Deutsche Konzerne stehen zu Engagement
Heikle Geschäfte im Ausland

Der Krieg gegen den Terrorismus und die wachsende Zahl instabiler Länder erhöht nach Ansicht von Experten das Risiko von Auslandsinvestitionen. "Als deutscher Investor sollte man sich gut überlegen, ob man in einem Land investiert, das dauerhaft gegen die Sicherheitsinteressen der USA verstößt", sagt Bernd Bühner, Deutschland-Chef der internationalen Risikoberatergruppe Control Risks Group (CRG).

HB FRANKFURT/BERLIN. Denn die Experten gehen fest davon aus, dass die USA den Kampf gegen den Terrorismus auch nach dem Sturz der Taliban über Afghanistan hinaus weiterführen werden. CRG hat die Zahl der Hochrisikoländer für das kommende Jahr um 30 % auf weltweit 60 Länder angehoben. CRG gilt als einer der international führenden Risiko-Berater.

Doch nicht nur mögliche Angriffsziele der Amerikaner haben die Analysten als Risikoländer identifiziert. Auch Russland, Saudi-Arabien und Israel gehören inzwischen für CRG zu den Hochrisiko-Standorten.

Vor allem China könnte profitieren

Zu den sichersten Investitionsländern gehören Schweden, Finnland, Australien, Neuseeland und Luxemburg. Am stärksten profitieren wird nach Einschätzung Bühners jedoch China: "Vorausgesetzt ein Unternehmen arrangiert sich mit der undemokratischen Regierungsform, drohen weder politische Instabilität noch eine Gefährdung der Mitarbeiter." Doch gleichzeitig warnt er trotz enormen Marktpotenzials vor der zu großer Euphorie vieler Investoren: Besonders deutsche Unternehmen hätten in China große Schwierigkeiten, ihre Interessen bei Patentrechtsverletzungen, Produktfälschungen und ungewolltem Technologietransfer geltend zu machen. Auch kritisieren die Risikoberater, dass - im Gegensatz zu amerikanischen oder niederländischen Konzernen - Fragen der politischen Stabilität und Sicherheit bei Auslandsengagements deutscher Unternehmen bisher kaum eine Rolle spielen.

Daran hat sich auch nach den Terrorattacken von New York wenig geändert: "Wir treffen unsere Investitionsentscheidungen nach strategischen Gesichtspunkten und nicht nach der Tagespolitik", sagt ein Sprecher des Automobilkonzerns Daimler-Chrysler. Er unterstreicht damit die Marschrichtung, die Vorstandschef Jürgen Schrempp ausgegeben hat: Er forderte nach den Anschlägen die "schnellstmögliche Normalisierung". So tagte der Daimler-Chrysler-Konzernvorstand, vielleicht auch um mit gutem Beispiel voranzugehen, in der vergangenen Woche in New York.

Auch der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück ist inzwischen wieder bereit, limitierte Terror-Risiken in die Haftung aufzunehmen. Man erwarte aber, "dass die Erstversicherer gegenüber ihren Kunden eine Kündigungsfrist von einer Woche einführen", sagte ein Vorstandsmitglied.

Da aber Investitionen im Ausland oft über lange Zeiträume kalkuliert werden, ist ein schnelles Umsteuern nach Projektbeginn ohnehin kaum möglich. So hat der Ludwigshafener Chemie-Konzern BASF im April diesen Jahres gemeinsam mit dem Ölkonzern Petronas einen 1,8 Mrd. DM teuren Produktionsstandort in Malaysia in Betrieb genommen. Im September folgte die Grundsteinlegung zu einem Chemiewerk nahe der chinesischen Millionenstadt Nanjing, 350 Kilometer westlich von Shanghai: Investitionsvolumen rund 5 Mrd. DM. "Nach dem 11. September wurde die Sicherheit an weltweit 190 BASF-Produktionsstandorten überprüft", sagt ein Sprecher des Chemiekonzerns. Aber langfristig gelte: Die Industrie folge den Kunden.

Die Risiken im Ausland nehmen jedoch auch auf Grund weltweit wachsender Kriminalität zu. "Die Fälle, in denen sich Versicherungen mit Erpressungen und Lösegeldforderung von Unternehmen beschäftigen müssen, sind keine exotischen Einzelfälle mehr", räumt Peter Paul Geppert ein, der beim Versicherungskonzern Gerling für Erpressungsversicherungen zuständig ist. Das höhere Risiko kann die Unternehmen teuer zu stehen kommen, denn bei der Einschätzung des Länderrisikos orientieren sich Versicherungen an den Wertungen von Agenturen wie CRG oder Kroll: "Die Prämien für Erpressungsversicherungen, die Unternehmen für sich und ihre Mitarbeiter abschließen, werden nicht billiger werden", sagt Geppert.

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