Deutsche Post beschleunigt den Konzernumbau
14 000 Post-Stellen sollen wegfallen

Die Post bleibt auf Rekordkurs. Von der Konjunkturflaute lässt sich der Bonner Konzern nicht beeindrucken. Im Gegenteil, die Post profitiert vom Kostendruck bei anderen Unternehmen, die ihre Logistikbereiche ausgliedern. Der Wermutstropfen: Die Entwicklung schlägt sich nicht im Kursverlauf der Aktie Gelb nieder.

agr KÖLN. Die Deutsche Post AG, Bonn, will 2001 trotz der Konjunkturflaute das Rekordergebnis des Vorjahres übertreffen. "Gerade die Logistikbranche ist von dem derzeit schwächeren Wirtschaftswachstum weniger als viele andere Branchen betroffen", erklärte Post-Chef Klaus Zumwinkel anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen des Konzerns. So verstärke beispielsweise der wachsende Kostendruck den Trend zum Outsourcing, zum Ausgliedern ganzer Firmenbereiche. Davon profitiere die Post mit ihrem Angebot an Logistiklösungen. Außerdem habe die Post anderen Unternehmen auf dem Logistiksektor Marktanteile abgenommen.

Dass die Logistikbranche aus der allgemeinen Wachstumsschwäche Vorteile ziehen kann, zeigt auch die Konkurrenz. So hat auch die Stinnes AG, Mülheim, kürzlich ihre Prognosen für das laufende Geschäftsjahr bestätigt. Stinnes-Vorstandschef Wulf H. Bernotat begründete die gute Entwicklung mit der starken internationalen Ausrichtung und der breiten Aufstellung des Logistikkonzerns. Diese machten weniger anfällig für Konjunkturflauten in einzelnen Regionen oder Branchen. Auch Stinnes profitiere von dem Trend zur Ausgliederung von Logistikbereichen.

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet die Post eine betriebliche Umsatzrendite vor Firmenwertabschreibungen (Ebita) am "oberen Rand der Erwartungen" von 7 bis 8 %. Die Rendite werde über der Marge des Vorjahres von 7,3 % liegen, sagte Finanz-Chef Edgar Ernst. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) soll im zweiten Halbjahr mindestens so stark wie im ersten steigen, als die Post ein Ebita von 1,4 Mrd. Euro erzielte. Der Umsatz legte im ersten Halbjahr um knapp 7 % auf 16,8 Mrd. Euro zu.

Ernst räumte allerdings ein, dass der Konzernjahresüberschuss nur das Vorjahresniveau erreichen werde. Er begründete dies mit einem Anstieg der Steuerquote auf Grund des Verbrauchs steuerlicher Verlustvorträge gegenüber dem Vergleichszeitraum. Auch auf mittlere Frist gibt sich die Post optimistisch. So rechnet Zumwinkel auch 2002 mit einer Verbesserung des Ergebnisses und des Cash-Flows.

Leider schlage sich die "Erfolgsstory" der Post nicht im Kursverlauf der Aktie Gelb nieder, meinte Zumwinkel. Aber im Vergleich zum Deutschen Aktienindex (Dax) habe sich der Wert noch gut geschlagen. Konnte die Aktie Gelb nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen zunächst zulegen, gab sie später wieder ab. Mit etwa 17,50 Euro notiert die Aktie Gelb nach wie vor unter dem Ausgabepreis von 21 Euro.

Post will Global Player Nummer Eins werden

"Unser Ziel ist es, die Deutsche Post in der Logistik zum Global Player Nummer Eins auszubauen", sagte Zumwinkel. Dabei werde die Post mit ihrer weltweiten Präsenz und ihrem breitem Angebot ganz neue Kräfte durch Synergie-Effekte in Marketing, Produktion und Vertrieb freisetzen. Als ein entscheidender Wettbewerbsvorteil wird sich nach Auffassung Zumwinkels dabei die Integration der hundertprozentigen Tochter Postbank als vierte Säule des Konzerns erweisen.

Die Fortschritte beim Strukturwandel der Post zu einem Logistikkonzern belegte Zumwinkel mit Umsatz- und Ergebniszahlen. So ist der Anteil der Bereiche Express, Logistik und Finanzdienstleistungen am Umsatz im ersten Halbjahr von 65 % auf 67 % und der am Ebita von 20 auf 27 % gestiegen. Umgekehrt bedeutet dies, dass der monopolgeschützte Briefbereich zwar nur noch 33 % zum Umsatz, aber immer noch 73 % (Vorjahr: 80 %) zum betrieblichen Ergebnis (Ebita) beiträgt.

Der Strukturwandel schlägt auch auf die Kostenrechnung durch. Lag der Personalaufwand 1999 bezogen auf den Umsatz noch bei über 50 %, ist er im ersten Halbjahr auf 33,7 % gesunken. "Viele Tätigkeiten im Logistikgeschäft sind weniger personalintensiv als das klassische Geschäft mit Briefen und Paketen", erläuterte Finanz-Chef Ernst. Die Post werde die Rationalisierung fortsetzen. Über die nächsten drei Jahre werden rund 8 000 Arbeitsplätze im Fuhrpark abgebaut. Weitere 3 000 Stellen entfallen durch die Schließung von Standorten bei der Postbank. Über den Abbau von 3 000 Arbeitsplätzen im Bereich der Briefzustellung verhandele man mit der Postgewerkschaft.

Lediglich als einen Test bezeichnete Zumwinkel den Versuch der Post, in Stuttgart Briefkästen von Taxifahrern leeren zu lassen. Rationalisierungen seien möglich, ohne den Service einzuschränken, meinte Zumwinkel.

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