Deutsche Kunden fordern Distanz
Arthur Andersen laufen die Partner weg

Bei Arthur Andersen geht es immer mehr ans Eingemachte: Weitere Kunden springen ab, viele der internationalen Partner wollen mit dem US-Prüfungskonzern nichts mehr zu tun haben.

kk/coh/lü NEW YORK/ WASHINGTON/DÜSSELDORF. Der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen LLP laufen Kunden und nunmehr auch die Partner weg. Einen Tag nachdem das US-Justizministerium Anklage auf Behinderung der Justiz erhoben hat, haben sich der Lebensmittelkonzern Sara Lee Corp. und der Generika-Hersteller Baxter von Andersen als Prüfer getrennt. Auch die US-Regierung wird Andersens Dienste nicht mehr für neue Aufträge nutzen.

Zudem steht Andersen weiteres Ungemach ins Haus, denn das internationale Netzwerk des Prüfungskonzerns droht auseinander zu fallen. So verlassen die deutschen Partner den Verbund. Dies wurde auf einer am Samstag einberufenen Partnersitzung in Frankfurt beschlossen. Wie ein Teilnehmer, der nicht genannt werden wollte, dem Handelsblatt sagte, sei die Geschäftsführung von Andersen Deutschland beauftragt worden, die Verbindung zu kappen.

Auch in Spanien und in Chile wollen sich die Andersen-Töchter von dem internationalen Partner-Netz abspalten. Die Schweizer Tochter macht ihre Entscheidung von den Übernahme-Verhandlungen mit dem drittgrößten Wirtschaftsprüfer KPMG LLP abhängig. Sollte sich kein Übernahmepartner finden, ist auch ein Konkurs nicht ausgeschlossen.

Die US-Regierung wirft Andersen vor, kriminell gehandelt zu haben, weil die Gesellschaft Tausende Dokumente über den zusammengebrochenen Energiekonzern Enron zerstört und so die Arbeit der Untersuchungskommission behindert habe. An der Vernichtung seien Büros in Houston, Chicago, Portland/Oregon und London beteiligt gewesen. Der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Chicago drohen eine Geldstrafe von 500 000 $ und 5 Jahre Bewährung. Zudem könnte die US-Börsenaufsicht, SEC, Andersen von Bilanzprüfungen in den USA suspendieren.

Doch die 89 Jahre alte Gesellschaft mit weltweit 85 000 Mitarbeitern gibt sich kämpferisch. Andersen nannte das Vorgehen der Justiz einen "groben Missbrauch der Staatsgewalt" und setzte die Anklage mit einem Todesurteil gleich. Andersen muss sich an diesem Mittwoch zum ersten Mal vor einem Bundesgericht in Houston/Texas, verantworten. Der Andersen-Anwalt Rusty Hardy sagte, sein Mandant werde sich nicht schuldig bekennen und einen Prozess innerhalb von 70 Tagen verlangen. Darin müsste die Regierung beweisen, dass nicht nur einzelne Mitarbeiter, sondern das gesamte Unternehmen an der kriminellen Behinderung der Justiz beteiligt waren.

Auch für Christoph Groß, Sprecher der Geschäftsführung der deutschen Andersen-Tochter ist dies der entscheidende Punkt. "Wir halten die Vernichtung von Dokumenten für verwerflich, sind aber auch schockiert über die Tatsache, dass die Anklage gegen Arthur Andersen insgesamt und nicht gegen einzelne, für die ganze Sache verantwortliche Partner, gerichtet ist."

Andersen-Anwalt Hardy gibt sich zuversichtlich, dass eine Jury nach Zeugenaussagen der Beteiligten das Unternehmen freisprechen

wird.

Es ist das erste Mal, dass eine US-Regierung Klage gegen ein Unternehmen dieser Größenordnung erhebt. Experten fürchten einen Exodus der Partner und der 2 300 Kunden. Schon vor der Anklage hatte Andersen Großkunden wie Delta Air Lines, FedEx und Merck verloren.

Auch die Suche nach einem Käufer wird immer schwieriger. Die Hoffnungen auf einen Übernahmepartner beschränken sich mittlerweile auf KPMG LLP und BDO Seidman LLP, den sechstgrößten Wirtschaftsprüfer weltweit. Deloitte & Touche LLP und Ernst & Young LLP, haben die Gespräche bereits beendet. Anderson-Deutschland-Chef Groß erklärte, dass die Partner hierzulande mit KPMG sowie mit Deloitte & Touche in Verhandlung stehen. Groß: "Wir bemerken zwar bislang keine Beeinträchtigung des Geschäfts. Unsere Kunden machen uns aber klar, dass wir die nötige Distanz zur US-Gesellschaft schaffen müssen."

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