Deutsche Niederlage gegen USA
Sinn und Unsinn der WM-Statistik

Die Amerikaner schossen im Viertelfinalspiel öfter (11:6) auf das Tor, waren mehr in Ballbesitz (58 zu 42 Prozent), foulten häufiger (23:14), erhielten dafür 5:2 gelbe Karten und standen öfter im Abseits (4:2). Ein Remis gab es bei Eckbällen (6:6) und Freistößen (1:1).

dpa SEOUL. Allerdings gibt es einen "Schönheitsfehler" in der Statistik: Das DFB-Team erzielte durch Michael Ballack den einzigen Treffer und gewann ungeachtet aller Zahlen.

"Wir hatten eine perfekte WM", resümierte Marius Schneider, Chef der Informationsabteilung des Fußball-Weltverbandes FIFA, schon vor den letzten vier Spielen in Südkorea und Japan. Die FIFA-Statistiker haben mit Hilfe eines italienischen Unternehmens zehntausende Kolonnen von Fakten bei der WM zu Spielen und Spielern geliefert. "Das kann man gar nicht mehr quantifizieren", hat selbst 39-jährige Schweizer die Übersicht verloren. Schließlich haben seine zehn Mitarbeiter Wichtiges und Unwichtiges en masse produziert.

Wer war der kleinste WM-Akteur? Mohammad Al-Shlhoub mit 1,63 m. Welches Team hatte das höchste Durchschnittsalter? Die Belgier mit 28,9 Jahren. Und wie kam Deutschland bei WM-Turnieren mit schottischen Referees zurecht? Sehr gut: Auch unter der Regie der drei Vorgänger von Hugh Dallas, der die Partie gegen die USA leitete, musste "Germany" nie ein Tor hinnehmen.

"Man kann auch alles übertreiben. Tore, Karten und Auswechslungen sind das Grundsätzliche, das interessiert", meinte FIFA - Mediendirektor Keith Cooper kritisch. Dabei verwies er auch auf Merkwürdigkeiten. So kann er nicht verstehen, warum beim WM- Torschützenfest der Deutschen gegen Saudi-Arabien (8:0) die Statistik nachher eine Ballbesitz-Verhältnis von nur 52:48 für die haushohen Sieger auswies. "Ich bin da auch skeptisch. Es gibt vieles, was produziert wird, was sehr kurzlebig ist", meinte auch Schneider. Wer erinnere sich schon an das Eckenverhältnis in einer Partie oder wolle wissen, wie viele Querpässe gespielt worden seien.

Die Basisdaten erhalten die WM-Statistiker aus dem FIFA-Archiv in Zürich. Dort sind sämtliche 600 Endrunden-Begegnungen und noch einmal etwa 3400 WM-Qualifikationsspiele seit 1930 gespeichert. Richtig zum Nutzen kam dieser Fundus erstmals bei der WM 1994 in den USA, in denen Statistiken Kult-Status haben. "Da haben wir in dieser Hinsicht einen Quantensprung gemacht", berichtete Schneider. Seitdem bleibt kaum noch etwas verborgen. Wer hätte schon auf Anhieb gewusst, dass Italien (gegen Südkorea) das erste Mal bei einer WM in der Verlängerung verloren hat?

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