftragseingänge der deutschen Industrie aus. Gegenüber August sanken sie im September um 4,1 %. Volkswirte hatten nur mit einem Minus von 2,2 % gerechnet.

Aussichten auf eine Senkung der Euro-Leitzinsen hatte EZB-Chef Wim Duisenberg Anfang der Woche genährt: Die Inflationsrate werde Anfang 2002 deutlich unter 2 % fallen. Der EZB-Rat werde dies stark berücksichtigen.

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