Deutsche können in Polen schnell Karriere machen
Gute Kaufleute sind gefragt

In Polen haben Business Center gute Wachstums-Chancen. Das hat Joachim Bieler rasch erkannt. Drei Jahre lang arbeitete der Manager aus Deutschland für Praktiker-Baumärkte in Polen. Anfang dieses Jahres hat sich der 50-Jährige in Warschau mit dem Excellent Business Center selbstständig gemacht. Bieler vermietet 50 komplett eingerichtete Büros - für Tage, Wochen oder Monate. Er beschäftigt drei Angestellte und will in Polen bleiben.

WARSCHAU. Rainer J. Pauly und Dirk Hecht haben sich ebenfalls fürs Bleiben entschieden. Hecht kam vor zehn Jahren nach Polen, war Vorstand für Marketing und Vertrieb in der Okocim-Brauerei. Inzwischen hat er sich als Marketing Consultant in Warschau niedergelassen, wo seine polnische Frau eine erfolgreiche Medienkarriere macht. Rainer J. Pauly war zunächst für eine deutsche Bank in Warschau tätig. Dann heuerte er dort als Geschäftsführer bei der Personalberatung PSP International an.

"Nach ihrer Entsendungszeit bleiben viele Deutsche gerne in Polen", hat Pauly festgestellt. Dafür gibt es nach Ansicht des Personalberaters vor allem drei Gründe: Die Deutschen fühlen sich wohl in ihrem östlichen Nachbarland, sie haben eine polnische Lebenspartnerin gefunden und die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Deutschland wirken auf sie abschreckend. "Außerdem", sagt Pauly, "können Deutsche in Polen schneller Karriere machen. Hier sind die Positionen nicht blockiert." Denn Polens Wirtschaft entwickelt sich dynamisch.

In Polen haben 227 deutsche Firmen jeweils mehr als eine Millionen Dollar investiert - insgesamt acht Milliarden Dollar. "Darüber hinaus gibt es mehrere Hundert deutsch-polnische Kooperationen mit Investitionen von jeweils weniger als einer Million Dollar. Auf der Liste der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer befinden sich insgesamt etwa 2 000 Firmen mit deutschem Kapital", sagt Gabriela S. Jaworek, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer in Warschau. Gerade im Mittelstand bestehen nach Meinung von Experten noch gute Möglichkeiten für Kooperationen und Karrieren: "Die Deutschen haben Know-how und Kapital", sagt Joachim Bieler. "Die Polen sind gut ausgebildet, kommen aber kaum an Kredite".

Während große Unternehmen in Polen immer weniger deutsche Mitarbeiter beschäftigen, sehen Insider bei Joint-ventures - vor allem im deutsch-polnischen Grenzgebiet - jede Menge Chancen. "Im kaufmännischen Bereich sind in Polen gute Leute noch knapp", bestätigt Gabriela Jaworek. Außerdem lassen sich polnische Führungskräfte der zweiten Ebene, wie etwa Ingenieure oder Produktionsleiter, eher selten zum Umzug innerhalb des eigenen Landes bewegen. Sie wohnen meist in ihren Eigentumswohnungen und sind deshalb ortsgebunden. "Niemand vermietet in Polen gerne seine eigenen vier Wände , denn Vermieter haben hier weniger Rechte als in Deutschland", erklärt Rainer J. Pauly.

Investoren in Polen erwarten von deutschen Bewerbern, dass sie Polnisch in Wort und Schrift beherrschen und zusätzlich Erfahrung im polnischen Markt haben. "Ein deutscher Mitarbeiter", sagt Pauly, "muss als Brücke zwischen beiden Kulturen wirken können." Polnischkenntnisse sind ebenso unerlässlich für deutsche Freiberufler, wie zum Beispiel Rechtsanwälte, die sich bereits in Polen niedergelassen haben.

Aufnahmebereit ist der polnische Markt besonders für Selbstständige, die als Dienstleister tätig werden. "Mit der steigenden Kaufkraft der Polen wächst die Nachfrage nach Dienstleistungen, wie zum Beispiel nach Versicherungsmaklern, touristischen Leistungen und im Freizeitbereich nach Fitness-Centern", sagt Gabriela Jaworek. Gute Chancen haben auch Fachleute, die Unternehmen über Förderprogramme der Europäischen Union beraten können.

Wer als Ausländer in Polen tätig werden will, benötigt eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Zentraler Punkt: Die polnische Firma muss nachweisen, dass der Job von keinem Polen verrichtet werden kann. Solche Vorschriften werden mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union und nach Abschluss der deutsch-polnischen Verhandlungen zur Freizügigkeit nach und nach entfallen - und damit auch einige Behördengänge, die in Polen mit viel Warterei verbunden sind. Für Investoren gelten bereits seit dem 1. Mai 2000 in Polen die gleichen Gesetze wie sonst in der EU. Die meisten Gesetze hat Polen an den EU-Standard angepasst, wenn auch die Umsetzung noch nicht abgeschlossen ist.

Arbeiten in Polen: Lohnt sich das finanziell? "Eine Entsendung bedeutet längst nicht mehr automatisch mehr Geld", sagt Joachim Bieler. "Man profitiert eher von der gestellten Wohnung und den niedrigeren Lebenshaltungskosten."

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