Deutsche Insitute stellen eigene Ertragsziele in Frage – Analysten erwarten schlechtes zweites Halbjahr
Spardruck auf die Banken nimmt zu

Deutschlands Großbanken treiben weiter in unruhigem Fahrwasser. Das erste Halbjahr war schlecht - und für den Rest des Jahres sieht es kaum besser aus. Weitere Sparpakete scheinen unvermeidbar.

HB FRANKFURT/M. Wenn es ums Sparen geht, wagen sich Deutschlands Großbanken neuerdings selbst an alte Privilegien. Die Dresdner Bank etwa streicht ihren Ex-Vorständen den Dienstwagen inklusive Fahrer, bei der Hypo-Vereinsbank müssen Handy-Rechnungen ab 50 ? vom Vorgesetzten abgezeichnet werden.

Grund für tief greifende Sparmaßnahmen haben die Banken allemal; denn das laufende Jahr entpuppt sich als eines der schlechtesten in der Branchen-Geschichte. Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz musste vergangene Woche einräumen, dass die Bank ihre Ertragsprognose für dieses Jahr verfehlen wird. Nach einem Verlust von über einer Milliarde Euro im zweiten Quartal kam dieses Eingeständnis indes wenig überraschend. So schlecht geht es den übrigen Banken zwar bei weitem nicht. Aber auch die Hypo-Vereinsbank (HVB), die im zweiten Quartal operativ erstmals in die roten Zahlen rutschte, und die Commerzbank setzten bei der Vorlage ihrer Halbjahreszahlen ein dickes Fragezeichen hinter ihre ursprünglichen Ertragsprognosen - damit ist bei drei der vier Großbanken zu befürchten, dass sie ihre Gewinnziele für 2002 verfehlen werden.

Auch Analysten erwarten nichts Gutes. "Das zweite Halbjahr wird vermutlich noch schlechter als das erste", warnt Guido Hoymann, Analyst beim Bankhaus Metzler. Wegen der Konjunktur- und Börsenflaute sei bei den Einnahmen keine Besserung in Sicht. Zudem müsste die Risikovorsorge wohl noch weiter aufgestockt werden, da die Pleitewelle ihren Höchststand normalerweise erst sechs bis neun Monate nach dem konjunkturellen Tiefpunkt erreiche.

Schon im ersten Halbjahr verhagelten die Insolvenzen der Branche die Bilanzen. Neben vielen kleineren Pleiten hinterließ vor allem das geballte Auftreten von großen Insolvenzen tiefe Spuren - darunter Kirch, Fairchild Dornier oder Babcock. Insbesondere die Dresdner und die HVB, die das größte Kreditportfolio aller deutschen Banken besitzen, mussten die Risikovorsorge massiv aufstocken. Zugleich geraten die Erträge von allen Seiten unter Druck. Die Börsenflaute drückte den Provisionsüberschuss, da vor allem die Kleinanleger sich in Abstinenz übten. Bei der Dresdner und der Commerzbank brach darüber hinaus das Handelsergebnis drastisch ein. Und im klassischen Kreditgeschäft verdient die Branche wegen der Konkurrenz von Sparkassen und Genossenschaftsbanken ohnehin nicht allzu viel.

Wegfall von mehr als 35 000 Jobs


Angesichts der Ertragsflaute bleibt den Instituten keine andere Wahl, als ihren ohnehin schon rigiden Sparkurs noch einmal zu verschärfen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verkündete Ende Juni den Abbau von weiteren 3 800 Arbeitsplätzen, die Dresdner Bank avisierte kürzlich den Wegfall von noch einmal 3 000 Jobs. Insgesamt wollen die Banken mehr als 35 000 Stellen streichen. Wie groß der Leidensdruck der Branche ist, zeigt auch die Tatsache, dass verschiedene Banken über eine gemeinsame Lösung für die Abwicklung von Wertpapiergeschäften und Zahlungsverkehr verhandeln.

Doch all dies könnte noch zu wenig sein. Zwar zeigen die Sparprogramme durchaus Wirkung: Bei allen Großbanken liegen die Kosten deutlich niedriger als im Vorjahr. Nur fallen die Erträge oftmals eben noch schneller. HVB-Chef Albrecht Schmidt hat bereits Konsequenzen angedeutet: In einem internen Schreiben stellt er alle Verlustbringer auf den Prüfstand. Einen weiteren Personalabbau schließt er nicht aus.

Analysten vermuten ohnehin, dass spätestens im nächsten Jahr noch einmal der Rotstift kreisen wird. "Wenn sich das Umfeld nicht verbessert, werden die Banken weiter sparen und Personal abbauen", sagt Konrad Becker von Merck Finck & Co. Nur die Deutsche hat weitere Stellenkürzungen in Deutschland ausgeschlossen, wenn auch nur bis Ende nächsten Jahres.

Allerdings steht der Branchenprimus vergleichsweise gut da. Als einziges wirklich international aufgestelltes Kreditinstitut kann die Deutsche Bank die Konjunkturflaute hier zu Lande im Ausland besser abfedern als die Kokurrenten. Zudem macht Ackermann beim konzerninternen Umbau mächtig Druck. Der Verkauf der Wertpapierverwahrung (Custody-Geschäft) steht offenbar kurz bevor, die IT-Sparte soll ebenfalls bald ausgelagert werden. Dagegen tut sich die Konkurrenz mit dem Verkauf von Töchtern gelegentlich schwer. Die Commerzbank will entgegen früherer Pläne an der Fondsgesellschaft Jupiter festhalten, weil sich zum gewünschten Preis kein Käufer fand.

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