Deutsche Produkte bleiben wettbewerbsfähig
Export bleibt trotz Euro-Stärke Wachstumsstütze

Der Export bleibt trotz der Euro-Stärke die Stütze der deutschen Wirtschaft und verhindert nach Ansicht von Experten ein Abrutschen in die Rezession. Im März führten die deutschen Unternehmen 2,8 % mehr Waren aus als vor einem Jahr, im gesamten ersten Vierteljahr sogar 4,4 % mehr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Reuters BERLIN. "Die Exporte bleiben die Wachstumsstütze", sagte HypoVereinsbank-Volkswirt Andreas Rees. Die von Unternehmen und Verbänden befürchtete dämpfende Wirkung der Euro-Aufwertung auf Export und Wachstum bestätigten die Volkswirte zwar, warnten aber davor, die Folgen überzubewerten.

Deutsche Produkte auch bei hohem Euro wettbewerbsfähig

Im Vergleich zum Februar setzten die deutschen Exporteure nach Angaben des Statistischen Bundesamtes saisonbereinigt 0,6 % weniger ab. "Der steigende Euro belastet natürlich die Exporte", sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. "Trotz dieses Wettbewerbsnachteils verläuft die Entwicklung der Exporte noch gut, was auch für die Zukunft auf keinen großen Einbruch bei den deutschen Ausfuhren hindeutet." Der Euro notierte am Freitag zeitweise mit Kursen über 1,15 Dollar auf dem höchsten Stand seit vier Jahren.

Manfred Kurz von der Bayerischen Landesbank hob besonders die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie hervor, die wegen der hohen Lohnkosten einem steigenden Zwang zur Rationalisierung unterliege. Kurz betonte zudem den hohen Anteil des deutschen Handels mit Ländern der Euro-Zone und die Chancen für deutsche Firmen durch die Erweiterung der Europäischen Union (EU). Vergangenes Jahr gingen über 40 % der Ausfuhren in die Euro-Zone. Allein im März stiegen die Exporte in die Euro-Zone um gut elf Prozent zum Vorjahr, im ersten Quartal immerhin noch gut sechs Prozent. Im weiteren Jahresverlauf sollten zudem eine anziehende US-Konjunktur und das trotz der Krankheit SARS ungebrochen hohe Wirtschaftswachstum in Ostasien den deutschen Exportunternehmen helfen, sagte Kurz. Auch der Außenhandelsverband hatte sich unlängst zuversichtlich für 2003 gezeigt und seine Prognosen für das Exportwachstum angehoben.

Stabiler Außenbeitrag verhindert Rezession

Einig sind sich die Volkswirte, dass noch immer lediglich die Außenwirtschaft eine erneute Rezession in Deutschland verhindert. "Die Zahlen zeigen, dass der Export trotz der Schwäche der deutschen Wirtschaft wächst und dass wir ohne den Export in einer tiefen Rezession wären", sagte Kurz. Schon im vergangenen Jahr hatten die stabile Exporte das magere Wachstum von 0,2 % gesichert. Nach Ansicht von Rees wird daran auch die Euro-Stärke nichts ändern: "Der starke Euro tut dem Wachstum weh, aber wir geraten dadurch weder in Deutschland noch in der Euro-Zone in rezessive Tendenzen."

Rees erwartet allerdings, dass sich die wachstumsstützende Wirkung des Außenbeitrags im weiteren Jahresverlauf abschwächen wird. Im März verbuchte Deutschland in der Handelsbilanz einen Überschuss von 9,7 Mrd. ?, im ersten Vierteljahr damit insgesamt ein Plus von 29,4 Mrd. ?. Die Leistungsbilanz schloss mit einem Überschuss von 6,5 Mrd. ? im März und mit einem Plus von 9,6 Mrd. ? von Januar bis März ab.

Firmen sichern sich gegen Kursrisiken ab

Relativ gelassen zeigten sich nach wie vor die exportorientierten Konzerne von der jüngsten Euro-Rally. "Wir sind aktuell nicht betroffen, wir haben uns auf vier Jahre abgesichert", sagte ein Sprecher des Stuttgarter Autobauers Porsche. Mit Devisensicherungsgeschäften grenzen die Firmen ihre Risiken von Kursschwankungen ein ("Hedging"). Auch Daimler-Chrysler und BMW sind nach eigenen Angaben auf absehbare Zeit weitgehend abgesichert.

Daimler-Chrysler verwies zudem darauf, dass der Konzern einen großen Teil seiner Umsätzen in Dollar fakturiere. Auch der Kosmetikhersteller Beiersdorf ist nach Worten eines Sprechers von dem hohen Euro-Kurs aktuell nicht betroffen, da die Umsätze von den einzelnen Niederlassungen in der jeweiligen Landeswährungen verbucht würden. Erst bei der Konzern-Bilanz werde bei der Umrechnung ein Stichtagskurs genommen. Sollte der Euro also längere Zeit so hoch bleiben könnte sich dies durchaus noch zu einem Problem für Beiersdorf entwickeln.

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