Deutsche Konjunkturdaten haben kaum Gewicht
Koalitionskrise belastet den Euro

Die Koalitionskrise in Deutschland und der wachsende Optimismus in den USA nach den Erfolgen der Nordallianz in Afghanistan haben den Euro Analysten zufolge am Mittwoch weiter unter Druck gehalten.

Reuters FRANKFURT. Den Euro belaste die Unsicherheit über den Ausgang der Vertrauensfrage, die Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Freitag in Zusammenhang mit der Abstimmung über einen Einsatz der Bundeswehr im Afghanistan-Konflikt stellen wird, sagte ein Händler. Zudem profitierten Analysten zufolge die US-Aktien und in deren Gefolge auch der Dollar vom Vormarsch der von den USA unterstützten Nordallianz. Die schwachen deutschen Konjunkturdaten traten Händlern zufolge hinter die politischen Ereignisse zurück.

Der Euro notierte gegen 11.45 Uhr MEZ nahe seinem Drei-Monatstief bei 0,8791/93 $ nach einem Schlusskurs von 0,8807/12 $ am Dienstag in New York. Zur japanischen Währung stieg der Dollar auf 121,93/96 (121,60/70) Yen. Zum Schweizer Franken (sfr) erreichte die US-Valuta zeitweise einen Zwei-Monatshöchststand bei 1,6738/48 sfr zu nach Kursen um 1,6686/96 sfr im späten New Yorker Handel.

Der Ausgang der Vertrauensabstimmung im Bundestag wird Händlern zufolge zumindest kurzfristig den Euro stark beeinflussen. Sollte die Regierungskoalition dem Einsatz von Bundeswehrtruppen im Afghanistan-Krieg nicht zustimmen und damit der Regierung das Vertrauen entziehen, könnte der Euro kräftig fallen, sagte ein Händler. Falls es daraufhin zu vorgezogenen Neuwahlen kommen sollte, seien aber durchaus Kursgewinne der Gemeinschaftswährung möglich. "Es gibt einige im Markt, die mit der momentanen Wirtschaftspolitik nicht zufrieden sind und denken, die Regierung müsste mehr tun", sagte der Händler.

Weiterer Schub für den Dollar erwartet

Der Dollar profitierte zum Euro und zu anderen Währungen Analysten zufolge stark von den Erfolgen der oppositionellen Nordallianz in Afghanistan. Die überraschend schnellen Erfolge nährten die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Konflikts für die USA und stärkten so das Vertrauen der US-Verbraucher, sagte eine Analystin. "Sie werden als Schub für das Vertrauen gesehen. Positive Nachrichten in den USA sollten die Verbraucher unterstützen. All das zusammen liefert dem Dollar Unterstützung", sagte Deborah Read von der Bank of America. Die Nordallianz war am Dienstag in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingezogen. Medienberichten zufolge haben die Taliban inzwischen auch die Stadt Dschalalabad an Oppositionsgruppen verloren, die allerdings nicht der Nordallianz angehörten.

Bereits am Mittwochnachmittag könnten besser als erwartete Zahlen zum US-Einzelhandelsabsatz im Oktober den Dollar weiteren Schub verleihen. Analysten rechnen mit einem Plus von 2,7 % im Vergleich zum September, als nach den Anschlägen vom 11. September in den USA die Umsätze um 2,4 % zum Vormonat eingebrochen waren. Einige Analysten wiesen darauf hin, dass der gestiegene Auto-Absatz und die Umsätze der großen Einzelhandelsketten in den USA einen höheren Anstieg wahrscheinlich machten. "Mithin können nach unserer Ansicht Werte deutlich über 3,5 % erreicht werden, die sich positiv sowohl auf die US-Aktienmärkte als auch den Dollar auswirken sollten", schrieben Analysten der Helaba in einem Marktkommentar. Der Abwärtstrend des Euro bleibt den Helaba-Analysten zufolge weiter intakt. Obwohl der Euro den Tagescharts zufolge überkauft sei, fehle das Momentum für eine nachhaltige Korrektur, hieß es in dem Marktkommentar.

Die schwachen deutschen Konjunkturdaten und die trüben Wirtschaftsaussichten für Deutschland blieben Händlern zufolge ohne größere Wirkung auf die Devisenmärkte. Die Umsätze des deutschen Einzelhandels sanken im September im Monatsvergleich um real 1,0 % und im Jahresvergleich um real 2,1 %. In dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresgutachten rechnen die fünf Wirtschaftsweisen in Deutschland nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 % in diesem und von 0,7 % im kommenden Jahr. Die Bundesregierung geht für 2001 von einem Wachstum von 0,75 % und für 2002 von 1,25 % aus.

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