Deutsche Kunden profitieren von der Einheitswährung – Hersteller müssen umdenken
Euro sorgt beim Autokauf für Preisangleichung

Der Euro hilft Verbrauchern künftig beim Autokauf. Weil mit der Einheitswährung ein direkter Preisvergleich über Grenzen hinweg möglich wird, können die Automobilhersteller die bestehenden Preisunterschiede nicht mehr aufrecht erhalten. In Deutschland werden die Preise wahrscheinlich fallen.

10.5.2001 DÜSSELDORF. Schritt für Schritt bekommt Europa einheitliche Autopreise. "Mit dem Euro und mit der Verbreitung des Internet wachsen die europäischen Automobilmärkte zusammen", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen im Bereich Automobilwirtschaft. Auch die Hersteller scheinen sich langsam darauf vorzubereiten, dass die Einheitswährung den Autokauf viel transparenter werden lässt und unterschiedliche Preise in den einzelnen Euro-Ländern nicht mehr zu halten sind. Porsche hat bereits vor zwei Jahren einheitliche Preise ab Werk eingeführt, Volkswagen stellt entsprechende Überlegungen an.

Im Moment dominiert die klare Trennung zwischen den nationalen Automärkten, die Preise zwischen den einzelnen Ländern differieren stark. In ihrem jüngsten europaweiten Preisvergleich kommt die EU-Kommission zu dem Schluss, dass es "weiterhin erhebliche Preisunterschiede bei Neufahrzeugen" gibt. Am niedrigsten sind die Autopreise in Finnland, Spanien und in den Niederlanden.

Nach den Untersuchungen der EU-Kommission müssen die Deutschen beim Autokauf tief in die Tasche greifen. "In Deutschland sind 34 Modelle mehr als 20 Prozent teurer als in anderen Ländern des Euro-Gebietes", schreibt die Kommission in ihrem Bericht. Auf dem deutschen Markt würden die höchsten Preise für fast alle Autos aus dem Volkswagen-Konzern verlangt. Außerdem gäben sich die japanischen Hersteller in Deutschland alles andere als bescheiden.

Hinter den Preisunterschieden steckt System: Die Automobilhersteller haben in Europa tendenziell überall dort die Preise ab Werk - also vor Steuern - gesenkt, wo der Fiskus eine verhältnismäßig hohe Steuerlast zusätzlich verlangt. In Deutschland, wo es keine Luxussteuer auf Autos gibt und wo nur der verhältnismäßig moderate Mehrwertsteuersatz beim Pkw-Kauf anfällt, sind die Autopreise ab Werk höher angesetzt worden.

Von dieser Politik haben die Hersteller profitiert. Indem sie die Preise in Ländern mit hoher Steuerbelastung künstlich niedrig gehalten haben, konnten sie den Absatz in diesen wirtschaftlich meist noch zurückstehenden Staaten ankurbeln. Anders ausgedrückt: Mit dem höheren Werksabgabepreis haben die deutschen Autokäufer den Aufbau des Autovertriebs in Ländern wie Griechenland oder Portugal subventioniert.

Deutsche Autokunden hätten die Politik der Hersteller durchkreuzen können, wenn sie ihre neue Wagen in Niedrigpreisländern gekauft hätten. Doch über Grenzen hinweg werden Autos auch heute noch selten erworben. "Autokäufer bleiben in ihrem Kaufverhalten überwiegend national", betont Automobil-Experte Dudenhöffer.

Für Autos gilt innerhalb der EU das Bestimmungsland-Prinzip. Im Unterschied zu den meisten anderen Gütern und Waren werden Fahrzeuge in dem Land besteuert, in dem der Endverbraucher zu Hause ist. Ein deutscher Autokunde kann wegen dieser Bestimmungen problemlos in die Niederlande fahren und dort preiswert kaufen (siehe Grafik). Als Ausländer muss er beim niederländischen Händler nur den - günstigen - Nettopreis vor Steuern bezahlen. Die Steuern werden in diesem Fall erst im endgültigen Bestimmungsland fällig, also Deutschland. Holländischer Nettopreis plus deutsche Mehrwertsteuer sind oft günstiger als der Endabgabe-Preis beim deutschen Händler.

Hindernisse aus technischer Sicht gibt es nicht mehr. "Der deutsche Autokäufer fährt mit seinem neuen ausländischen Wagen beim TÜV vor und hat nach einer Stunde die Zulassung", schimpft ein Händler aus dem deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet, der unter den günstigen Preisen seiner Luxemburger Kollegen leidet.

Das Leiden deutscher Händler in Grenzgebieten sollte bald vorbei sein: In der Branche reift die Erkenntnis, dass die europäische Einheitswährung den hohen Preisunterschieden ein Ende setzt. "Der Euro wird das Problem zum 1. Januar 2002 ziemlich schnell erledigen", sagt Jürgen Creutzig, Hauptgeschäftsführer des Händlerverbandes ZDK. Der Euro werde einen unmittelbaren Preisvergleich über Grenzen hinweg möglich machen. Autohersteller, die hohe Preise verlangten, liefen Gefahr, in der Öffentlichkeit als Preistreiber dazustehen. Deshalb ist Volkswagen wahrscheinlich nicht das einzige Unternehmen, das über eine neue Preisstrategie nachdenkt.

Die Konsequenzen sind klar: In Staaten wie Deutschland sollten die Autopreise mit dem Euro fallen - und entsprechend die Ertragsseite einiger Hersteller in Mitleidenschaft ziehen. Premiummarken wie Mercedes oder BMW werden mit ihrem besseren Image dem absehbaren Preisrückgang widerstehen können. "Markenstärke wird zu einem wichtigen Faktor in der Vertriebspolitik", sagt Siegfried Frick, Automobilanalyst bei der WestLB, über die Konsequenzen für die Hersteller.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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