Deutsche Partner wollen mit Ernst & Young fusionieren
Andersen gibt KPMG einen Korb

Die Prüfungsgesellschaft Andersen will in Deutschland mit dem Konkurrenten Ernst & Young fusionieren.

jkn/lü FRANKFURT/DÜSSELDORF. Bislang galt KPMG als Favorit. Zur Begründung hieß es bei Andersen, mit ihrer Entscheidung seien die deutschen Partner der Mehrheit der Andersen-Gesellschaften in anderen Ländern gefolgt, die sich ebenfalls für Ernst & Young entschieden hätten. Ein weiterer Grund könnte jedoch auch der angekratzte Ruf von KPMG sein. Der deutsche Branchenführer steckt nach mehreren Bilanzskandalen in der Klemme.

Andersen selbst kämpft nach der skandalösen Pleite ihres US-Mandanten Enron um die nackte Existenz und sucht daher in den meisten Ländern einen Käufer oder Fusionspartner. Am kommenden Samstag wollten auch die Partner von Ernst & Young über das Zusammengehen mit Andersen in Deutschland endgültig entscheiden, hieß es.

Die deutsche KPMG greift nach den Skandalen um gefälschte Bilanzen beim Telematikanbieter Comroad AG und beim Softwareanbieter Phenomedia nun zu drastischen Maßnahmen. Ihre Ankündigung, sämtliche von ihr erteilten Testate am Neuen Markt unter die Lupe zu nehmen, sorgt dabei für Irritationen. Bilanzexperten und einige der betroffenen Unternehmen äußerten sich verwundert über das Vorgehen. Harald Wiedmann, Vorstandssprecher von KPMG Deutschland, hatte in einem Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt, man wolle nach den Skandalen sämtliche Testate am Neuen Markt überprüfen. Üblicherweise nimmt die Gesellschaft nur etwa jedes zehnte ihrer Testate routinemäßig noch einmal unter die Lupe. KPMG hatte die über Jahre gefälschten Bilanzen des Telematik-Anbieters Comroad geprüft und war deshalb unter Beschuss geraten.

"Das ist ein einmaliger Vorgang", kommentierte Professor Karlheinz Küting die erneute Prüfung der Testate am Neuen Markt. Der Chef des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Uni Saarbrücken wertet das Vorhaben als ein "Zeichen dafür, dass die KPMG ein schlechtes Gewissen hat". Ähnliche Äußerungen gab es auch aus den Reihen der betroffenen Unternehmen. "Prinzipiell ist ein solches Vorgehen schon fragwürdig", sagte eine Sprecherin der Gericom AG. Andere Unternehmen billigten dagegen den Vorstoß. "Wir haben volles Verständnis für das Vorgehen von KPMG", hieß es bei Beta Systems und AC Service. Eine Nachprüfung auf breiter Front wird es am Neuen Markt allerdings nicht geben. Mehrere der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erklärten, dem Schritt des Branchenführers KPMG nicht folgen zu wollen.

Quelle: Handelsblatt

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