Deutsche Kunden warten ab
SAP und Reemtsma bleiben bei Andersen

Die Kunden von Arthur Andersen in Deutschland stehen in Warteposition. SAP-Vorstandschef Henning Kagermann sagte am Rande einer Pressekonferenz auf der Technologiemesse Cebit in Hannover, das Thema stehe auf der Tagungsordnung des Aufsichtsrates.

lü/dpa DÜSSELDORF. "Es wird einen Vorschlag des Vorstandes geben, dass Andersen auch im nächsten Jahr wieder zum Prüfer bestellt werden soll", berichtete Kagermann. Letztendlich müssten darüber jedoch die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 3. Mai entscheiden.

SAP reagierte damit auf einen Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD), wonach damit zu rechnen sei, dass Andersen nach mehr als sieben Jahren den größten Auftrag in Deutschland verlieren werde. Andersen hat seit der Enron-Pleite bereits mehrere US-Prüfmandate verloren. Dazu gehören Fedex, Merck und Delta Airlines. Außerdem drohen Andersen ein Strafverfahren und Schadensersatzforderungen, weil der Verdacht besteht, dass die Buchprüfer Dokumente zur Verschleierung der tatsächlichen Situation vernichtet haben könnten.

Zu den größeren Mandanten der deutschen Andersen-Gruppe gehört auch der Hamburger Zigarettenkonzern Reemtsma. Die Hamburger Tchibo-Holding hatte das Unternehmen vor kurzem an den britischen Tabak-Konzern Imperial Tobacco verkauft. Andersen werde auch weiterhin Reemtsma prüfen, erklärte Sprecher Boris Heitmann. Ob Andersen auch unter dem neuen Eigentümer längerfristig Jahresabschlussprüfer bleiben wird, darüber könne man allerdings keine Aussage machen.

Nach Auffassung von Experten hätte eine Zerschlagung von Andersen keine gravierenden Auswirkungen auf den deutschen Markt für Jahresabschlussprüfungen. Andersen lebt in Deutschland vor allem von den Tochtergesellschaften großer US-Amerikanischer Konzerne, erklärte der Sprecher eines großen Prüfungskonzerns, der nicht genannt werden wollte. Die Auswirkungen auf den internationalen Prüfermarkt halten die Fachleute da schon für prekärer.

International habe Andersen eine sehr ernst zu nehmende Rolle gespielt. Die Konzentration der weltweiten Mandate auf dann nur noch vier Gesellschaften würde den Wettbewerb auf dem Weltmarkt für Prüfungs- und Beratungsleistungen nicht eben fördern, meinte Christian Dyckerhoff, Vorstandssprecher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand Aktiengesellschaft, gegenüber dem Handelsblatt. Die Industrie sei gar nicht daran interessiert, eine noch größere Konzentration der Prüfungsmandate mitmachen zu müssen. Der deutsche Markt für Wirtschaftsprüfung wird schon jetzt von nur sechs großen Firmen dominiert. Arthur Andersen ist in Deutschland die Nummer drei.

Als Folge der auch in Deutschland immer häufigeren Wirtschaftsskandale wollen die Wirtschaftsprüfer schärfere externe Kontrollen in den eigenen Reihen durchführen lassen. So sollen sich Angehörige der wirtschaftsprüfenden Berufe alle drei Jahre einer externen Qualitätskontrolle, dem so genannten Peer Review, unterwerfen. Gegenstand des Peer Reviews ist die Prüfung des internen Qualitätssicherungssystems von Wirtschaftsprüferpraxen durch andere Wirtschaftsprüfer.

Wer sich nicht mindestens alle drei Jahre einer solchen Kontrolle unterzieht, wird von den gesetzlichen Abschlussprüfungen ausgeschlossen. Unter die Lupe genommen wird vor allem die Praxisorganisation sowie die Durchführung von Prüfungsaufträgen. Über das Ergebnis des Peer Reviews wird ein Bericht verfasst, der veröffentlicht wird. Werden vom Prüfer festgestellte Mängel nicht beseitigt, kann die Wirtschaftsprüferkammer Sanktionen vornehmen.

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