Deutsche Preisschilder hängen noch an den Waren
Trotz Angst vor Kriminalität boomen in Polen Märkte mit Hehlerware

Mit dem Herbstbeginn und den kürzer werdenden Tagen wächst in den polnischen Städten wieder die Angst.

dpa WARSCHAU. Früher als sonst ziehen sich nicht nur alte Menschen in den Schutz ihrer Wohnungen zurück, deren Türen oft mit drei bis vier Schlössern und einer zusätzlichen Sperrkette verriegelt sind. Nicht nur im Erdgeschoss sind viele Fenster und Balkone von innen mit Gittern verrammelt, um Einbrecher abzuschrecken.

Die Angst vor der steigenden Kriminalität sitzt tief. Mehr als zwei Drittel der Polen haben Angst, einem Verbrechen zum Opfer zu fallen, hat die polnische Polizei in einer Umfrage herausgefunden. In Großstädten von mehr als 500 000 Einwohnern hält nicht einmal jeder Zweite die eigene Nachbarschaft für wirklich sicher. In der Tat haben laut Kriminalstatististik vor allem Eigentumsdelikte im vergangenen Jahrzehnt deutlich zugenommen.

Wurden vor zehn Jahren noch 139 000 Diebstähle gemeldet, so waren es im vergangenen Jahr fast 310 000. Die Zahl der Raubüberfälle stieg von 17 000 auf 53 500. Ein Blick auf die Aufklärungsrate stimmt nicht zuversichtlich: Nur gut ein Fünftel der Diebstähle und Einbrüche und nur die Hälfte der Überfälle wurden im vergangenen Jahr aufgeklärt.

Bei günstigen Schnäppchen hört die Angst auf

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Bei einem günstigen Schnäppchen hört plötzlich die Angst auf, mit Kriminellen und nicht ganz sauberer Ware in Verbindung zu kommen. Die Freiluftmärkte und "Börsen", auf denen beispielsweise in Warschau Computerzubehör, Mobiltelefone, Fotoapparate und Autoradios zu unschlagbar günstigen Preisen angeboten werden, sind jedenfalls regelmäßig überlaufen. Zu jeder Jahreszeit drängen sich Menschenmassen aneinander - Handtasche oder Rucksack aus Furcht vor Taschendieben fest umklammert und nach einer guten Kaufgelegenheit Ausschau haltend.

Nur Ortsfremde reagieren überrascht wie der Dortmunder Christoph Moss bei einem Bummel über den "Jarmark Europa" am östlichen Weichselufer Warschaus, den eine Zeitschrift schon einmal als "Ausstellungsgelände der internationalen Mafia» beschrieben hat. "Das ist ja alles hochkriminell hier - sogar die deutschen Preisschilder hängen noch dran!" erkennt Moss auf dem polnischen Bazar Westware mit Sicherheitsetiketten einer deutschen Kaufhauskette.

"Hier stellt keiner Fragen nach dem Woher"

 

Auf einer Elektrobörse in der Warschauer Innenstadt herrscht ebenfalls an den Wochenenden dichtes Gedränge. "Hier stellt keiner Fragen nach dem Woher", sagt ein Händler. "Die Leute wollen doch schließlich günstig einkaufen, oder?" Diese Erfahrung bestätigt auch Zdzislaw Piekarz, der Vorsitzende der Händlergemeinschaft. "Es gibt Verkäufer, die deutlich nachweisen, dass sie legale Ware verkaufen", sagte er der Zeitschrift "Polityka". Doch viele Kunden wollten es gar nicht so genau wissen. "In der Praxis entscheidet vor allem der Preis."

Und direkt vor dem eigentlichen Verkaufsgelände, in der Grauzone der «wilden» Händler, kann der Kunde sicher sein, dass die Preise niedrig und die Waren "heiß" sind. Und sollte das Gesuchte tatsächlich nicht vorhanden sein, können die "Geschäftsleute" das Gewünschte garantiert in wenigen Stunden auftreiben.

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